"Das sieht man zum Beispiel an Michael Olise": Schalke-Boss nennt das Frühform-Geheimnis des FC Bayern

AZ: Herr Mulder, ich möchte eine kleine Zeitreise zurück in Ihre aktive Zeit als Spieler von Schalke 04 machen. Können Sie sich noch an Ihr erstes Spiel gegen den FC Bayern erinnern?
YOURI MULDER: Eigentlich nicht. Wahrscheinlich haben wir verloren. Deswegen habe ich es verdrängt.
Mulder hat besondere Erinnerungen an das Olympiastadion
Nein, tatsächlich hat Schalke damals im Parkstadion einen Punkt geholt und Sie haben ein Tor geschossen.
Das weiß ich gar nicht mehr. (lacht) Bei Spielen gegen den FC Bayern war das Olympiastadion für mich als Holländer natürlich ein schöner Ort. Wir haben dort ein WM-Finale gegen Deutschland gespielt und wir haben in München 1988 die EM gewonnen. Als ich dort das erste Mal auflaufen durfte, war es schon ein besonderer Moment.
Gleichzeitig haben Sie eine der dunkelsten Stunden von Schalke 04 erlebt, die Minuten-Meisterschaft 2001. Sind Sie seitdem doppelt heiß auf Duelle gegen den FC Bayern?
Nein. (lacht) Das hat keine Spuren bei mir hinterlassen. Der Schmerz, den ich gefühlt habe, der hat nichts mit dem FC Bayern zu tun. Ich klage da die Bayern nicht an. Sie haben alles richtig gemacht. Sie haben bis zum Ende gekämpft und das Tor gemacht.
Der Schmerz, den ich gefühlt habe, der hat nichts mit dem FC Bayern zu tun.
FC Bayern erwartet gute Stimmung in der Veltins-Arena
Schalke bestreitet am Samstagabend das erste Heimspiel nach der Rückkehr in die Bundesliga gegen den FC Bayern. Was erwarten Sie für eine Stimmung in der Arena?
Da erwartet uns und den FC Bayern eine Stimmung, die besonders ist. Es wird laut sein. Diese Unterstützung der Fans hat uns schon in der vergangenen Saison geholfen. Die Fans fanden unsere Spielidee, dass wir den Ball schnell zurückerobern wollten und viele Angriffe hatten, super. So konnten sie noch mehr schreien. Das hat in der Arena häufig eine ganz besondere Atmosphäre gebracht.
Gleichzeitig kommt es zum womöglich letzten Spiel von Manuel Neuer bei seinem Jugendverein S04.
Ich hoffe auf einen respektvollen Umgang mit ihm. Ich war dabei, als er seine ersten Schritte hier im Verein gemacht hat. Jeder hat sofort gesehen, dass er die Fähigkeiten zu einer Weltkarriere hat. Vor allem seine mentale Stärke hilft ihm, ein guter Torwart zu sein. Selbst wenn er mal einen Fehler macht, bleibt er ganz ruhig.

Schalke will dem FC Bayern Paroli bieten
Was nimmt sich Schalke für dieses Spiel gegen den FC Bayern vor? Muss S04 mehr "Fehlpässe" spielen?
(lacht) Stimmt, das habe ich mal gesagt vor einem Spiel. Wir sind eine Mannschaft, die aktiv gegen den Ball arbeitet und auf hohe Balleroberungen setzt. Wenn das Level des Gegners hoch ist, wird das natürlich schwieriger. Aber wir versuchen den Bayern schon Paroli zu bieten. Wir bereiten uns so gut wie möglich auf sie vor.
Dass es nicht immer einfach ist, auf Schalke zu arbeiten, zeigten die vergangenen Jahre. Mit Miron Muslic hat man aber vermeintlich einen Trainer gefunden, der das schafft. Warum passt er so gut zu S04?
Wir sind uns in Vorstand und sportlicher Leitung einig, dass er der richtige Mann für Schalke ist. Er hat also die volle Rückendeckung von uns. Die Idee, wie wir spielen möchten, tragen alle Mitarbeiter mit. Das hilft natürlich dem Trainer. Gleichzeitig ist er sich selbst sehr klar, was er möchte. Und er ist sehr klar, wie er es gegenüber der Mannschaft rüberbringt.
Wir sind uns in Vorstand und sportlicher Leitung einig, dass er der richtige Mann für Schalke ist.
Mulder mit Sonderlob für Trainer Kompany
Wenn wir auf die Bayern schauen, hätten Sie den Münchnern so eine Frühform nach der WM zugetraut?
Es ist klar zu sehen, wie viel Spaß sie am Fußball haben. Wenn man Freude in einem Verein hat, spielt man da auch gerne. Auch direkt nach der WM. Das sieht man zum Beispiel an Michael Olise. Der hat nach seiner kurzen Pause eine Woche trainiert und dann direkt wieder gespielt und sein Level war sofort das gleiche. Sie haben auch eine klare Spielidee, die den Spielern total Spaß macht. Das vermittelt den Eindruck, als würde es keine Kraft kosten. Aber man darf nicht vergessen, dass sie nicht nur gute Einzelspieler haben, sondern ein super Team sind. Sie machen auch defensiv ihre Arbeit, sie hören nicht vor dem Schlusspfiff auf.
Wie gut passt Vincent Kompany zu den Bayern?
Mein Eindruck aus der Entfernung ist, dass Vincent Kompany perfekt passt. Ihm ist, das entnehme ich seinen Interviews, auch dieses Menschliche sehr wichtig. So habe ich auch immer den FC Bayern wahrgenommen. Aus meiner aktiven Zeit kann ich Ihnen ein Beispiel nennen: Ich war als Spieler in den 1990er-Jahren mal zu einer Behandlung bei Doktor Müller-Wohlfahrt. Die Behandlung fand noch vor unserem Spiel im Olympiastadion statt. Beim FC Bayern gab es immer eine familiäre und offene Stimmung, um auch anderen Vereinen zu helfen. Ich fand das Familiäre beeindruckend. Sie haben dich immer mit offenen Armen empfangen. Das habe ich über all die Jahre nicht vergessen.

Schalke-Boss kannte Saibari schon vor Bayern-Wechsel
Mit Ismael Saibari hat man einen Spieler aus der Eredivisie geholt. Kam der Transfer für Sie überraschend?
Ich kannte ihn. Ich habe ihn sehr oft spielen sehen und war auch bei dem Champions-League-Spiel zwischen Bayern und der PSV Eindhoven dabei. Da hat er seine Visitenkarte abgegeben. Er hat da ein super Spiel gezeigt. Das war für Kompany das Zeichen, ihn zu verpflichten. Er hat sich danach noch gesteigert im Verlauf der Saison und eine wichtige Rolle dort eingenommen.
Wenn wir nochmal zurück auf Schalke schauen: Welches Ziel hat der Verein in dieser Saison?
Wir wollen uns wieder in der Bundesliga etablieren, also in dieser Saison die Klasse halten. Dafür müssen wir schauen, dass wir Punkte holen.
Natürlich wollen wir in der Tabelle so hoch wie möglich landen, aber es geht am Ende darum, dass wir auch im nächsten Jahr weiterhin Bundesliga spielen.
Schalke möchte Klassenerhalt schaffen
Sie haben mit Schalke Champions League gespielt. Was braucht der Klub, um langfristig wieder international spielen zu können?
Von Europa sprechen wir gar nicht. Wir müssen erst über die Bundesliga sprechen. Natürlich wollen wir in der Tabelle so hoch wie möglich landen, aber es geht am Ende darum, dass wir auch im nächsten Jahr weiterhin Bundesliga spielen.