Bayerns Arzt-Ikone Müller-Wohlfahrt packt aus: So kam es damals zum Mega-Krach mit Guardiola
Kaum ein Mann hatte in den vergangenen Jahrzehnten einen derart großen Anteil am Erfolg des FC Bayern – und dennoch wird viel zu selten über ihn gesprochen: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Der legendäre Mannschaftsarzt kümmert sich seit fast einem halben Jahrhundert um die Wehwehchen der Stars des deutschen Rekordmeisters, wenn auch mit zwei Unterbrechungen: 2008 überwarf er sich mit dem damaligen Trainer Jürgen Klinsmann, einige Jahre später mit Pep Guardiola.
Vor allem der Streit mit dem katalanischen Star-Trainer sorgte seinerzeit für große Schlagzeilen und bewog den weltweit renommierten Sportarzt sogar dazu, den FC Bayern zu verlassen. Im AZ-Interview spricht der 84-Jährige nun ausführlich über die Zeit mit Guardiola und erklärt, warum er sich seinerzeit zu diesem schwierigen Schritt entschieden hat.
Beim Champions-League-Spiel in Porto kam es zum großen Kabinen-Zoff
"Ich hatte schon große Erfolge vorzuweisen, er war Ende dreißig, so viele Jahre alt, wie ich Berufsjahre hatte. Und dann wollte er mir erklären, wie alles besser zu machen wäre", sagt Müller-Wohlfahrt. Er und Guardiola hätten in Sachen Wiedereinstieg ins Training nach Verletzungen komplett unterschiedliche Herangehensweisen gehabt, weshalb es immer wieder zu heftigen Reibereien gekommen sei. "Bei ihm (Guardiola, d.Red.) zählte Schmerzfreiheit, nicht Gesundung. Wenn der Schmerz abgeklungen ist, kann der Spieler wieder spielen. Ich war anderer Meinung", so der Mediziner, der bei Spielern nach Verletzungen aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung große Rücksicht auf die Gefahr eines Verletzungsrückfalls nimmt.

Zum Eklat kam es schließlich im Rahmen der Niederlage im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Porto (1:3). Seinerzeit warf Guardiola Müller-Wohlfahrt vor, dass zu viele Spieler verletzt und die Behandlungszeiten zu lange seien. In der Folge entschied sich der Sportarzt, bei den Bayern hinzuschmeißen.
Müller-Wohlfahrt: "Pep mag von Fußball sehr viel verstehen, aber..."
"Ich habe damals aber für mich entschieden, eine Nacht drüber zu schlafen, ich wollte keinen Eklat am Bankettabend. Ich habe den Mund gehalten und bin aufs Zimmer gegangen", erinnert sich der 84-Jährige: "Am nächsten Tag habe ich mich in München mit meinen Kollegen und meiner Familie beraten. Ich war fest entschlossen aufzuhören, das konnte ich mir nicht gefallen lassen."
Ein weiterer Punkt, der dem gebürtigen Ostfriesen in der Zusammenarbeit mit Guardiola sauer aufstieß, war die physische Vor- und Nachbereitung der Spieler bei den Trainingseinheiten. "Wir hatten eine wunderbare Abteilung entwickelt, in der die Spieler sich vor dem Training aufwärmen konnten, Spinning, Rad, leichtes Krafttraining, dazu ein durchdachtes, individuelles Dehnprogramm", erinnert sich Müller-Wohlfahrt: "Pep spannte eine Banderole davor: Betreten verboten. Ohne Rücksprache mit mir. Unter Guardiola mussten die Spieler rausgehen und sprinten, sprinten, sprinten. Wir hatten über 30 Muskelverletzungen in der Saison."
Fazit der Bayern-Ikone: "Pep mag vom Fußball sehr viel verstehen, aber was vor dem Training und danach sinnvoll ist und hilft, Verletzungen vorzubeugen, interessiert ihn nicht."
Das vollständige Interview mit Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt lesen Sie in der Wochenendausgabe der gedruckten AZ sowie ab Sonntag hier auf abendzeitung-münchen.de. Alle Hintergründe zum Kabinen-Zoff zwischen Bayerns legendärem Mannschaftsarzt und Guardiola erfahren Sie zudem in der aktuellen Folge unseres AZ-Bayern-Podcasts "Akte Säbener":

