Die Kompany-Kniffe: So hat er die Bayern (beinahe) unschlagbar gemacht

Der FC Bayern zeigt sich in dieser Saison in beeindruckender Form. Dass die Mannschaft einfach nicht nachlässt, hat auch mit Trainer Vincent Kompany zu tun.
von  Patrick Strasser
Baumeister des Bayern-Erfolgs: Vincent Kompany
Baumeister des Bayern-Erfolgs: Vincent Kompany © Tom Weller/dpa

Nach Abschluss dieser Hinrunde sollten sich die DFL und der DFB überlegen, ob sie eine neue Trophäe kreieren möchten. Den Seriensieger-Nicht-Besieger-Aber-Auch-Nicht-Verlierer. Okay, etwas holprig. Doch Union Berlin und der FSV Mainz 05 sind in dieser Hinrunde der Bundesliga-Spielzeit 2025/26 in die Annalen eingegangen mit einem: Unentschieden! Nicht verloren gegen den FC Bayern, die Übermacht. Das ist doch mehr wert als nur eine Erwähnung.

Das 1:1 im November in Köpenick und das 2:2 gegen Mainz im Dezember waren – andersherum betrachtet – die einzigen Patzer der Bayern in dieser famosen Hinrunde. 15 von 17 Spielen gewonnen, macht 88 Prozent. Besser war noch niemand. Mit dem 3:1 beim 1. FC Köln ist die beste Hinrunde der Liga-Geschichte eingetütet.

Heißt: Kompany größer als Guardiola. Der Bayern-Chefcoach übertrumpft seinen einstigen Trainer und Lehrmeister Pep Guardiola, der die Hinrunde der Saison 2013/14 mit den Bayern mit 47 Punkten und +35 Toren abschloss. Nun steht der Tabellenführer bei 47 Punkten und +53 Toren.

Pep Guardiola war der große Lehrmeister von Vincent Kompany.
Pep Guardiola war der große Lehrmeister von Vincent Kompany. © Imago/Sven Simon

Das Kompany-Credo: Rekorde sind keine Titel

Kapitän Manuel Neuer war nicht zum Feiern aufgelegt, sah die neue Bestmarke eher nüchtern-pragmatisch. "Gerade wenn man die Geschichte des Vereins oder der Bundesliga sieht, ist es schwer, noch irgendwelche Rekorde einzufahren. Das nehmen wir gerne mit." Erfolgstrainer Kompany erläuterte in Köln, es sei für ihn "ein innerlicher Konflikt mit meiner Mentalität, dass wir mitten in der Saison schon einen Rekord bejubeln, weil: Das ist kein Titel!"

Jedoch ein Zeugnis der Qualität und damit der Dominanz, der Übermacht. Letztlich: Von Kompanys Arbeit. Die neue Bestmarke - eingesackt im Vorbeigehen, so der Eindruck. Aber nicht im Handumdrehen. Da steckt viel dahinter. Viel Arbeit und einige Tricks. Die AZ erklärt Kompanys Kniffe und wie er seine Mannschaft Spiel für Spiel hungrig und gierig hält.

Kniff eins: Die Null steht

Vor jedem Spieltag, vor jeder Partie bläut der Erfolgstrainer seiner Mannschaft ein: "Es geht im nächsten Spiel wieder bei null los." Nach dem 3:1 in Köln sagte der Belgier: "Wir nehmen den Rekord mit, ich gratuliere den Jungs. Aber morgen beginnt die Rückrunde, auch da geht es wieder bei null los."

Was er damit meinte: Die Vorbereitung auf den Rückrundenstart am Samstag (18.30 Uhr, Sky) bei RB Leipzig. Das Hinspiel hatten die Münchner im August furios mit 6:0 gewonnen. Wer das erwähnt, tappt in Kompanys Falle. Denn: Was zählt, was hilft die Vergangenheit? Man kann, so der 39-Jährige, immer nur das nächste Spiel gewinnen. Was war, das war. Die goldene Hinrunde sei "vorbei, alles steht wieder auf null".

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Kniff zwei: Die Titel-Drohung

In den internen Sitzungen an der Säbener Straße weist Kompany seine Mannschaft immer wieder auf einen weiteren Punkt hin, es ist Psycho-Trick Nummer zwei: "Wenn es dem Gegner gelingt, uns zu schlagen, ist das für die wie ein Titel. Das wollen wir nicht zulassen!" Bayern-Besieger – das trifft in dieser Spielzeit, nach bisher 27 Pflichtspielen lediglich auf den FC Arsenal zu, die Londoner gewannen Ende November in der Champions League mit 3:1.

Wir bleiben immer in unserem Tunnel.

Vincent Kompany

Kniff drei: Scheuklappen auf!

Was die anderen so machen und sagen? Ist Kompany einerlei. Nebenkriegsschauplätze gilt es zu vermeiden. "Fokus" ist eines seiner Lieblingsworte. Auch in Köln betonte er: "Wir bleiben immer in unserem Tunnel." Sportvorstand Max Eberl erinnerte: "Fakt ist, wir sind vor 18 Monaten Dritter in der Bundesliga geworden." Und nun? "Wir sind auf dem Weg, Dinge zu entwickeln. Wir sind auf dem Weg, stabil zu werden." Aber nicht arrogant oder übermütig. Dafür sorgt Kompany mit seinem Understatement. "Jetzt wollen wir die Rückrunde gewinnen und wenn meine Rechnung stimmt, dann gewinnen wir so die Meisterschaft."

Im Fußball wird die Ernte im Frühjahr eingefahren. "Jetzt müssen wir, ich klopfe auf Holz, alle gesund bleiben und die Verletzten stabil zurückkommen, damit wir wirklich im März, April um die großen Titel spielen können", meinte Eberl. Da sieht einer Silberware am Ende des Tunnels.

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