Auf einmal gefordert: Beim FC Bayern muss plötzlich die Zukunft zur Gegenwart werden

Gegen den FC Arsenal weiß das junge Mittelfeld-Duo aus Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof zu überzeugen. Nach Joshua Kimmichs Trauerfall werden beide bis auf Weiteres gefordert sein. Auf den FC Bayern warten schwierige Aufgaben.
von  Bernhard Lackner
In Abwesenheit von Joshua Kimmich bilden Tom Bischof (l.) und Aleksandar Pavlovic das Mittelfeld-Duo beim FC Bayern.
In Abwesenheit von Joshua Kimmich bilden Tom Bischof (l.) und Aleksandar Pavlovic das Mittelfeld-Duo beim FC Bayern. © IMAGO/Markus Ulmer

Beim FC Bayern wird die Zukunft zumindest vorübergehend zur Gegenwart – und zum Leidwesen von Joshua Kimmich muss sie das auch. An Fußball ist für den 31-jährigen Kapitän der deutschen Nationalmannschaft nach dem Trauerfall im engsten Familienkreis nicht zu denken. Wann er wieder auf dem Platz stehen und der schönsten Nebensache der Welt nachgehen kann, ist derzeit offen und obliegt einzig und allein ihm.

Beim FC Bayern dreht sich die Welt freilich weiter. Und so hieß das Mittelfeld-Duo im Champions-League-Kracher gegen den FC Arsenal (2:2) am Mittwochabend eben nicht Kimmich und Aleksandar Pavlovic, sondern Tom Bischof und Pavlovic. Womit wir wieder bei der Zukunft wären, die für den Rekordmeister zur zwischenzeitlichen Gegenwart geworden ist.

Pavlovic und Bischof überzeugen gegen Arsenal – England-Legende schwärmt

Im Spitzenspiel gegen die "Gunners" machten die jungen Pavlovic (22) und Bischof (21) – für viele Experten das prädestinierte Sechser-Duo für die Nach-Kimmich-Ära – ihre Sache gegen Arsenals Weltklasse-Mittelfeld mit Declan Rice, Martin Ødegaard und Bruno Guimarães mindestens ordentlich. "Die beiden haben mich heute Abend wirklich beeindruckt. In einem Spiel von dieser Bedeutung haben sie herausragend gespielt", schwärmte die englische Mittelfeld-Legende Steven Gerrard nach der Partie bei "TNT Sports". Ein großes Lob aus berufenem Munde!

Englands Mittelfeld-Legende Steven Gerrard.
Englands Mittelfeld-Legende Steven Gerrard. © IMAGO/Daniel Weir

Wie gut sie als Bubi-Duo harmonieren, hatten Bischof und Pavlovic bereits vor einigen Wochen im Trikot der deutschen Nationalmannschaft gezeigt. In den beiden Nations-League-Partien gegen Serbien (2:0) und in Griechenland (0:0) spielten beide von Beginn an und hinterließen einen deutlich besseren Eindruck als Kimmich und Dortmunds Lukas Nmecha, die in den ersten beiden Partien (1:1 in den Niederlanden, 0:1 gegen Griechenland) das Mittelfeld-Duo gebildet hatten.

Pavlovic und Bischof in den Startlöchern: Klopp will Kimmich-Debatte verhindern

Bundestrainer Jürgen Klopp wähnte da schon eine Kimmich-Debatte aufkommen, die er versuchte, im Keim zu ersticken. "Es ist so ein schöner Abend und ihr wollt ein Thema aufmachen, das kein Thema ist", so der Bundestrainer damals: "Am Ende wird’s ne Kimmich-Geschichte – das kriegt ihr ja hin!" Dumm nur, dass die Debatte da schon in der Welt war und sich nicht mehr einfangen ließ. Zuletzt äußerten sogar Bayern-Legende Oliver Kahn und TV-Experte Didi Hamann Zweifel an Kimmichs Status als Stammspieler in der DFB-Elf, wenn auch auf teils polemische Art und Weise.

Dass die Diskussion aufgrund von Kimmichs Fehlen am Mittwochabend weiteres Futter bekommen würde, war Klopp offenbar klar. Als er in der Halbzeit bei DAZN auf die Leistung von Pavlovic und Bischof angesprochen wurde, schien seine Antwort jedenfalls nicht spontan zu kommen. Er finde die Frage angesichts von Kimmichs aktueller Situation "absolut pietätlos, wenn wir da jetzt drüber reden, weil wir können das ja nicht machen, und dann anschließend wird ein Kimmich-Thema draus gemacht", gab der Bundestrainer zu verstehen: "Und Jo hat heute ganz andere Themen."

Bundestrainer Jürgen Klopp wollte sich in der Halbzeit des Arsenal-Spiels nicht zur Leistung von Pavlovic und Bischof äußern.
Bundestrainer Jürgen Klopp wollte sich in der Halbzeit des Arsenal-Spiels nicht zur Leistung von Pavlovic und Bischof äußern. © IMAGO/Ulrich Wagner

FC Bayern stehen schwierige Aufgaben bevor

Womit Klopp natürlich vollkommen recht hat. Und dennoch wird der Fokus auch in den kommenden Spielen verstärkt auf Pavlovic und Bischof liegen. Das junge Mittelfeld-Duo, dem eben nicht nur die Zukunft beim FC Bayern, sondern auch in der Nationalmannschaft gehört, wird vorerst gesetzt sein, bis sich Kimmich wieder dazu imstande sieht, seinem Beruf als Profifußballer nachgehen zu können.

Auf den FC Bayern warten bis zur nächsten Länderspiel-Periode (ab 7. November) noch zahlreiche schwierige Aufgaben. In der Bundesliga geht es am kommenden Sonntag zum Tabellendritten SC Freiburg, eine Woche später empfängt der Tabellenführer Borussia Dortmund in der Allianz Arena. Dazwischen steht das Pokalspiel gegen Zweitligist 1. FC Magdeburg an. Am 3. November wartet die schwierige Auswärts-Aufgabe in der Champions League bei Atlético Madrid, wo die Münchner nach den beiden Remis zuletzt fast schon zum Siegen verdammt sind, um den Umweg über die Playoffs zu vermeiden.

Wann Platzhirsch Kimmich wieder zurückkehrt, wird sich zeigen. Bis dahin wird die Zukunft beim FC Bayern zur Gegenwart. Zumindest vorübergehend.

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