Die Gewinner und Verlierer des Klopp-Starts: Drei FC-Bayern-Stars überzeugen, einer muss zittern

Die ersten vier Länderspiele unter Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp sind gespielt. Wer wusste zu überzeugen und wer nicht? Die AZ macht den Check.
Patrick Strasser |
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Tom Bischof (l.) und Aleksandar Pavlovic (r.) hinterließen in den ersten Länderspielen unter Jürgen Klopp einen guten Eindruck.
Tom Bischof (l.) und Aleksandar Pavlovic (r.) hinterließen in den ersten Länderspielen unter Jürgen Klopp einen guten Eindruck. © IMAGO/Ulrich Hufnagel

Zwei Schulklassen hingen in den vergangenen beiden Wochen an den Lippen von Fußballlehrer Jürgen Klopp, der neu an die Schule am DFB-Campus kam. Joshua Kimmich, der Klassensprecher, durfte nach der großen Pause nicht wieder ins Klassenzimmer, bekam eine Nachdenk-Aufgabe.

"Ich könnte nun über jeden Spieler ein Buch schreiben", sagte Bundestrainer Klopp und lobte alle: "Die Spieler waren toll, wirklich. Mit diesem Spielerpool können wir in die Zukunft gehen."

Die Gewinner: Da ist zum einen Torhüter Jonas Urbig, beim FC Bayern Neuers Stellvertreter und Kronprinz. Der 23-Jährige hielt zweimal zu null, hat sich für weitere Einsätze empfohlen. Im November wird Klopp wohl nur drei Torhüter nominieren. Urbig hat nun einen kleinen Vorsprung und das Momentum auf seiner Seite.

Ist Treu die Lösung für Deutschlands Rechtsverteidiger-Problem?

Drei der vier Partien dieses Länderspielfensters bestritt Philipp Treu (SC Freiburg) und überzeugte mit Biss, Zweikampfhärte, Laufbereitschaft und Offensivdrang. "Ich habe nicht den Eindruck gehabt, dass er ein Neuling ist", sagte Klopp über den 25-Jährigen und fand: "Er hat's toll gemacht, hinten rechts rotzfrech rausgespielt." Nach Treus Auftritten macht sich DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus "keine Sorgen" mehr, "dass wir auf der Rechtsverteidiger-Position ein Problem haben".

DFB-Neuling Philipp Treu wusste in seinen ersten Länderspielen als Rechtsverteidiger zu überzeugen.
DFB-Neuling Philipp Treu wusste in seinen ersten Länderspielen als Rechtsverteidiger zu überzeugen. © IMAGO/Eibner

Das Mittelfeld-Zentrum besetzten in Abwesenheit von Zwangsurlauber Kimmich, dem eigentlichen Kapitän, zweimal "Bischovic", also Tom Bischof (21) und Aleksandar Pavlovic (22) vom FC Bayern. Gegen die Serben strahlte das Duo Sicherheit, Mut und Dominanz aus. Vor allem Pavlovic sei "omnipräsent" gewesen, so Klopp, "er war unser Maschinenraum, hat wie ein Leader agiert". Bischof bestach mit Torgefahr bei Schüssen aus der zweiten Reihe, traf in München zur Führung.

Wirtz überzeugt als Zehner, Scherhant sorgt für Lichtblicke

Als Gewinner darf sich auch fühlen: Florian Wirtz (23), in Thessaloniki Kapitän. Er bekommt von Klopp alle Freiheiten auf der von ihm geliebten Zehnerposition und glänzte gegen Serbien mit Spielwitz und einem Treffer. Derry Scherhant (23), Linksaußen des SC Freiburg, bestach durch sein hohes Laufpensum und seinen Drang zum Tor. Hat die Nase vorn vor Kevin Schade (Brentford) und Chris Führich (VfB Stuttgart).

Die Verlierer: Wenn Jonas Urbig der Torwart-Gewinner ist, können es seine Keeper-Kollegen Marc-André ter Stegen (34) und Alexander Nübel (30) nicht sein. Sie bekamen jeweils nur ein Spiel – Rückkehrer ter Stegen wurde nach dem endgültigen Rücktritt von Manuel Neuer nicht als klare Nummer eins ausgerufen.

Da Bischof und Pavlovic überzeugten, wird der Weg ins Team auf der zentralen Mittelfeld-Position für Felix Nmecha (25) von Borussia Dortmund schwierig. Gilt auch für Joshua Kimmich (31). Doch der hat erstens den Kapitäns-Bonus und spielt bei Bayern eine gewichtige Rolle als Mittelfeld-Leader unter Trainer Vincent Kompany – in einem anderen System. Verzichtet Klopp auf einen Weltklasse-Fußballer, nur weil der mit seinem Spiel nicht ganz zur Philosophie des neuen Bundestrainers passt? Dieses Fass wird Klopp zeitnah nicht aufmachen.

Das Standing von Joshua Kimmich in der Nationalmannschaft ist zuletzt nicht leichter geworden.
Das Standing von Joshua Kimmich in der Nationalmannschaft ist zuletzt nicht leichter geworden. © IMAGO/osnapix

DFB-Elf sucht nach verlässlichem Torjäger

In den vier Partien dieses Lehrgangs gelangen dem DFB-Team genau drei Treffer – ein Tor eines Mittelstürmers war nicht darunter. Nick Woltemade (24) agierte gegen Serbien im Strafraum unglücklich. Jonathan Burkardt (26) wurde der stark erzielte Treffer in Griechenland wegen eines vorausgegangenen Handspiels aberkannt. Kai Havertz (27) verletzte sich in Amsterdam. Dem Frankfurter Younes Ebnoutalib (23), der als Joker sein Debüt feierte und in Augsburg in der Startelf stand, merkte man an, dass dieses Niveau aktuell noch etwas zu hoch für ihn ist. Für die November-Länderspiele dürfte sich der so unorthodoxe Angreifer Deniz Undav (30) vom VfB wieder Chancen ausrechnen – vorausgesetzt, er trifft wieder regelmäßiger für den Stuttgart.

"Wir haben jetzt viele Alternativen auf verschiedenen Positionen. So kann man eine Fußball-Idee weiterentwickeln", so Klopps Fazit. Die Tür zur Nationalelf sei "für jeden sperrangelweit offen." Wer geht durch?

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