Ach, du lieber Louis! Van Gaal gibt Fehler zu

Nach dem 4:1 gegen Frankfurt und vor der Jahreshauptversammlung gibt sich Bayerns Coach van Gaal geläutert. Der Holländer gesteht im Fall Bastian Schweinsteiger sogar einen Fehler ein.
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Tatsächlich: Van Gaal gesteht einen Fehler ein.
dpa Tatsächlich: Van Gaal gesteht einen Fehler ein.

MÜNCHEN - Nach dem 4:1 gegen Frankfurt und vor der Jahreshauptversammlung gibt sich Bayerns Coach van Gaal geläutert. Der Holländer gesteht im Fall Bastian Schweinsteiger sogar einen Fehler ein.

Die Bayern sind Erster. Vor Dortmund. Wer sagt’s denn? Kein Scherz, es handelt sich um eine Tabelle, wenn auch nur um die Heimtabelle. Aber: 17 Punkte aus acht Spielen, fünf Siege, 17:6 Tore. Der Höhepunkt: Das 4:1 am Samstag gegen Eintracht Frankfurt, der höchste Saisonsieg.

Das sind Fakten, keine Ironie. Und jetzt kommt Louis van Gaal, der Bayern-Trainer. Der Mann übertreibt aber ein wenig. „Es war das beste Spiel in der Bundesliga unter meiner Leitung“, sagte der Holländer. Nun ja. Ein überzeugender Sieg war es, das schon. Einer, der aber auch zeigt, was möglich gewesen wäre in den letzten Wochen. Die Zuschauer standen. Mal riss sie die Kälte von den Sitzen, mal durchblutete die Leistung der Bayern. „Das war ein schönes Spiel, das die Zuschauer erwärmt hat“, meinte van Gaal, „Das Schönste, was ich gesehen habe, waren Überzeugung und Leidenschaft. Ich bin sehr froh, wir sind auf einem guten Weg.“ Feine Sache, doch die wichtigsten Siege hatte der Trainer schon am Donnerstag und nach der Partie verbuchen können.

Da war die Aussprache mit den Bossen zwei Tage vor dem Spiel. „Wir haben offen und ehrlich gesprochen. Ein sehr gutes Gespräch“, so van Gaal. Man hat sich wieder angenähert, rechtzeitig vor der Jahreshauptversammlung am Dienstag (ab 19 Uhr) in der Olympiahalle. Vorstands-Boss Rummenigge beteuerte schon vor dem Frankfurt-Spiel: „Er ist der Richtige für uns.“ Was gut ankam beim Holländer: „In der letzten Zeit habe ich nur Kritik empfangen. Und es ist gut, dass ich auch mal wieder ein bisschen Lob bekomme.“ Er lächelte und ergänze: „Ansonsten bin ich so klein...“ Der Gerne-Groß ganz bescheiden und kleinlaut.

Und dann passierte Sagenhaftes, die Zeit für Milde schien am ersten Adventswochenende gekommen. Es gab Lob für Dauertorschütze Mario Gomez („Mario ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken“), für Doppeltorschütze Anatolij Timoschtschuk und das Comeback nach fast zwei Monaten Verletzungspause für Kapitän Mark van Bommel. Schließlich Besinnliches und (Selbst-)Besinnung: ER gibt einen Fehler zu. Er kann das, sonst jedoch immer auf ironische Weise, diesmal sagte er bei „LIGA total!“: „Ja, ich denke, dass ich mit Schweinsteiger einen Fehler gemacht habe – das muss ich erst dem Vorstand sagen und nicht den Medien.“ Ach, du lieber Louis! Er ist geläutert, das Friedensbiest.

Kürzlich hatte er öffentlich gefordert, Bastian Schweinsteiger im Sommer lieber gewinnbringend zu verkaufen, falls er seinen Vertrag nicht über 2012 hinaus verlängert. Darauf war eher des Trainers Vertrag in Gefahr, nun sagte Versöhnungssitzungsteilnehmer Christian Nerlinger: „Wir sollten in Zukunft halt mehr intern kommunizieren und nicht über die Medien. Damit wäre allen geholfen.“

Die Bayern sind Fünfter, in der richtigen Tabelle – stehen damit so gut wie noch nie da in dieser Saison. Zeit für Streicheleinheiten. „Wir haben sehr guten Fußball gespielt und sind sehr zufrieden mit Louis van Gaal“, sagte Rummenigge und wiederholte sich: „Für Siege gibt es halt keinen Ersatz.“ Für Trainer schon. Selbstkritische und geläuterte hingegen genießen Artenschutz. Bis auf Widerruf. Oder Widerrede.

Patrick Strasser

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