Dominanz des FC Bayern kennt kaum Grenzen – sportlich brillant, strukturell problematisch

Der FC Bayern ist einsam: Hält einerseits die deutsche Fahne auf internationalem Parkett immens hoch, dominiert andererseits die Bundesliga und sorgt so für Langeweile sowie sinkendes Interesse.
Patrick Strasser |
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Aushängeschild in Deutschland: Der FC Bayern eilt von Sieg zu Sieg.
Aushängeschild in Deutschland: Der FC Bayern eilt von Sieg zu Sieg. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

Das nächste Etappenziel erreicht, vorzeitig. Die Bayern haben das Achtelfinale der Champions League durch das 2:0 gegen Union Saint-Gilloise klargemacht, vermeiden somit die sehnen- und nervenaufreibende Strafrunde Playoffs im Februar. Sieben Spiele in der Königsklasse, sechs Siege.

Nach der besten Hinrunde der Bundesliga-Historie mit 50 von 54 möglichen Punkten (lediglich zwei Remis) und einer atemberaubenden Tordifferenz von plus 53 absolvierte die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany nun die beste Ligaphase der Vereinsgeschichte.

Nur der FC Arsenal ist so konstant wie der FC Bayern

Okay, kleiner Scherz. War nicht schwer. Zum Vergleich: In der vorherigen Saison mussten die Münchner nach drei Pleiten in den ersten sieben Champions-League-Partien Ende Januar bangen, standen nur auf Rang 15. Und waren aus dem DFB-Pokal bereits ausgeschieden. Ein Jahr später winkt das Triple am Horizont. Das Finale der Königsklasse, das die Bayern 2020 zuletzt erreichten (und mit 1:0 gegen Paris Saint-Germain gewannen) scheint in Reichweite.

"Ich würde nie sagen, dass wir Favorit sind", meinte Kompany am Mittwochabend, "aber wir sind in guter Form. Und wenn wir so weiter machen, ist alles möglich." Außer dem FC Arsenal, souveräner Tabellenführer in der Premier League, noch souveränerer Erster der Ligaphase in der Champions League (mit sieben Siegen, unter anderem 3:1 gegen Bayern) ist keiner in Europa so konstant wie die Münchner.

"Wenn wir so weiter machen, ist alles möglich", meint Bayern-Trainer Vincent Kompany
"Wenn wir so weiter machen, ist alles möglich", meint Bayern-Trainer Vincent Kompany © Tom Weller/dpa

Schafft der FC Bayern die früheste Meisterschaft der Historie?

Fluch und Segen zugleich – für die Bundesliga. Letzter, wenn überhaupt nötiger Beweis der nationalen Dominanz des Rekordmeisters war das 5:1 am Samstag bei RB Leipzig – nach 0:1-Pausenrückstand. Der nächste Kantersieg. Die früheste Meisterschaft der Historie? Machbar. In der Saison 2013/14 waren die Bayern in der ersten Saison unter Chefcoach Pep Guardiola bereits Ende März nach dem 27. Spieltag durch, der Konkurrenz meilenweit enteilt. Wie aktuell.

Laaaaangweilig! Stöhnen viele Fans hierzulande auf. "Ich werde mich nicht beschweren, wenn wir die Liga schon im März oder April gewinnen", meinte Toptorjäger Harry Kane, dessen Titelsucht mit der Meisterschaft 2025 erst begonnen hat.

Harry Kane trifft gegen Union Saint-Gilloise doppelt.
Harry Kane trifft gegen Union Saint-Gilloise doppelt. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

Wegen Bayern-Überlegenheit: Internationale Aufmerksamkeit sinkt

Doch Erfolg auf Dauer macht einsam – und angreifbar. Denn durch die frappierende Überlegenheit sinkt die internationale Aufmerksamkeit für die Bundesliga und damit könnten mittelfristig die Erlöse der TV-Auslandsvermarktung einbrechen. Mehr Konkurrenz, mehr Wettbewerb. Mehr Spannung, mehr Relevanz.

