Interview

Fabian Hambüchen: "Keiner sagt, solche Spiele will ich nicht erleben"

Der ehemalige Vorzeige-Turner Fabian Hambüchen spricht im AZ-Interview über das Gold-Reck von Rio, die nervende Ungewissheit um die Spiele in Tokio - und seine neue sportliche Leidenschaft: Crossfit.
| Thomas Becker
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Schwierige Balance: Für Deutschlands aktuell besten Turner Andreas Toba geht es in Tokio darum, die Spiele auch ohne die normale Olympia-Atmosphäre genießen zu können.
Schwierige Balance: Für Deutschlands aktuell besten Turner Andreas Toba geht es in Tokio darum, die Spiele auch ohne die normale Olympia-Atmosphäre genießen zu können. © picture alliance/dpa

AZ: Herr Hambüchen, Sie haben den kompletten olympischen Medaillensatz daheim. Gibt es für Sie überhaupt den einen ganz speziellen Olympia-Moment?
FABIAN HAMBÜCHEN: Sehr schwierig. Da gibt es auf jeden Fall so verschiedene Momente. Man muss aber schon ehrlich sagen: Es ist nicht nur die Goldmedaille von Rio 2016, die mir da ins Hirn geschossen kommt. Es ist schon auch diese Reise da hin. Mit total aufregenden und spannenden Olympischen Spielen 2004 in Athen, für mich damals mit 16 Jahren. Dann mit einer derben Niederlage in Peking 2008: Als Top-Favorit angereist und dann nur mit Bronze nach Hause gehen. Plus der Kampf zurück nach dem Achillessehnenriss mit Silber in London 2012. Und mit Gold 2016 in Rio als krönender Abschluss, klar. Wenn mich jemand auf den Olympiasieg anspricht, löst das aber gleich die ganze olympische Reise aus.

Steht das legendäre Gold-Reck von Rio immer noch bei Ihnen in der Trainingshalle?
Ja, in Wetzlar in der Turnhalle. Da wird tagtäglich dran trainiert, von Kindern und den Vereinen. Das Reck ist richtig schön in Betrieb.

"An meinem Gold-Reck aus Rio hänge ich immer mal wieder"

Gibt es irgendeine Tafel oder Aufschrift, die erklärt, was für ein spezielles Reck das ist?
Na ja, es sind halt die offiziellen Aufkleber drauf: die olympischen Ringe. Und Rio 2016 steht drauf. Ich hatte auch mal mit Edding darauf unterschrieben, aber die Unterschrift hat sich irgendwie wieder abgelöst. Muss ich mal wieder erneuern. Aber durch die olympische Kennzeichnung weiß jeder, dass es DAS Reck ist.

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Hängen Sie selber manchmal noch dran?
Doch, immer mal wieder. Wenn ich mal in der Halle bin und Bock drauf habe.

Was macht das mit Ihnen, wenn jetzt die Olympischen Spiele ohne Fabian Hambüchen losgehen?
Das ganze Drama um die Verschiebung, diese Ungewissheit, ob die Spiele stattfinden oder nicht: Das hätte ich echt nicht noch mal brauchen können. Wäre das vor Rio gewesen: Das wäre schon hart gewesen. Nichtsdestotrotz freue ich mich für die Sportler, dass sie trotz allem die Chance haben, ihre Olympischen Spiele zu erleben und Wettkämpfe austragen zu können. Denn nichts wäre schlimmer gewesen, als wenn die ganze harte Arbeit umsonst gewesen wäre. Von den meisten Sportlern hört man auch nur genau diese Reaktion. Da ist keiner, der sagt: 'Solche Olympischen Spiele will ich gar nicht erleben.' Gerade aus deutscher Sicht freuen sich alle, dass es jetzt losgeht. Aber ich bin nicht traurig, dass ich dieses ganze Hickhack nicht miterlebt habe.

Schwierige Balance: Für Deutschlands aktuell besten Turner Andreas Toba geht es in Tokio darum, die Spiele auch ohne die normale Olympia-Atmosphäre genießen zu können.
Schwierige Balance: Für Deutschlands aktuell besten Turner Andreas Toba geht es in Tokio darum, die Spiele auch ohne die normale Olympia-Atmosphäre genießen zu können. © picture alliance/dpa

Wie nah sind Sie noch dran am Sport?
Ich bin ja während der Spiele als Experte für Eurosport im Einsatz, aus der Senderzentrale in Unterföhring. Die Qualifikation am Samstag werde ich mit Sigi Heinrich kommentieren, und dann haben ich an jedem Tag um 17 und 21.15 Uhr mit Gerhard Leinauer die Liveshow "Big in Japan". Bei mir ist sozusagen voll Betrieb während der Spiele.

Nächstes Jahr steht ein Crossfit-Wettbewerb an

Was für einen Sport treiben Sie nach der aktiven Karriere?
Anfang 2020 habe ich mit Crossfit angefangen.

Wow, Hardcore!
Ja, es ist anstrengend. Aber es kommt darauf an, wie man den Sport betreibt. Wenn man Richtung Leistungssport gehen will, muss man schon ziemlich reinhauen und kloppen. Aber wenn man das als Gesundheitssport machen möchte oder um einfach fit zu bleiben, dann ist das natürlich immer sehr schwitzig, aber man muss sich dann im Training nicht komplett zerstören.

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Sie wollen keine Wettkämpfe mehr bestreiten?
Doch! Ich würde schon gern in Richtung Wettkampf gehen. Da komme ich halt aus meinem Sportler-Denken nicht raus. Aber ich hatte mir im Dezember das Kreuzband gerissen, insofern fällt dieses Jahr in Sachen Wettkampf noch flach, aber nächstes Jahr würde ich schon mal schauen, dass ich da einsteige. Über Crossfit habe ich auch meine Freundin kennengelernt. Die macht schon seit sieben, acht Jahren Crossfit und ist auch als Trainerin aktiv, und unser Ziel ist es, dass wir nächstes Jahr vielleicht gemeinsam einen Wettkampf machen, als Mixed-Team. Darauf bereiten wir jetzt vor.

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