Barça: Schicksalsschläge machen sie nur stärker

Eric Abdial hat den Krebs besiegt. Er verlor 19 Kilo, lag im Koma. Auch Trainer Vilanova erholt sich gerade erst von seiner schweren Erkrankung. „Alle Titel sind in dieser Saison unwichtig für uns”
| M. Kerber, F. Bogner
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Eric Abidal hat den Krebs besiegt. Er verlor 19 Kilo, lag im Koma. Auch Trainer Vilanova erholt sich gerade erst von seiner schweren Erkrankung.

Barcelona - Er winkte ins Publikum, das ihn feierte, er wischte sich verstohlen über die Augen und dann zog sich Eric Abidal das Trikot des FC Barcelona aus, das ihm so viel bedeutet. Und er präsentierte darunter das Shirt mit dem Aufdruck „Merci mon cousin” – Danke, mein Cousin!

„Er ist der wahre Held, nicht ich”, sagte der französische Nationalspieler nach seinem Comeback am 6. April gegen Mallorca nach einjähriger Krankheitspause. Im April 2012 hatte sich der jetzt 33-Jährige einer Lebertransplantation unterziehen müssen. Sein Cousin Gerard hatte Eric einen Teil seiner Leber gespendet. „Es war eine schlimme Zeit”, sagt Abidal.
Er musste mehrere Operationen in nur wenigen Tagen überstehen, Abidal verlor 19 Kilo, die Schmerzen waren so unerträglich, dass er die Ärzte bat, ihn in ein künstliches Koma zu versetzen. Trotzdem versuchte er stets, Optimismus zu verbreiten. Er zwang sich ein Lächeln ab, wenn ihn seine Frau, seine drei Kinder besuchten. „Krebs ist ein furchterregendes Wort. Es war an mir, den Kindern die Angst zu nehmen, ihnen zu zeigen: Ich schaffe das!”

So wie er es 2011 geschafft hat. Damals war bei ihm ein Lebertumor entfernt worden. Wenige Wochen nach der OP spielte er wieder für Barça, gewann sogar die Champions League. Er holte Kraft aus dem Sport – und Barcelona Stärke aus Abidals Stärke. „Wir brauchen ihn mehr als er uns”, sagte Kapitän Carles Puyol.

Die Katalanen sind Freunde großer Gesten. Abidal, der eine Stiftung für Transplantationspatienten gründen wird, der seinen gesamten Fuhrpark verkauft hat, weil ihn Statussymbole nichts mehr bedeuten, erlebte viele solcher Gesten. Puyol überreichte Abidal im Champions-League-Finale 2011 die Kapitänsbinde, damit der Verteidiger als Erster den Pokal in die Hand nehmen durfte. Die Fans erhoben sich bei Barça-Spielen stets in der 22. Minute zu Ovationen. Die 22 – Abidals Rückennummer. „Ich bin so glücklich, dass er zurück ist. Es war schwer für Eric, aber er ist ein starker Typ. Ich habe ihn bei seinem Comeback gesehen. Das ist Wahnsinn”, sagte Bayern-Star Franck Ribéry, der mit Abidal in Frankreichs Nationalmannschaft zusammen spielt.

Abidal ist es auch, der Barcelona-Trainer Tito Vilanova Kraft gibt. Der 44-Jährige ist im Dezember erneut an Ohrspeicheldrüsenkrebs erkrankt (so wie schon 2011). Vilanova, der das Team zu dieser Saison von Pep Guardiola übernommen hat, wurde operiert, und begab sich zur Chemotherapie nach New York. Seit März ist er wieder beim Team. Abidal: „Unsere Erkrankungen sind unterschiedlich, aber wir haben über unsere Erfahrungen gesprochen. Es ist gut, wenn man damit nicht alleine ist.”

Allein ist man bei Barça nie, wenn einer der ihren vom Schicksal gebeutelt wird. „Alle Titel sind in dieser Saison unwichtig für uns”, sagte Präsident Sandro Rosell vor dem Halbfinalhinspiel am Dienstag beim FC Bayern, „alles, was zählt, ist dass Tito voll gesund wird, Eric gesund bleibt.” 

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