Helfen da eine andere Verteilung der nationalen TV-Gelder und eine Gehalts- bzw. Kader-Obergrenze? Mit 980,95 Millionen Euro ist der Kaderwert der Bayern beinahe doppelt so hoch wie der von Borussia Dortmund (502,90). Von Bayer Leverkusen (431,25), dem Doublesieger 2024, ganz zu schweigen.

FC Bayern hält die internationale Fahne hoch

Die nun wiederkehrende Diskussion um die bayerische Ligadominanz "prallt an uns ab. Als Leverkusen und Stuttgart vor eineinhalb Jahren uns standen, habe ich keinen Salary Cap gehört. Da haben wir richtig Hohn und Spott bekommen, dass wir nur Dritter wurden, nicht mal den Supercup spielen durften," meinte Sportvorstand Max Eberl und stellte selbstbewusst klar: "Wir haben einen guten Job gemacht, stehen hochverdient da. Das zeigt, welche Kraft wir haben. Das ist alles nicht geschenkt." Böse Bayern, nette Bayern. Kritisiert und bewundert. Die Liga ächzt und ist dankbar.

Bayerns Sportvorstand Max Eberl.
Bayerns Sportvorstand Max Eberl. © IMAGO

Wie so oft halten die Münchner im wichtigsten Wettbewerb des Kontinents fast alleine die nationale Fahne hoch. Während Bayern nach dem einzigen Bundesliga-Sieg dieser Woche in der Champions League vorzeitig im Achtelfinale steht, ist Eintracht Frankfurt nach einer Pleite in Aserbaidschan gegen Qarabağ bereits raus (einen Abstieg in die Europa League gibt es nicht mehr). Der BVB kämpft noch um einen Platz in den Top 8, Leverkusen als 20. ums Erreichen der Playoffs.

Uefa-Prämien: Schon mehr als 50 Millionen Euro für den FC Bayern

Schon jetzt sind den Bayern Einnahmen von mehr als 50 Millionen Euro an Uefa-Prämien aus der Königsklasse sicher. Für die sechs Siege gab's je 2,1 Millionen, zwei Millionen für den Platz in den Top 8 und elf Millionen für den Achtelfinaleinzug. Da man mindestens Vierter wird, kommen mindestens 9,075 Millionen als Belohnung für die Abschlussplatzierung hinzu. Verdient ist verdient.

Die Kluft in der Liga wird dadurch größer und größer. Doch soll Bayern freiwillig verlieren?

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  • Der Münchner vor 22 Stunden / Bewertung:

    Und gestern war auch ohne die Ultras tolle Stimmung!

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  • Himbeer-Toni vor 22 Stunden / Bewertung:

    Richtig. Die seit über 20 Jahren Dauer ausverkaufte Arena sagt ja alles aus.

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  • Südstern7 vor 22 Stunden / Bewertung:

    Es ist ja empathisch, dass sich Herr Strasser Sorgen macht, wenn er - fast schon philosophisch - meint:

    "Doch Erfolg auf Dauer macht einsam – und angreifbar."

    Misserfolg aber auch. Dann ziehe ich die erstere Variante vor.

    Aber um mal bei diesem "keiner mag uns" zu bleiben:
    Diejenigen, die sich (angeblich) mehr Spannung wünschen, wollen den Sturz des FC Bayern erleben. Immer wieder taucht bei Berichten fast schon wehmütig der Begriff "FC Hollywood" auf. Darum geht es. Dass wir uns zerfleischen wenn es nicht läuft, dass Köpfe rollen, dass Spott und Häme, wie es Eberl so schön und richtig formuliert, über uns hereinbrechen.

    Nein, nein. Ich lasse mir den schönen Fußball, die wunderbar herausgespielten Siege, die vielen Tore nicht vermiesen. Der FC Bayern wird niemals im TV-Ranking, also im Zuschauerinteresse, einbrechen. Alle werden sie auf die Bayern gucken. Hoffen dass er verliert, oder hoffen dass er gewinnt. Und alle partizipieren an Spekulationen. Experte Hamann lässt grüßen.

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