"Ein klarer Fehler": Kompany kritisiert Mourinho im Rassismus-Skandal scharf

Bayern-Trainer Vincent Kompany kritisiert in einer Brandrede Benfica-Coach José Mourinho. Nach dem Rassismus-Vorfall um Vinicius Junior wird der Belgier emotional: "Passe nicht in diese Welt".
von  Maximilian Koch
Trainer des FC Bayern: Vincent Kompany.
Trainer des FC Bayern: Vincent Kompany. © IMAGO / RHR-Foto

So emotional und angefasst hatte man Vincent Kompany in seiner Zeit als Trainer des FC Bayern noch nie erlebt. Als es auf der Pressekonferenz vor der Partie gegen Eintracht Frankfurt am Samstag (15.30 Uhr) um den Rassismus-Vorwurf von Real-Madrid-Star Vinicius Junior beim Champions-League-Spiel gegen Benfica Lissabon unter der Woche ging, setzte der Belgier zu einer großen Rede an. Alle sportlichen Fragen wurden vorab abgehandelt, ehe Kompany mehr als zwölf Minuten zum Thema Rassismus ausholte. Und Benfica-Trainer José Mourinho sehr deutlich kritisierte.

Kompany attackiert Mourinho

Mourinho habe nach der Partie "den Charakter von Vinicius Junior attackiert. Er hat die Art, wie er jubelt, gegen ihn verwendet. Für mich ist das aus Führungsperspektive ein klarer Fehler", sagte Kompany. Rumms! Zum Hintergrund: Vinicius Junior hatte Benfica-Profi Gianluca Prestianni nach dem 1:0 im Playoff-Hinspiel der Königsklasse vorgeworfen, ihn als "Affe" bezeichnet zu haben. Mourinho hatte dagegen die aufreizende Art des Torjubels des Brasilianers moniert. Die Uefa hat inzwischen Ermittlungen eingeleitet. Es steht Aussage gegen Aussage.

Champions-League-Aufreger: Vinicius Junior (l.) und Gianluca Prestianni.
Champions-League-Aufreger: Vinicius Junior (l.) und Gianluca Prestianni. © IMAGO/Miguel Lemos

Kompany machte aus seiner Haltung kein Geheimnis. "Wenn man sich die Szene ansieht, sieht man, dass Vinis Reaktion nicht vorgetäuscht sein kann", führte er aus: "Ich sehe keinen Grund bei ihm, sich beim Schiedsrichter zu beschweren und damit all das Elend auf sich zu nehmen." Mourinho sah das ganz anders - und zog damit Kompanys Zorn auf sich.

Der Portugiese habe erklärt, dass Benfica "nicht rassistisch" sein könnte, "denn der wichtigste Spieler in ihrer Geschichte war Eusébio. Aber wissen sie", sagte Kompany, "was Spieler in den 60er-Jahren durchgemacht haben? Mein Vater ist auch ein schwarzer Mann aus den 60ern - und damals hatten sie als einzige Option, ruhig zu bleiben, nichts zu sagen, darüber zu stehen, zehnmal besser zu sein, um dann vielleicht ein bisschen Anerkennung zu bekommen. Das war Eusébios Leben. Und heute seinen Namen dafür zu verwenden, um etwas gegen Vinicius Júnior zu sagen. . ."

Rückendeckung für Vini Junior

Er habe "100 Menschen getroffen, die mit José Mourinho zusammengearbeitet haben. Und ich habe noch nie einen getroffen, der etwas Schlechtes über ihn gesagt hätte. Alle Spieler, die für ihn gespielt haben, lieben ihn", führte Kompany weiter aus. "Aber da hat er einen Fehler begangen." Ob Mourinho, der selten einer Auseinandersetzung aus dem Weg geht, auf diese scharfe Kritik reagieren wird? 

Mal wieder in der Kritik: Startrainer Mourinho.
Mal wieder in der Kritik: Startrainer Mourinho. © IMAGO/Zed Jameson

Kompany war in seiner Zeit als Profi nach eigener Aussage selbst mehrfach rassistisch beleidigt worden. "Mein Traum ist, dass es am Ende dieser Situation einen Raum gibt, wo jemand sagen kann: 'Es tut mir leid, ich bitte um Entschuldigung'." Er hoffe einfach, "dass dies nicht mehr so passieren wird, sodass wir nach vorne blicken können und wachsen können. Und schaut mal auf die Dinge, die wir zusammen schaffen können und nicht auf die, die uns trennen." Für ihn, sagte der 39-Jährige, sei es "eine ganz schwierige Thematik. Denn ganz ehrlich, ich passe nicht in diese Welt und was da alles passiert, ich sehe da meinen Platz oftmals nicht."

Ein denkwürdiger Kompany-Auftritt, an den man sich wohl noch einige Zeit erinnern wird.

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