Bayern gegen Juve: Das Kräftemessen

27 Mal Meister, zweimal Champions-League-Sieger– das Duell der Bayern mit Juventus Turin ist Prüfstein und Klassiker zugleich. Für die AZ checken frühere Juve-Stars die Kontrahenten.
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riumphierte 2008 bei der AZ-Sportler-Wahl: Bayern-Star Franck Ribéry.
Perenyi/Augenklick riumphierte 2008 bei der AZ-Sportler-Wahl: Bayern-Star Franck Ribéry.

27 Mal Meister, zweimal Champions-League-Sieger– das Duell der Bayern mit Juventus Turin ist Prüfstein und Klassiker zugleich. Für die AZ checken frühere Juve-Stars die Kontrahenten.

MÜNCHEN Wenn am Mittwochabend (20.45 Uhr, Sat.1 und Sky live) die Mannschaft von Juventus Turin in der Allianz Arena aufläuft, beginnt für den FC Bayern die Champions-League-Saison ein zweites Mal. Anders als Gegner Nummer eins, Maccabi Haifa, stellt das Star-Ensemble aus Italiens Norden eine europäische Spitzenmannschaft dar.

27 Mal italienischer Meister, neun Mal Pokalsieger, zwei Mal Champions-League- und Weltpokal-Sieger – einer der erfolgreichsten Vereine der Welt. Neben Ajax Amsterdam und dem FC Bayern der einzige Klub, der Uefa-Pokal, Europapokal der Pokalsieger und Europapokal der Landesmeister gewinnen konnte. Nach dem als „Il Biondo, der Blonde“ verehrten Helmut Haller trugen in den Neunzigern auch Jürgen Kohler, Thomas Häßler, Andreas Möller und Stefan Reuter das berühmte Trikot mit den schwarzweißen Längsstreifen.

Den Manipulationsskandal der Jahre 2005/2006 mit dem damit verbundenen Abstieg in Liga zwei hat der Klub längst überwunden und zählt in Italien wieder zu den absoluten Top-Klubs. Derzeit belegt Juve Platz zwei in der Serie A. Ergo: ein echter Prüftstein für den neuen FC Bayern.

Vor dem Kräftemessen vergleichen die früheren Juve-Stars Andreas Möller und Stefan Reuter für die AZ beide Klubs – Offensive, Defensive und Historie.

DIE OFFENSIVE

Nicht nur der FC Bayern hat mit Mario Gomez, Arjen Robben und Ivica Olic kräftig in die Abteilung Attacke investiert, auch den einstigen Mauermeistern aus Piemont gelang mit dem Brasilianer Diego ein Transfercoup. Ein Einkauf, der beim FC Bayern ebenfalls erwogen worden war. „Kein Wunder, dass er bei Bayern ein Thema war“, sagt Andy Möller, „aber da ging es bestimmt auch ums Geld. Fakt ist, dass Juventus Turin jeden Spieler der Welt kaufen kann, wenn die das wollen.“ Über Diegos Klasse ist für ihn unstrittig: „Den kann man an einem guten Tag überhaupt nicht ausschalten. Der hat so eine individuelle Klasse, selbst bei Standardsituationen.“ Ein Duo mit Ribéry bei Bayern hätte sich Möller gut vorstellen können: „Diego passt in jede Mannschaft rein. So gute Fußballer passen immer zusammen.“ Stefan Reuter sieht das ähnlich, gibt aber zu bedenken, dass der Brasilianer nach dem „sensationellen Einstand in Italien“ zuletzt angeschlagen war: „Da ist es fraglich, ob er wieder den Rhythmus hat“, sagt Reuter. Doch auch in Sachen Offensive könne Bayern mithalten: „Bayern hat viele Spieler, die ein Spiel entscheiden können.“

DIE DEFENSIVE

Für bedingungslosen Hurra-Stil stand die Juve nie. Im Gegenteil: Gelang vorne ein Treffer, wurden dort meist die Aktivitäten eingestellt und der Vorsprung unter Verzicht auf Spektakel-Fußball über die Zeit gebracht, was oft nicht schön aussah. Ganz so schlimm ist es in den vergangenen Jahren nicht mehr gewesen, vor allem seit der Verpflichtung von Diego besteht der Juve-Zauber nicht nur aus Spielzerstörung. Dennoch: „Die Bayern müssen sich darauf einstellen, dass Juventus mit einer sehr stark ausgeprägten Defensive in München antreten wird“, meint Andy Möller, der von 1992 bis 1994 für Juventus in der Serie A spielte, „so sind die ganz einfach ausgerichtet auswärts. Die Null hat da prinzipiell erst mal Vorrang. Das wird keine leichte Aufgabe für Bayern.“ Die Defensive der Münchner schätzt Möller stark ein: „Das sind ja alles Spieler mit internationalem Format: van Buyten, Lahm, Breno. Da braucht sich Bayern nicht zu verstecken.“ Kollege Stefan Reuter, für die Juve in der Saison 1991/92 aktiv, sieht das ähnlich: „Die Bayern mit Abwehrchef Daniel van Buyten haben sich mittlerweile ein defensives Bewusstsein erarbeitet. Bei Juve ist zwar Cannavaro verletzt, aber trotzdem besitzen die unheimlich viel Erfahrung in der Defensive.“

DER MYTHOS

Die Legende Juve – da geraten die beiden Welt- und Europameister ins Schwärmen: „Wenn man das Trikot überstreift, empfindet man schon ein gewisses Selbstbewusstsein – und auch Stolz“, sagt Andy Möller, der mit der Juve 1993 den Uefa-Cup gewann. Stefan Reuter blieb dagegen ohne Titelgewinn, wurde Zweiter in der Meisterschaft und verlor auch das Pokalfinale gegen Parma. Gute Erinnerungen hat er dennoch an seine Zeit im Piemont: „Damals hatte die italienische Liga einen sehr hohen Stellenwert, und wir als deutsche Spieler wurden ja nahezu vergöttert nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1990.“ Andy Möller pflichtet ihm bei: „Die Spieler, die bei Juve gespielt haben, bleiben in Erinnerung, genießen eine sehr hohe Aufmerksamkeit. Ich spüre das ja heute noch, wenn ich zum Italiener gehe. Die wissen auch nach 17 Jahren noch, dass ich bei Juventus gespielt habe. Aber es ist noch nicht so, dass ich dann umsonst essen kann. Höchstens einen Espresso bekomme ich umsonst. Na immerhin.

Thomas Becker

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