Trotz Mängel im Scoutingsystem: DFB hält von FC-Bayern-Youngster Assomo große Stücke

Den rund 22.000 Zuschauern im Jeju World Cup Stadium dürfte sein Name noch kaum ein Begriff gewesen sein. Umso mehr staunten sie, wie lässig Bastian Assomo gegen Jeju SK FC zum 2:1 für den FC Bayern einnetzte. Ganz anders die Reaktion von Cheftrainer Vincent Kompany. "Was er gemacht hat", sagte der Belgier mit trockener Miene, "kennen wir von ihm".
Bischof mit Lob für Assomo
Bemerkenswert war der sehenswerte Siegtreffer des Stürmers dennoch, nicht zuletzt als Sinnbild des neuen Münchner Wegs. Assomo, Jahrgang 2010, ist bekannterweise nur eines der Talente, die sich auf der Asienreise der Münchner zeigen dürften. "Es ist schon brutal für sein Alter, wie er die Bälle festmacht", lobte Tom Bischof.
Wie die AZ weiß, hält man beim Rekordmeister schon länger große Stücke vom Teenie. Und auch beim DFB, wo er zuletzt in der U16 spielte, traut man dem 1,90-Meter-Angreifer einiges zu. Entsprechend will man sich um Assomo, der auch für Kamerun auflaufen dürfte, bemühen, wenngleich er wohl noch nicht auf der geheimen 57-Mann-Liste von Bundestrainer Jürgen Klopp steht.

Klopp will beim DFB "jeden Stein umdrehen"
"Wir wollen jeden Stein umdrehen", kündigte der 59-Jährige bei seiner Vorstellungspressekonferenz an. Heißt: Klopp will beim Verband eine Wurzelbehandlung durchführen. Und wird sich auch die Strukturen im Nachwuchs anschauen. Denn dort liegt seit geraumer Zeit einiges im Argen. Vereine, darunter auch der FC Bayern, berichten der AZ von großen Mängeln im Scoutingsystem des Verbandes.
DFB soll Hinweise des FC Bayern nicht ernst nehmen
Die Klubs sehen den Grund für das Defizit an DFB-Weltklassespielern nicht in der eigenen Ausbildung. Vielmehr sollen vor allem Jugendtrainer und Scouts des DFB bei der Sichtung möglicher Juniorennationalspieler zu nachlässig agieren. Gerade bei Talenten, die neben Deutschland auch für eine weitere Nationalmannschaft auflaufen können, zeige sich das.
Wie die AZ erfuhr, wurden und werden selbst Hinweise des FC Bayern auf das Potenzial einzelner Talente nicht ernst genommen. Während A-Nationaltrainer anderer Verbände die Spieler bereits umgarnen, bemüht sich der DFB nur bedingt um die Youngsters oder hat sie erst gar nicht auf der Liste. Das Ergebnis: Einige Akteure entscheiden sich gegen Deutschland.

Dalic bemühte sich frühzeitig um Talente
Auch bei Talenten, die in den U-Nationalmannschaften spielen, tue man zu wenig, um sie zu binden. Unter anderem Josip Stanisic spielte schon für die U19 des DFB, entschied sich dann aber für Kroatien. Der damalige Cheftrainer Zlatko Dalic bemühte sich deutlich früher um mögliche Nationalspieler, als man das beim deutschen Verband zuletzt machte.
So sicherte sich Kroatien übrigens auch Juwel Filip Pavic. Der Innenverteidiger, in Freising geboren, wechselte nach Länderspielen für die deutsche U15 und U16 den Verband und spielt aktuell für Kroatiens U17. Nagelsmann soll sich beim Rekordmeister nie nach ihm erkundigt haben. Auch im Falle Paul Wanner bemühte sich der ÖFB in Person von Coach Ralf Rangnick deutlich intensiver, telefonierte regelmäßig mit ihm.

DFB wollte Wanner nicht in höhere U-Nationalmannschaft einladen
Dazu kam: Aufgrund festgelegter DFB-Prinzipien wollte man den Zehner offenbar nicht schon in jungem Alter in eine höhere U-Nationalmannschaft einladen. In Österreich hingegen war das problemlos möglich. Das Ergebnis: Am Ende entschied sich Wanner nach der U21 für den ÖFB, bekam bei der WM sogar Einsatzminuten.
Die Liste lässt sich beliebig verlängern. Bei Kenan Yildiz reagierte der DFB nach AZ-Informationen nicht auf die Empfehlung der Bayern. Heute ist er Leistungsträger in der Türkei. Auch Can Uzun (Türkei), Malik Tillmann (USA), Igor Matanovic (Kroatien), Marin Pongracic (Kroatien) oder Fisnik Asllani (Kosovo) hätten für Deutschland spielen können.
Osmani wird von Kosovo umworben
Aktuell droht der Verband, der AZ liegt der Name vor, das nächste vielversprechende Talent des FC Bayern zu verlieren. Während sich der Verband einer anderen Nation bereits intensiv um die Dienste des Youngsters bemüht, hält man sich beim DFB bisher zurück. Ob Klopp und der DFB doch noch auf ihn aufmerksam werden?
Klar ist: In der aktuellen Situation kann der DFB auf derartige Talente eigentlich nicht verzichten. Zu groß ist der Bedarf, wenngleich die größten Problembereiche aktuell woanders liegen. Deutschland fehlt es seit Jahren an einem gelernten Stoßstürmer und Außenverteidigern auf dem Niveau Weltklasse. Das zeigte auch die WM. Ob Assomo diese Rolle in den nächsten Jahren ausfüllen kann?