Bayerns Frauen-Offensive: Woran es hakt, was der Umzug nach Haching bringt
Wer in letzter Zeit auf einem Konzert in der Allianz Arena war, etwa bei Linkin Park, BTS, The Weeknd oder den Foo Fighters, der hat den neuen Standort des FC Bayern in Unterhaching mitfinanziert. Denn wie Arena-Chef Jürgen Muth am Mittwoch bei einem Medientermin im Münchner Vorort verriet, werden alle Investitionen für den Sportpark Haching aus dem Topf der Allianz Arena München Stadion GmbH getätigt. Diese ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der FC Bayern München AG - und erhält auch durch große Konzerte immer wieder finanzielle Zuflüsse.

Sportpark als Signal für den Frauenfußball
Im Dezember hatte der FC Bayern den Kauf des Sportparks für seine Frauenabteilung offiziell verkündet, die Spielvereinigung Unterhaching um Präsident Manfred Schwabl ist nun genauso Mieter wie die Footballer der Munich Ravens. Es ist ein klares Signal, welch große Bedeutung der Frauenfußball für den Klub jetzt schon hat – und in Zukunft erst recht haben soll. Nicht zu vergessen: 2029 findet die Frauen-EM in Deutschland statt, München wird einer der acht Austragungsorte sein. Im Frauenfußball sehen die Bosse enorm viel Entwicklungspotenzial.
Neues Leistungszentrum
"Allein diese Investition zeigt, in welchen Dimensionen die Klubs denken", sagte Bayerns Vorstandschef Jan-Christian Dreesen im Dezember im AZ-Interview zum Kauf des Sportparks, der dem Vernehmen nach rund sieben Millionen Euro kostete: "Und es bleibt ja nicht bei der Bundesliga-Mannschaft. Wir entwickeln auch den Mädchenfußball, damit wir wettbewerbsfähig werden." Neben der ersten Frauen-Mannschaft zieht bis 2029 auch die komplette Mädchenabteilung nach Unterhaching um. Dafür wird ein neues Leistungszentrum gebaut, an der Stelle, wo bislang die Hachinger Stockschützen beheimatet waren. Die ziehen demnächst um.

"Win-win-win"-Situation
Die Übernahme des Sportparks sei eine "Win-win-win-Situation" für die Gemeinde Unterhaching, die Spielvereinigung und den FC Bayern, sagte Arena-Chef Muth bei einem Rundgang um den Sportpark, der derzeit noch einer Baustelle gleicht. Alle Haching-Logos im Stadion sind inzwischen verschwunden, am Klubheim steht jetzt neutral "Sportpark Unterhaching" in roter Schrift. Nur an den jeweiligen Spieltagen soll das Stadion künftig mit Bayern-, Haching- oder Ravens-Wappen gekennzeichnet sein.
Ein neues LED-Flutlicht wurde bereits installiert, die Stromversorgung erneuert, Lüftung, Heizung, Wasserleitungen und, und, und. Weil der Rasenplatz für Uefa-Maßstäbe bislang zu klein war, mussten die Ersatzbänke ein paar Zentimeter nach hinten verschoben und auf 27 Sitzplätze erweitert werden. Damit sind die Umbauarbeiten längst nicht abgeschlossen.
Neue Tribüne und VIP-Bereich
Die komplette Nordtribüne wird renoviert und überdacht, hinter den Toren werden neue Fangnetze angebracht ähnlich derer in der Allianz Arena, dazu wird das VIP-Haus umgebaut und eine neue Videotafel installiert. Bis zum Eröffnungsspiel der Bayern-Frauen am 9. August gegen Paris FC soll der VIP-Bereich inklusive renoviertem Balkon bereits fertig sein, Anfang September kommt dann ein neuer Rasen. Ende September tragen die Bayern-Frauen im Sportpark ihr erstes Champions-League-Heimspiel aus.

Was das Ganze kostet? "Wir werden diese Zahlen nicht veröffentlichen", sagte Muth - und räumte ein, dass die Umbauten "mehr Arbeit" verursachen würden, als geplant. Und damit zwangsläufig auch höhere Kosten. Doch das nimmt der Klub in Kauf, der Frauenfußball soll auch infrastrukturell so aufgestellt werden, dass der FC Bayern international an der Spitze mitspielt. Das nächste große Ziel ist der Champions-League-Titel.
Rechnet sich das Ganze finanziell?
"Es macht unheimlich viel aus, dass wir mehr Fans zulassen können", sagte Bianca Rech, die Direktorin der Frauenfußball-Abteilung, über die Aussicht auf bis zu 15.000 Zuschauer im Sportpark. Bislang waren es am Bayern-Campus nur 2.500. "Wir können hier neue Fans für den FC Bayern begeistern und haben neue Möglichkeiten, uns zu verwirklichen. Es ist eine neue Ära."
Klar ist aber auch: Der Frauenfußball soll auf Sicht kein finanzielles Verlustgeschäft sein für den Klub. "Wir müssen international besser werden und uns viel, viel besser vermarkten", sagte Dreesen: "Sonst werden die deutschen Talente zu den Klubs im Ausland gehen, weil sie dort mehr Geld verdienen. Aktuell ist es so, dass die Gehälter schneller steigen als die Einnahmen. Das ist eine Entwicklung, die dauerhaft nicht durchzuhalten ist." Daher ist der gesamte deutsche Fußball gefordert, dass mehr Fans zu den Spielen der Frauen in die Stadien kommen, dass die Infrastruktur genauso verbessert wird wie die TV-Vermarktung. Der FC Bayern ist wie so oft Vorreiter - der Rest muss nachziehen.

