Bayern ballert sich gegen die Bullen den Frust von der Seele: "War wichtig, ein Zeichen zu setzen"
Alle Jahre wieder: RB Leipzig, immerhin Champions-League-Teilnehmer, kommt in die Allianz Arena – und wird mit einer Packung nach Hause geschickt. Nach dem 0:6 zu Beginn der vergangenen Saison setzte es diesmal ein 1:6 beim total dominanten FC Bayern. Es war die vierte Pflichtspiel-Pleite der Sachsen gegen den Meister in Serie, bei 2:19 Toren.
"Wir waren in allen Bereichen chancenlos – und derart unterlegen, das ist nicht unser Anspruch", sagte Marcel Schäfer, der Geschäftsführer Sport von RB Leipzig und fügte hinzu: "Das war ein komplettes Versagen von uns." Zu ängstlich, mit Sicherheitsabstand agierten die Gäste. Wie das Kaninchen vor der Schlange.
Leipzig erweist sich erneut als dankbarer Aufbaugegner
Dabei hatte die sonst so gefürchtete Schlange zuletzt keinerlei Gift versprüht, sondern sich eher harmlos präsentiert. Beim 2:2 in Augsburg und beim 3:3 in Norwegen gegen Champions-League-Underdog Viking Stavanger verpennten die Bayern nicht nur die Anfangssekunden bzw. -minuten, sondern überraschten Gegner und Fans mit ungewöhnlichen Unkonzentriertheiten. "Wenn es so häufig passiert, ist es irgendwann eben auch nicht nur Pech", schimpfte Sportvorstand Max Eberl. Frust am Fjord.
Die Sinne geschärft und die Messer gewetzt, triumphierten die Münchner gegen Leipzig, das sich erneut als dankbarer Aufbaugegner erwies. Wiedergutmachungsmission erfüllt. Die zwei Remis waren die perfekte Motivation für die Münchner. "Wenn du beim FC Bayern bist, hörst du nicht gerne, dass du eine Leistungsdelle hast oder ein Spiel nicht gewonnen hast. Das ist für uns der Antrieb, das nächste Spiel bestmöglich zu gestalten." Nach diesem 6:1 klang Eberl schon wieder versöhnlicher.
Für Toptorjäger Harry Kane war es "nach den letzten beiden Ergebnissen wichtig, ein Zeichen zu setzen - und das haben wir von der ersten Minute an getan." Weil sie – gereizt durchs zuvor eigene Unvermögen - konzentrierter, konsequenter und zielstrebiger agierten. Und die zahlreichen Chancen, die man zuletzt auch hatte, verwertete. Den Frust von der Seele geballert, vertrieben die Münchner die am Horizont schimmernde Krise mit einem wahren Sturmlauf. "Es war hervorragend", bilanzierte Kane, "wenn man gegen einen solchen Gegner sechs Tore schießt, kann man wirklich stolz sein."
Zuletzt Chancentod: Díaz schnürt gegen Leipzig einen Dreierpack
Vor allem Luis Díaz, zu Beginn der Saison als Chancentod oftmals weiter unter dem Niveau des Vorjahres, glänzte mit einem Dreierpack. Auch Michael Olise, der sich in Stavanger nicht im Griff hatte und eine laut Trainer Vincent Kompany "überblöde" Gelb-Rote Karte einhandelte, wollte sich beweisen. Ein Tor, eine Vorlage – fertig war seine persönliche Entschuldigung.

"Mit welcher Überzeugung wir von Anfang bis Ende aufgetreten sind, hat richtig Spaß gemacht. Diese Leichtigkeit beim Toreschießen war wieder da", konnte Torhüter Jonas Urbig, erneut Stellvertreter des am Fuß lädierten Manuel Neuer, sein Augenmerk auf die Offensive richten. Wehe, diese Bayern reizen sich selbst! "Das war schon 60 Minuten lang eine sehr gute Leistung, auf einem anderen Level", feierte Kapitän Joshua Kimmich bei Sky seine Mannschaft und sagte: "Die letzten 30 waren dann auch okay." Nach einer guten Stunde nahm der gesundheitlich angeschlagene Kompany einige seiner Stars - unter anderem Kane - vom Platz, um sie zu schonen. Für größere Aufgaben.
Gegen Arsenal muss Bayern auf Olise verzichten
Die Bayern sind rechtzeitig vor dem Topspiel der Champions League am Mittwoch gegen den Vorjahresfinalisten FC Arsenal wieder auf Touren gekommen. Ein paar Gänge hochschalten – geht ja doch, wenn's sein muss. Was gegen die Topmannschaft Arsenal, das die Bayern vor Jahresfrist in der Ligaphase in London mit 3:1 besiegte, auch nötig sein wird. Dann ohne Olise, der gesperrt fehlt. Ein dickes Handicap. Teenager Lennart Karl, zuletzt mit einer Formdelle, darf wohl den Rechtsaußen vertreten. "Das ist natürlich für uns auch nicht ganz so einfach, den zu kompensieren, gerade in so einem Topspiel", meinte Kimmich zum Ausfall von Olise und kündigte an: "Wir haben genügend Qualität und werden alles reinhauen. Ich freue mich extrem auf das Spiel."
Möglicher Knackpunkt: Die Defensive der Gunners wird mehr Gegenwehr leisten.
