Ex-Ski-Profi Fritz Dopfer: Mein Karriereende kam im Sessellift

Im AZ-Interview spricht Ex-Slalom-Star Fritz Dopfer über seinen Rücktritt, ständige körperliche Probleme und seine Pläne für die Zukunft: „Ich sehe das als Chance, mich persönlich weiterzuentwickeln“, sagt er.
| Thomas Becker
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Fritz Dopfer war auf die Disziplinen Slalom und Riesenslalom spezialisiert. Sein größter Erfolg war der Gewinn der Silbermedaille bei der Ski-WM 2015. Nach der abgelaufenen Saison hat er seine Karriere beendet - in der AZ blickt er auf seine Karriere zurück.

AZ: Herr Dopfer, herzlichen Glückwunsch zum Karriereende! Sagt man nicht, oder?
FRITZ DOPFER: Mit diesen Gepflogenheiten habe ich mich ehrlich gesagt noch nicht beschäftigt. Es ist eine längere, bewusste Entscheidung gewesen. Bis ich diesen Gedanken mal auf ein Blatt Papier schreiben konnte – das hat relativ lang gedauert.

Wann war das der Fall?
Dieser Prozess ist Ende Dezember langsam gestartet worden – weil der Rücken im Training wieder Probleme gemacht hat. Deshalb konnte ich nicht wirklich gut in den Slalom-Monat Januar hineinstarten. Nach dem Rennen in Japan (23. Februar, d. Red.) war dann der Punkt erreicht, dass ich sagen konnte: Das war’s.

Das Rennen wurde ja abgesagt...
...und wenn nicht: Ich hätte nicht starten können, wegen des Rückens wieder. Danach konnte ich das Wort Karriere-ende auf diesem Blatt Papier dann akzeptieren. Klar gab es danach auch harte Zeiten, aber es passt jetzt eigentlich so, wie es ist.

Verletzungen bremsten Dopfer zuletzt immer wieder aus

Im Vergleich zu den Kollegen sind Sie ja in Sachen Verletzungen in all den Jahren gut durchgekommen.
Mein Weg war immer dadurch gekennzeichnet, dass ich diesen berühmten Extra-Meter gehen musste, um ein gewisses Niveau zu erreichen oder zu halten. Dafür war meine körperliche Fitness immer die Basis. Bis eben Ende 2016...

...der Schien- und Wadenbeinbruch im Zillertal...
Seitdem haben sich schon gewisse körperliche Probleme eingestellt. Die Saison 2017/18 war geprägt von den Nachwirkungen des Beinbruchs: Da hatte ich an der Bruchstelle schon immer Probleme. In der nächsten Saison war das Thema Adduktoren-Sehnen-Teilabriss an der Hüfte, was mich ausgebremst hat. Und heuer in der Vorbereitung: Patellasehne und der Rücken, der früher auch Probleme gemacht hatte, aber nicht so eklatant. Wenn mir diese Basis abgeht, ist es für mich schwierig, wieder an diese Leistungen anknüpfen zu können.

Wie haben die Trainer auf Ihre Situation reagiert?
Vor dieser Saison habe ich vom DSV und auch von meinen Sponsoren noch mal jegliche Unterstützung bekommen. Das Umfeld war wirklich optimal. So ehrlich muss ich dann zu mir auch sein, dass ich meine Ansprüche nicht erreichen konnte. Dann muss ich konsequent sein und sagen: Es war extrem schön, aber die Zeit ist vorbei.

Dopfer: "Vertrauen in den Körper war einfach weg"

Wie sind Sie psychisch mit den ständigen Enttäuschungen und verpassten zweiten Durchgängen umgegangen?
Wenn man sich meine Biografie anschaut: Ich bin es gewohnt, im Training eine gewisse Härte an den Tag zu legen. Ich musste mich auch schon früh in Geduld üben: Von Oktober 2007, als ich mein erstes Rennen für den DSV fahren durfte, bis März 2010 habe ich mich in 25 Weltcuprennen kein einziges Mal für den zweiten Durchgang qualifizieren können. Und am Ende ging es eben auch nicht mehr in die richtige Richtung. Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass ich vom Umfeld oder vom Körperlichen noch Steigerungspotenzial habe, wäre das etwas anderes gewesen.

Wie gut kommen Sie morgens aus dem Bett?
Inzwischen etwas besser, da ich die Belastung ziemlich reduziert habe. Aber in den letzten Wochen mit intensivem Training kamen die Schmerzen schon häufig und in kurzen Abständen. Das Vertrauen in den Körper war einfach weg.

Das Ende geriet dann doch sehr traurig: Ihr letztes Rennen in Kranjska Gora wurde in letzter Minute wegen des Coronavirus’ noch abgesagt.
Ich verstehe die Absage natürlich, hätte es mir aber anders erwartet. Der Moment wird mir sicher in Erinnerung bleiben: An diesem Donnerstag, als die Entscheidung fiel, haben wir in Berchtesgaden am Jänner trainiert. Ich hatte drei nicht ganz schmerzfreie Trainingsläufe hinter mir, saß mit meinem Servicemann im Lift, als per Funkspruch die Absage kam. Man setzt sich mit dem Karriereende natürlich frühzeitig auseinander, zumal wenn es ein selbstbestimmter Abschied ist – aber wenn das dann so unerwartet und verfrüht kommt...

Dopfer will dem Sport erhalten bleiben

Karriere-Ende im Sessellift.
Da musste ich erst mal durchschnaufen.

Wie geht man da mit der Mannschaft auseinander, nach all den Jahren?
Es ist schon emotional gewesen. