»Der Fan ist immer zweiter Sieger«

Die Bayern-Seele kocht, weil Jürgen Klinsmann in der kommenden Saison seine Stars quasi wegsperrt, überwiegend im Geheimen trainieren lässt. Jetzt debattieren auch die Bayerns Altstars über Klinsmann und die Aussperrung.
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Die nächste öffentliche Trainingseinheit beim FC Bayern findet am Mittwoch um 15 Uhr statt - dann wieder mit den Nationalspielern.
dpa Die nächste öffentliche Trainingseinheit beim FC Bayern findet am Mittwoch um 15 Uhr statt - dann wieder mit den Nationalspielern.

MÜNCHEN - Die Bayern-Seele kocht, weil Jürgen Klinsmann in der kommenden Saison seine Stars quasi wegsperrt, überwiegend im Geheimen trainieren lässt. Jetzt debattieren auch die Bayerns Altstars über Klinsmann und die Aussperrung.

Die Fans, die oft zu tausenden an die Säbener Straße pilgern, sind auf der Palme. Was halten nun ehemalige Stars von der (schönen?) neuen Bayern-Welt? Die AZ fragte nach bei Publikums-Lieblingen verschiedener Generationen.

Dieter „Mucki“ Brenninger (64, spielte von 1965 bis 1971 für Bayern): „Man sollte es nicht übertreiben mit der Abschottung. Fußball ist immer noch ein Sport für die Bevölkerung. Die Fans zahlen für die Spiele hohe Eintrittspreise, also sollte man ihnen auch die Chance geben, ihre Stars beim Training zu beobachten. Das ganze Geheimtraining ist doch sowieso nur Bla-Bla. Ich hab’ bei Bayern noch nix gesehen, was man unbedingt im Geheimtraining üben muss. Ein Freistoß wird nicht besser, bloß weil keiner zuschaut.“

Franz „Bulle“ Roth (51, 1966 bis 1978 bei Bayern): „Im Sinne der Mannschaft ist das sicher okay, für den Erfolg muss man alles versuchen. Das gab’s doch in Italien schon vor 40 Jahren, als wir noch gespielt haben. Klar, bei den Fans ist jetzt die Entrüstung groß, weil es neu ist in Deutschland. Bayern ist auch hier wieder mal der Vorreiter, andere Klubs werden’s nachmachen. Wenn Klinsmann in der nächsten Saison die Champions League gewinnt, ist die ganze Aufregung schnell vergessen, wenn er keinen Erfolg hat, kriegt er sowieso Probleme.“

Klaus Augenthaler (50, 1977 bis 1991 Profi, danach bis 1997 Co-Trainer bei Bayern): „Das ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite will der FC Bayern ein volksnaher Verein sein, andererseits voll professionell. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit kann man schon konzentrierter arbeiten, als wenn 3000 bis 4000 Leute am Zaun stehen. Man kann als Trainer die Spieler ganz anders, auch mal härter, anpacken. Und als Spieler ist man geneigt, vor vielen Fans auch mal nur für die Galerie zu spielen. Doch das ist jetzt ein Riesenschnitt. Klar, dass die Fans sauer sind. Im Endeffekt ist der Fan immer zweiter Sieger. Klinsmann ist für einige nun schon vor dem Amtsantritt ein Feindbild – aber zum Erfolg verdammt ist er ohnehin. Das ist ja jeder bei Bayern.“

Andy Brehme (47, 1986 bis 1988 bei Bayern, danach zusammen mit Klinsmann bei Inter Mailand): „Das hat der Jürgen von Inter Mailand übernommen. Da durften die Fans damals schon nur einmal in der Woche, am Donnerstag, beim Training zuschauen. In Deutschland ist sowas Neuland, deshalb regen sich die Fans jetzt auf.“

Ludwig „Wiggerl“ Kögl (42, 1984 bis 1990 bei Bayern): Es ist schon schade, wenn die Fans nimmer beim Training zuschauen können. Da haben die jungen Burschen und Madln doch einen ganz anderen Zugang zu ihren Lieblingen als im Stadion, haben oft direkten Kontakt, kriegen ein handgeschriebenes Autogramm, können auch mal ein paar Worte mit einem Star wechseln. Das geht künftig nur noch sehr selten. Und sogar bei einem Tag der Offenen Tür, huschen die Spieler nur schnell an den Fans vorbei. Aber so ist der Lauf der Zeit. Alles wird größer, professioneller. Andererseits: An Ferientagen mit tausenden von Fans war die Grenze schon erreicht.“

Olaf Thon (41, 1988 bis 1994 bei Bayern, nun im Aufsichtsrat bei Schalke): „Der Fan ist das höchste Gut. Bei uns kommt nicht in Frage, die Fans größtenteils auszusperren.“

Franz Meier

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