Bayerns Erfolgsfaktoren: Die glorreichen Sieben

Der FC Bayern spielt gegen Atlético Madrid um den Finaleinzug. Von Müller über die Fans bis zum Arena-Rasen: Auf sie kommt’s heute an.
von  Maximilian Koch
Wie schafft Pep doch noch den Finaleinzug? Die AZ zeigt sieben Erfolgsfaktoren.
Wie schafft Pep doch noch den Finaleinzug? Die AZ zeigt sieben Erfolgsfaktoren. © firo/Augenklick/dpa/AZ

Der FC Bayern spielt gegen Atlético Madrid um den Finaleinzug. Von Müller über die Fans bis zum Arena-Rasen: Auf diese Faktoren kommt’s heute an.

Es ist der Tag der Wahrheit, für den FC Bayern und ganz speziell für seinen Trainer. Schafft es Pep Guardiola in seinem dritten und letzten Jahr bei den Bayern endlich ins Finale der Champions League – oder scheitert er wie in den beiden Jahren zuvor an einem Team aus seiner spanischen Heimat (2014 an Real Madrid, 2015 am FC Barcelona)? Im Rückspiel gegen Atlético Madrid am Dienstag (20.45 Uhr/Sky und ZDF) müssen die Bayern ein 0:1 aufholen.

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Wie das gelingen soll – und auf welche glorreichen Sieben es heute ankommt: Die AZ gibt einen Überblick.

1. Thomas Müller

Spielt er – oder spielt er nicht? Pep Guardiola hat sich bislang nicht festgelegt, ob er seinen Top-Stürmer (32 Tore in dieser Saison) von Beginn an bringt. Im Hinspiel saß Müller draußen, und prompt fehlten im Angriff die Überraschungsmomente. „Ich bin keiner, der sich in großen Spielen versteckt, ich bin kein Hasenfuß“, sagte Müller nach dem Gladbach-Spiel, als er zum 1:0 traf. Der 26-Jährige ist „heiß“ auf die Startelf: „Wir müssen ein Feuerwerk abbrennen.“ Das hat Müller in dieser Saison in der Königsklasse (acht Tore, zwei Vorlagen) fast immer geschafft. Also Pep, lass ihn müllern!

2. Arturo Vidal

Der Mann für die wichtigen Tore in diesem Frühjahr, vor allem in der Champions League. Vidal traf sowohl im Hinspiel als auch im Rückspiel gegen Benfica Lissabon. Eine Runde zuvor, im Achtelfinale gegen Juventus Turin, war der Chilene in beiden Partien bester Bayern-Spieler. Auf die Kampfeskraft und Gier Vidals kommt es heute besonders an, auf seine Offensivstärke – und natürlich auch auf seine defensiven Qualitäten als Balleroberer bei Atléticos Kontern. Peps Fixpunkt im zentralen Mittelfeld und aktuell der fitteste Spieler im Kader.

3. Manuel Neuer

Beim Treffer von Atléticos Saúl Ñíguez im Hinspiel war Neuer machtlos, weil seine Vorderleute Thiago, Xabi Alonso, Juan Bernat und David Alaba ihre Arbeit verweigerten. Bemerkenswert: In der Champions League kassierte der 30-Jährige in dieser Saison im Schnitt jedes Spiel ein Gegentor, in der Bundesliga hingegen insgesamt nur 15 in 32 Partien. Woran liegt’s? Auch an Neuers Patzern wie beim 2:2 in Lissabon. Heute braucht es eine besondere Leistung des Nationaltorhüters, vielleicht ja auch als Held im Elfmeterschießen wie vor vier Jahren in Madrid. Damals ebenfalls im Halbfinale, gegen Atléticos Stadtrivalen Real (Bayern siegte 4:3).

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4. Der Super-Joker

Pep und sein „King“: Im Hinspiel setzte Guardiola den erst 19-jährigen Kingsley Coman von Beginn an ein. Klarer Vertrauensbeweis Guardiolas, aber Coman war nicht so effektiv wie sonst als Joker. In dieser Rolle rettete er Bayern im Achtelfinale gegen Juventus in die Verlängerung, mit tollen Dribblings und Flanken, mit seinen Sprints, die besonders gegen müder werdende Gegner für Lücken sorgen können. Und für entscheidende Momente. „Du brauchst Mittelfeldspieler, die ins Eins-zu-Eins gehen“, sagt Guardiola. King Coman kann das am besten. Es hängt von Franck Ribérys Fitnesszustand ab, ob Bayerns Juwel heute zunächst draußen sitzt oder doch in der Startelf steht.

5. Die Fans

Es wäre für Pep Guardiola ein Leichtes, die Stimmung in der Arena schon vor dem Anpfiff zu pushen: Indem er Publikumsliebling Thomas Müller für die Startelf nominiert. Lässt er ihn draußen, könnte es ungemütlich werden – so wie am Wochenende gegen Gladbach, als es kurz vor der Halbzeit sogar Pfiffe gab, weil Guardiolas Team zu defensiv spielte. In der Champions League verwandelt sich das verwöhnte Münchner Publikum manchmal aber auch in ein feuriges Unterstützervolk. Das würde gegen Atlético helfen.

6. Der Platzwart

Wasser marsch am Dienstagabend in der Allianz Arena! In Madrid beklagten sich einige Bayern-Stars über das stumpfe Geläuf, das Atlético den Gästen serviert hatte. Der Plan, Bayerns Kombinationsspiel zu verlangsamen, ging auf. „Der Platz war sehr trocken und wir kamen nicht wirklich zurecht“, sagte David Alaba. „Es ist ganz gut, dass wir zuhause Wasser auf den Platz machen und damit den Ball schneller laufen lassen können“, meinte Manuel Neuer. Verantwortlich für ein flüssiges Spiel auf dem Münchner Hybridrasen ist Arena-Chef Jürgen Muth. Auch er steht heute unter Druck.

7. Der Schiedsrichter

Am Wochenende gab es schon wieder Ärger um Diego Simeone. Der Trainer von Atlético Madrid, der in der Liga eine Drei-Spiele-Sperre auf der Tribüne absitzt, soll über einen Mittelsmann unerlaubt Kontakt zur Mannschaft aufgenommen haben. Gegen die Bayern hat Simeone eine solche Headset-Schummelei nicht nötig. In der Champions League gilt seine Sperre nicht. Und so liegt es am türkischen Schiedsrichter Cüneyt Çakir, den listigen Argentinier zu kontrollieren. Çakir leitete in dieser Saison das 0:2 der Bayern beim FC Arsenal, zweimal gab es unter seiner Leitung Siege: 2011 ein 2:0 beim FC Villarreal und im November 2015 einen 2:0-Erfolg gegen den AS Rom.