FC Bayern marschiert von Sieg zu Sieg – denn Kompany zog richtige Schlüsse

Der FC Bayern zieht in der Bundesliga weiter einsam seine Kreise. Auch dank Erfolgstrainer Vincent Kompany, der die ihm an die Hand gegebenen Zielvorgaben maximal konsequent umsetzt.
von  Bernhard Lackner
Vincent Kompany erwies sich als absoluter Glücksgriff für den FC Bayern.
Vincent Kompany erwies sich als absoluter Glücksgriff für den FC Bayern. © Harry Langer/dpa

Die Bundesliga hat in dieser Saison nun wirklich einiges zu bieten – Spannung im Meisterkampf gehört aber wahrlich nicht dazu. Die Hinrunde ist noch nicht einmal vorbei, da führt der FC Bayern die Tabelle bereits mit satten elf Punkten Vorsprung an. Borussia Dortmund, als Tabellenzweiter noch der ärgste "Verfolger" der Münchner, ließ beim 3:3 in Frankfurt zum Auftakt ins neue Jahr mal wieder zwei Zähler liegen. Noch schlimmer erwischte es Bayer Leverkusen, das gegen den VfB Stuttgart mit 1:4 unter die Räder kam. Nur die Bayern, die marschieren fröhlich von Sieg zu Sieg.

"Das schmeckt gut, muss ich sagen. Das haben wir uns auch vorgenommen, uns hier zu Hause an so einem kalten Januartag wieder ein bisschen in die Herzen reinzuspielen", jubilierte Kapitän Manuel Neuer nach dem jüngsten 8:1-Kantersieg gegen den VfL Wolfsburg am Sonntagabend, durch den die Münchner ihre Tordifferenz nach 16 Spieltagen auf beeindruckende 51 Tore hochgeschossen haben.

Mit einem weiteren Sieg am Mittwoch beim 1. FC Köln winkt sogar die bisher beste Bundesliga-Hinrunde. Selbst der Tore-Rekord aus der Saison 1971/72 (101) dürfte bei derzeit schon 63 (!) Treffern fallen. Längst stellt sich nicht mehr nur national die Frage: Wer soll diese Bayern noch stoppen?

Unter Kompany befindet sich Bayern in der besten Verfassung seit Jahren

Der deutsche Rekordmeister befindet sich sportlich in der besten Verfassung seit Jahren. Untrennbar verbunden mit der aktuellen Erfolgswelle ist der Name von Trainer Vincent Kompany, der sich seit seiner Amtsübernahme mit seiner ruhigen, sachlichen und nahbaren Art längst in die Herzen von Fans, Spielern und Verantwortlichen gecoacht hat.

Vor anderthalb Jahren als scheinbare Notlösung von Premier-League-Absteiger FC Burnley verpflichtet, hat sich der Belgier als größter Glücksgriff der jüngeren Vereinsgeschichte entpuppt – und sich im Haifischbecken an der Säbener Straße auf beeindruckende Weise freigeschwommen.

Wirklich leicht hatte es Kompany nach seiner Ankunft nämlich erst einmal nicht. In München fand der einstige Weltklasse-Verteidiger einen Klub vor, der nach zahlreichen Wechseln auf Trainer- und Vorstandsebene auf der Suche nach seiner Identität war und zu allem Überfluss die erste titellose Saison seit mehr als einem Jahrzehnt zu verdauen hatte. Für den Belgier ging es zunächst darum, den Verein zu befrieden und insbesondere die deutsche Meisterschaft – nach ur-bayerischer Anspruchshaltung die Mindestausbeute am Ende einer Saison – zu gewinnen.

FC Bayern München: Nach Kompanys Debütsaison gab es noch Luft nach oben

Genau das tat Kompany, mehr aber auch nicht. Im DFB-Pokal war gegen Bayer Leverkusen im Achtelfinale schon wieder Schluss, in der Champions League mussten sich die verletzungsgeplagten Münchner Inter Mailand im Viertelfinale geschlagen geben. Für seine zweite Saison war also durchaus noch Luft nach oben.

