"Das Bayern-Gen gibt es nicht"

Mit dem FC Basel trifft Trainer Vogel auf seinen Ex-Verein. Wie ihn seine Zeit in München geprägt hat und mit welchen Mitteln man eine große Mannschaft schlagen kann, erklärt er hier.
| Oliver Trust
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Mit dem FC Basel trifft Trainer Heiko Vogel auf seinen Ex-Verein. Wie ihn seine Zeit in München geprägt hat und mit welchen Mitteln man eine große Mannschaft schlagen kann, erklärt er hier.

AZ: Herr Vogel, wir hören immer wieder die Schweizer betrachten die Deutschen durchaus mit Misstrauen. Wie ist es bei Ihnen?

HEIKO VOGEL: Ich gebe mir Mühe, dass sie mich mögen können. Die Schweizer halten uns Deutsche für übertrieben selbstbewusst. Ich versuche, offen auf die Menschen zuzugehen. Nur einmal hatte ich zuletzt meine Probleme mit der Schweiz

So?


Ich habe mich beim Umzug verletzt.


Haben die Nachbarn nicht genug geholfen?

Nein, ich habe mich mit einem Schweizer Taschenmesser geschnitten und geblutet wie verrückt. Ich musste aber so lachen, weil ich mich als deutscher Trainer des FC Basel mit einem Schweizer Taschenmesser schneide. Der Zeigefinger musste genäht werden, aber ich hab es überlebt.


Sie sind in Bad Dürkheim in der Pfalz geboren, da hat Sie sicher der Pfälzer Fußball geprägt, also Leidenschaft und Kampf?

Ich war als Kind Bayern-Fan.


Das klingt nach einer schweren Kindheit.

Man könnte sagen, ich habe mich schon damals nicht verbiegen lassen. Oder ich war mutig. Wie Sie wollen.

Wie viel FC Bayern steckt noch in Ihnen?

Neun Jahre Lebenserfahrung. Aber es ist nicht so, dass ich jeden Tag das „Mia san mia” aufsage.

Und wie viel Bayern-Gen?

Es gibt kein Bayern-Gen.

Mit der Aussage revolutionieren Sie seit Jahrzehnten unumstrittene Erkenntnisse der Sportwissenschaft.

Es gibt gewisse Schemata, die zeigen, warum etwas gut funktioniert. Etwa, weil es innovativ und trotz Talent fleißig ist. Wenn das ein Sieger-Gen ist, bitte. Aber es gibt kein Bayern-Gen.

Hat jemand, der Manchester United geschlagen hat, Angst vor den Bayern?

Ich habe nur Höhenangst. Bayern ist eine Herausforderung, die wir nicht unterschätzen.

Wie intensiv ist der Kontakt nach München noch heute?

Meine Familie lebt am Tegernsee und bleibt dort. Ich will ihr kein Nomadentum zumuten. Das wird auch mein Fixpunkt bleiben.

Als Fußballer haben Sie es nicht weit nach oben geschafft, dann waren Sie Jugendtrainer und Assistent.

Durch die Nicht-Profikarriere habe ich Fußball aus anderen Blickwinkeln gesehen, was mir hilft, mich als Trainer durchzusetzen.

Was ist Ihnen als Trainer besonders wichtig?

Würde und Respekt. Ehrlich zu sein, offen, authentisch, verlässlich – und ich will Spaß am Spiel vermitteln.

Das heißt, Sie sind ein sehr positiver Mensch?

Ich lache gerne und liebe Humor. Lachen drückt für mich ein Lebensgefühl aus.

Früher hieß es, Sie wollten einfach nur Fußballtrainer werden, egal bei welcher Mannschaft?

Beim TSV 1860 hat man mich wegen fehlender Berufserfahrung abgelehnt. Ich habe meinem Dozenten Gerhard Bauer gesagt, gib mir irgendwas, und wenn es die Frauen-Hochschulmannschaft ist, ich trainiere die.

Und dann?

Hat mir Werner Kern bei den Bayern die Chance gegeben. Ein Sechser im Lotto, weil ich die Entwicklung von Spielern beobachten konnte. Ich habe Diego Contento und Mehmet Ekici als Neunjährige das erste Mal, als Zwölfjährige das zweite Mal und als 15-Jährige das dritte Mal trainiert.

Gab es Vorbilder?

Bei mir waren Hermann Hummels und Hermann „Tiger” Gerland starke Einflussfaktoren. Ich habe bei beiden die nicht inszenierte Person in der täglichen Arbeit kennen gelernt.

Welches Ideal schwebt Ihnen als Trainer vor?

Authentizität ist durch nichts zu ersetzen. Ich lasse mich durch keinen Verein verbiegen, wobei man immer nach neuen Ideen schauen sollte. Aber man muss sich nicht gleich neu erfinden.

Verstehen Sie das Misstrauen, das einen Assistenten begleitet, der Chef wird?

Ich bin Trainer aus Überzeugung in meine Kompetenz. Nur wer Leidenschaft für etwas zeigt, kann sich voll entfalten. Ich liebe Fußball, das macht mich mental stark. Man sollte mich grundsätzlich nicht unterschätzen.

Sie haben der Basler Mannschaft als Nachfolger von Thorsten Fink ein etwas stabileres Gerüst gegeben. Ist das Ihr Stil?

Statistiken aus allen Ligen sagen, eine gute Defensive oder Ballkontrolle hat bessere Chancen ganz vorne zu sein. Da glaube ich an die Statistik.

Sie haben mit Basel Manchester United geschlagen. Hilft so ein besonderer Sieg, weil er Anerkennung bringt?

Viel wichtiger als mein Selbstvertrauen, ist doch das der Mannschaft. Die kann jetzt abspeichern, sie war aus dem und dem Grund in der Lage, ein besonderes Spiel zu zeigen.

Wie schlägt man große Mannschaften?

Mit Ernsthaftigkeit und einer großer Portion Gelassenheit. Der Wille zu gewinnen muss da sein, ohne, dass der mich schon Tage all meine Kraft kostet.

Und wie waren Sie als Fußball-Spieler?

Der Trainer Vogel hätte gesagt, er hat interessante Ansätze, aber hätte mehr zeigen dürfen. Ich war stockrechts, links war es mehr Kapitän Ahab mit dem Holzbein.

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