Der polarisierende Kapitän: Bei Kimmich sind sich die Experten uneinig
Der Kapitän der Nationalmannschaft polarisiert – nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den TV-Experten. Während Rekordnationalspieler Lothar Matthäus Bayern-Star Joshua Kimmich weiter als unantastbar im DFB-Team ansieht, hält Didi Hamann dessen Zukunft als Spielführer für fraglich.
Hamann stellt Kimmich infrage
"Ich glaube, dass Kimmich da schwer unter Druck kommt und dass sich die Kapitänsfrage dann irgendwann von selber erledigt, weil andere spielen", sagte der Ex-Nationalspieler und TV-Experte in der Sendung "Sky 90".

Worauf Hamann anspielt: Seit den ersten Länderspielen unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp ist eine Debatte um die Position und den Stellenwert des Profis vom FC Bayern im DFB-Team entbrannt. Für Hamann ist klar, dass Kimmich als Rechtsverteidiger besser aufgehoben ist als im defensiven Mittelfeld.
Debatte um Kimmichs Position
Der 31-Jährige sei früher von Hansi Flick, Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann hinten rechts aufgestellt worden, argumentierte Hamann, "drei Trainer mit herausragenden Fähigkeiten". Der 53-Jährige ergänzte: "Und jetzt will mir einer sagen, dass er Weltklasse ist in der Mitte?"

Auf den Hinweis des "Sky 90"-Moderators Patrick Wasserziehr, dass der aktuelle Bayern-Coach Vincent Kompany Kimmich auf der Sechs setze, antwortete Hamann: "Weil er keine anderen hat." Kimmich sei deswegen neben Aleksandar Pavlovic gesetzt.
Matthäus verteidigt Kimmich
In der Nationalmannschaft sei die Konkurrenz aber größer, auch wegen des Dortmunders Felix Nmecha. "Für mich steht außer Frage, wenn wir morgen WM-Finale spielen, dass Pavlovic und Nmecha in der Mitte anfangen", legte sich Hamann fest. Er habe im Sommer nach dem frühen WM-Aus gar Kimmichs Rücktritt erwartet: "Wir sind jetzt viermal früh ausgeschieden, wie viele Chancen will er denn noch haben?", sagte Hamann mit Blick auf die WM 2018, 2022, 2026 und EM 2024.

Dieser Sichtweise widersprach Matthäus am Montag entschieden. "Es ist nicht gerecht, wie man über ihn urteilt", sagte der frühere Bayern-Kapitän über Kimmich: "Deinen Leader darfst du nicht aus dem Zentrum rausnehmen, er gehört ins Mittelfeld. Kimmich kann von dieser Position aus Einfluss aufs Gesamtprojekt haben. Er ist ein Spieler, der Verantwortung übernimmt. Natürlich ist er ab und zu unbequem. Aber es ist doch schön für uns alle, wenn er sich nach dem Spiel hinstellt und auch mal den Finger in die Wunde legt."