Für die schwer verletzungsgeplagten Bayern war in der vergangenen Champions-League-Saison im Viertelfinale gegen Inter Mailand Schluss.
Für die schwer verletzungsgeplagten Bayern war in der vergangenen Champions-League-Saison im Viertelfinale gegen Inter Mailand Schluss. © Sven Hoppe/dpa

Vor allem im Pokal ist die Zielsetzung in dieser Spielzeit klar: Nach sechsjähriger Pause soll in Berlin endlich wieder der Pott geholt werden, da sind sich an der Säbener Straße alle einig. In der aktuellen Verfassung sind die Bayern im Wettbewerb der haushohe Favorit, auch wenn im Viertelfinale mit RB Leipzig einer der stärksten Gegner im verbleibenden Teilnehmerfeld wartet. Zur Ausrede taugt das allerdings nicht. Im Mai wollen die Bayern in jedem Fall den Pokal in den Händen halten – alles andere wäre eine große Enttäuschung. Die Voraussetzungen könnten schlechter stehen.

Und dann gab es da noch einen zweiten klaren Auftrag, der Kompany für seine zweite Saison mit auf den Weg gegeben wurde: die Nachwuchsförderung, in seiner ersten Spielzeit noch einer der wenigen Kritikpunkte. Der Belgier war auch deshalb verpflichtet worden, um den Talenten aus dem sündhaft teuren Campus den Weg zu den Profis zu ebnen.

Unter Kompany erhielten die Talente zunächst kaum Chancen

"Dafür musst du auch den Trainer haben. Wir wollen Junge reinbringen, die in den nächsten fünf, sechs Jahren die Gesichter des FC Bayern sind", sagte Sportvorstand Max Eberl bei der Vorstellung des Belgiers. Der setzte um des kurzfristigen Erfolgs Willens in seiner Debütsaison aber bevorzugt auf erfahrene Spieler, während die eigenen Nachwuchskräfte – wie schon bei seinen Vorgängern – an eine gläserne Decke stießen.

Auch aufgrund des im Laufe des vergangenen Sommers durch den Aufsichtsrat verhängten Transferstopp und den vergleichsweise dünnen Kader wurde Kompany dazu gezwungen, der Jugend eine Chance zu schenken. Und die zahlt es dem Trainer auf eine Weise zurück, wie nur selten eine Generation vor ihr.

Kompany verhalf in dieser Saison schon fünf Bayern-Talenten zum Profi-Debüt

Lennart Karl etwa hat sich zu einem der spannendsten Offensivtalente Europas entwickelt, er zählt bei den Bayern mittlerweile zum Stammpersonal. Mit Wisdom Mike steht bereits das nächste 17-jährige Juwel in den Startlöchern, gegen Wolfsburg kam mit Felipe Chávez wieder ein Youngster zu seinem ersten Profieinsatz. Insgesamt verhalf Kompany in der laufenden Saison bereits fünf Spielern zu ihrem Pflichtspiel-Debüt in der ersten Mannschaft. Ein regelrechter Jugend-Wahn, wie man ihn bei den Bayern selten gesehen hat.

Wisdom Mike (2. v. l.) und Lennart Karl (3. v. l.) wurden im vergangenen August mit neuen Verträgen ausgestattet und gehören in dieser Saison fest zum Profikader der Bayern.
Wisdom Mike (2. v. l.) und Lennart Karl (3. v. l.) wurden im vergangenen August mit neuen Verträgen ausgestattet und gehören in dieser Saison fest zum Profikader der Bayern. © FC Bayern

Die Mischung innerhalb der Mannschaft stimmt jedenfalls, das hat sich am Sonntagabend einmal mehr gezeigt. "Es steht 5:1, 6:1, wir wechseln, bringen junge Spieler und schießen trotzdem noch zwei, drei Tore. Das ist gerade genau unsere Mentalität", schwärmte Eberl und bekam Zuspruch von Kompany: "Es sind diese Momente, in denen es 5:1, 6:1 oder 7:1 steht und wir trotzdem weitermachen, weiter pressen und versuchen, noch mehr Tore zu schießen. Und dann ist da auch diese Mischung: dass junge Spieler reinkommen, sich zeigen können, wir aber trotzdem dieses Gesicht des FC Bayern nicht verlieren."

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