Dante und Badstuber: Zwei Männer, ein Platz

Rollentausch bei den Bayern: Während der Brasilianer unter Trainer Pep Guardiola immer öfter auf der Ersatzbank landet, findet der Deutsche zu alter Form. Spielt er bald wieder in der DFB-Elf?  
| Julian Buhl
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Dante oder Holger Badstuber: Wer setzt sich durch?
Dante oder Holger Badstuber: Wer setzt sich durch?

Rollentausch bei den Bayern: Während der Brasilianer unter Trainer Pep Guardiola immer öfter auf der Ersatzbank landet, findet der Deutsche zu alter Form. Spielt er bald wieder in der DFB-Elf?

München - Sein Wuschelkopf und sympathisches Grinsen sind seine Markenzeichen. „Ich lache immer!“, sagt Dante über sich selbst. Der Brasilianer in Diensten des FC Bayern ist eben die personifizierte gute Laune. Eigentlich. Zuletzt war dem Abwehrspieler eben jene nämlich etwas vergangen, weshalb er sich zu einem öffentlichen Plädoyer in eigener Sache veranlasst fühlte.

„Es wird nicht fair über mich geurteilt“, sagte er und erinnerte selbst an das Trauma, das er bei seinem einzigen Einsatz bei der WM in seinem Heimatland erlebte. „Seit dem 1:7 im WM-Halbfinale gegen Deutschland sehen die Leute mich schlechter. Mit weniger Respekt. Niemand denkt darüber nach, ob man damit meine Karriere kaputt machen könnte.” Dass ihn die Ereignisse des vergangenen Sommers derzeit wieder einholen, hängt auch mit seiner Situation beim FC Bayern zusammen. Im Gegensatz zu den vergangenen beiden Spielzeiten, die Dante mit den Bayern als Triple- bzw. Double-Sieger abschloss, ist er nicht mehr gesetzt.

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Schon in der Hinrunde vertraute Trainer Pep Guardiola in wichtigen Spielen häufig nicht Dante, sondern Neuzugang Mehdi Benatia. Nach starken Leistungen im Wintertrainingslager spielte Dante im Topspiel in Wolfsburg zum Rückrundenauftakt von Beginn an. Bei dem 1:4 machte er in einer enttäuschenden Mannschaft, vor allem in den direkten Duellen mit Kevin de Bruyne, eine besonders unglückliche Figur. Die folgende sowie die vergangenen drei Partien erlebte der 31-Jährige allesamt als Zuschauer auf der Ersatzbank. Beim 8:0 gegen den Hamburger SV und beim 0:0 in der Champions League bei Schachtjor Donezk wurde er gar nicht, beim 6:0 in Paderborn erst in der 76. Minute eingewechselt. Unabhängig davon, ob er im Heimspiel gegen den 1. FC Köln nun eine neue Bewährungschance erhält oder nicht:

Guardiolas Vertrauen in Dantes Fähigkeiten ist offenbar geschwunden. Und darüber hinaus ist einem Konkurrenten des Innenverteidigers genau das Gegenteil zu bescheinigen. Nach langer Leidenszeit inklusive zweier Kreuzbandrisse und einem Sehnenriss im Oberschenkel ist Holger Badstuber auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Er spielte in der Bundesliga zuletzt zweimal über 90 Minuten, gegen Donezk justierte Guardiola sein Team mit ihm als erstem Einwechselspieler nach. In Paderborn überzeugte Badstuber mit 69 Prozent gewonnener Duelle als bester Zweikämpfer der Mannschaft. Noch beeindruckender war, dass 97,7 Prozent seiner insgesamt 87 gespielten Pässe bei seinen Mitspielern ankamen. Ob Kurz-, Steil- oder Diagonalpässe, Badstuber hat für einen Abwehrspieler ein durchaus bemerkenswertes Repertoire.

„Es gibt sehr wenige Verteidiger mit diesen überragenden Qualitäten im Spielaufbau“, sagte Guardiola im Januar und ergänzte augenzwinkernd: „Badstuber, I love you!“ Auch von Vizekapitän Bastian Schweinsteiger gibt es für den „besten Abwehrspieler der Welt mit linkem Fuß“ Lob: „Man merkt, dass er unserem Spiel gut tut.“ Dante ist übrigens auch Linksfuß...

„Es war schön. Die Mannschaft hat mich gut unterstützt. Für mich war das ein guter Schritt“, sagte Badstuber zuletzt zur AZ. Seine Gehversuche wirken derzeit aber vielmehr wie Riesenschritte, fast schon wie Sprünge. Badstuber lässt mit seinen Auftritten keinen Zweifel daran, dass er wieder dahin zurück will, wo er einmal war: Stammspieler bei Bayern. Stammspieler in der Nationalelf. „Holger ist wieder soweit. Wir haben jetzt wichtige Spiele mit Bayern – und dann könnte irgendwann mal wieder die Nationalmannschaft kommen“, sagte Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer.

Zum bislang letzten Mal streifte Badstuber das DFB-Dress im Oktober 2012 beim inzwischen legendären 4:4 gegen Schweden über. Der Weg zurück dorthin sei „noch weit“, meinte Badstuber. Seine lange Leidenszeit habe ihn gelehrt: „Nie zu früh zu viel.“ Und doch: Endlich wieder den Adler auf der Brust zu tragen, das sei „ein großes Ziel“.
Ende März stehen die nächsten Länderspiele in der EM-Qualifikation gegen Australien und in Georgien auf dem Terminkalender.
Gut möglich, dass dort dann der nächste Rollentausch im Abwehrzentrum ansteht.   

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