Strafantrag und viel Kribbeln: München vor brisantem Derby

Auf die Guerilla-Aktion der "Löwen"-Fans aus dem Mai wollte Alper Kayabunar nicht eingehen. "Ich kann dazu nicht viel sagen", meinte der Coach angesprochen auf die bei der Meisterfeier des FC Bayern im Frühjahr eingeschleuste Schmähfahne. Der Trainer des TSV 1860 München will sich vor dem Regionalliga-Derby am Sonntag (14.00 Uhr/BR) gegen die zweite Mannschaft der Bayern auf Fußball konzentrieren. Ein Kribbeln sei definitiv da. "Man spürt das schon seit Wochen", erzählte Kayabunar. "Ich werde oft angesprochen. Allein die Anfragen für Karten bei mir privat waren sehr hoch."
Erstmals seit Mai 2021 - damals noch in der 3. Liga - kommt es wieder zu einem Münchner Derby zwischen dem TSV und der Reserve der Bayern. Die beiden ersten Mannschaften der zwei Teams standen sich letztmals 2008 im DFB-Pokal gegenüber - in derselben Liga spielen sie schon seit 2004 nicht mehr. "Ich freue mich darauf", sagte auch Bayern-Sportvorstand Max Eberl und kündigte an: "Ich werde natürlich dabei sein, das gehört sich als Bayer."
Strafantrag und Hausdurchsuchung
Dabei sorgte just der deutsche Branchenprimus von der Säbener Straße für zusätzliche Brisanz vor dem Stadtduell. Die Bayern schalteten die Justiz ein gegen "Löwen"-Fans wegen deren Aktion rund um die Bayern-Meisterfeier. Damals hatten Sechziger eine riesige Fahne auf den Marienplatz geschmuggelt, die wie ein Fan-Banner der Bayern aussah und über den Köpfen der Anhänger ausgebreitet wurde. Auf rund 180 Quadratmetern Stoff war das eigentliche Bayern-Logo mit der Aufschrift "FC Bauern Hurensöhne" verunstaltet worden.
Wie unter anderem die "Bild" und die "Süddeutsche Zeitung" nun berichteten, findet der deutsche Rekordmeister das immer noch nicht lustig und stellte einen Strafantrag wegen Beleidigung gegen unbekannt. Es gab in dem Fall sogar schon eine Hausdurchsuchung bei einem Tatverdächtigen. Ein Fan-Anwalt der Sechziger hält die Aktion für übertrieben. "Das geschilderte Verhalten erfüllt keinen Straftatbestand. Bei der FC Bayern AG handelt es sich auch nicht um ein beleidigungsfähiges Kollektiv", sagte der Jurist Sebastian Wagner der "Bild".
Großes Polizeiaufkommen
Die Causa dürfte die Stimmung vor dem als Hochrisikospiel eingestuften Match am Sonntag zusätzlich aufheizen. Die Polizei ist dem Vernehmen nach mit mehr als 1.000 Einsatzkräften vor Ort. Die Verantwortlichen beider Vereine hoffen inständig auf einen friedlichen Fußball-Nachmittag ohne Zwischenfälle.
Sportlich geht es für die Sechziger darum, an der Spitze der Regionalliga an Bayern dranzubleiben. Memmingen (30 Punkte) und Buchbach (28) rangieren vor den "Löwen" (24) - haben aber schon ein Spiel mehr absolviert. Der TSV holte sich zuletzt mit einem 2:1-Sieg daheim gegen Bayreuth in Unterzahl Schwung und Selbstvertrauen für das Duell mit dem Stadtrivalen. Die Bayern sind Tabellen-13., aber zuletzt seit fünf Spielen ungeschlagen.