Aktion war bis ins letzte Detail geplant: Hoeneß fordert nach XXL-Fan-Affront Konsequenzen

Viele der Zuschauer wussten gar nicht, was sie da gerade durch das Olympiastadion reichten. Kaum war das Banner da, war es schon wieder weg. Fast eine ganze Runde drehte das durchgestrichene DFB-Wappen zu Beginn der zweiten Halbzeit des Pokalfinales zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart (3:0). Selbst die Ultras waren überrascht, dass die gemeinsam geplante Aktion funktionierte.
Jablonski musste die Partie unterbrechen
Um ihre Botschaft klar zum Ausdruck zu bringen, entrollten sie zusätzlich ein Transparent. So stand vor beiden Kurven in fetten Lettern: "Große Rivalen sind sich einig: F**k dich DFB." Dazu kleine Grußbotschaften an den Verband. Als wäre das nicht schon genug, ging wenige Minuten später eine Leuchtrakete in die Luft. Der Startschuss für hunderte Fans, Bengalos abzubrennen. Dazu sangen sie: "Sche**s DFB."
Schiedsrichter Sven Jablonski musste die Partie wegen der Rauchschwaden für mehrere Minuten unterbrechen. Es stank nach Schwefel. "Menschen mit Atemwegs- und Augenproblemen sollen sich an die nächstgelegene Sanitätsstation wenden", hieß es sogar in einer Durchsage. "Ich habe Probleme mit den Augen und habe in Teilen der zweiten Halbzeit überhaupt nichts gesehen", kritisierte Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß und schob hinterher: "Wenn die Zuschauer meinen, das sei ihre Art zu feiern, bin ich raus!"
Ich habe Probleme mit den Augen und habe in Teilen der zweiten Halbzeit überhaupt nichts gesehen.
Fans ärgerten sich unter anderem über die Ticketpreise
Entsprechend forderte der 74-Jährige Konsequenzen: "Die Vereine, der DFB und die Politik müssen hart durchgreifen, damit so ein unerhörtes Verhalten nicht wieder vorkommt." Was hinter dem XXL-Fan-Affront gegen den DFB steckt? Wie die AZ aus Szenenkreisen erfuhr, hatten sich in den vergangenen Wochen verschiedene Themen angestaut.
Die Fans wollten die größtmögliche Bühne im deutschen Profifußball nutzen, um dem Ärger Ausdruck zu verleihen. Ein Kritikpunkt: Die Ticketpreise. So gab es zwar für das Endspiel Fankarten für 45 Euro, diese sollen in der Anzahl jedoch stark limitiert gewesen sein. Tickets der Kategorie 3 kosteten bereits mindestens 75 Euro. Zu viel für die Anhänger. Auch soll es bei der Anmeldung der Choreographien beim DFB zu Unannehmlichkeiten gekommen sein.

Polizei spricht von vergleichsweise ruhigem Pokalfinale
Trotz der Aktionen spricht die Polizei Berlin auf AZ-Anfrage – Stand Sonntagnachmittag – von einem vergleichsweise ruhigem Pokalfinale. Bisher gab es keine Anzeigen von Verletzten aufgrund der Pyro-Aktion. Dies schließt allerdings nicht aus, dass sich Zuschauer aufgrund von Atemwegs- oder Augenproblemen bei den Sanitätsstationen meldeten.
Wie die Massen an Pyrotechnik ins Stadion kamen? Der Kontrollausschluss des DFB wollte sich dazu bislang nicht äußern. Jedoch wurden die Einlasskontrollen unterschiedlich streng durchgeführt. Während bei einem AZ-Reporter der Rucksack sachgemäß durchsucht wurde und ein Mini-Deo aufgrund der Entflammbarkeit konfisziert wurde, mussten manche Fans nicht einmal ihren vollen Turnbeutel öffnen. Nicht ausgeschlossen, dass so Pyrotechnik ins Olympiastadion kam.
Strafe in sechsstelliger Höhe ist zu erwarten
Die Strafe dafür müssen aber die Vereine zahlen. Und das wird nicht billig. Pro Fackel stellt der DFB bei Bundesligisten eine Rechnung von 1.000 Euro. Die Unterbrechung dürfte zusätzlich strafverschärfend sein, denn laut der "Richtlinie für die Arbeit des DFB-Kontrollausschusses" erhöhen sich die Geldstrafen bei einer Unterbrechung zwischen einer und fünf Minuten um 50 Prozent.
Zusammen mit den illegalen Bannern (Kosten zwischen 2.000 und 8.000 Euro pro Stück) sind Strafen in sechsstelliger Höhe zu erwarten. Da kommt es gelegen, dass die Münchner durch den Pokalsieg eine Prämie von 4,32 Millionen Euro erhalten.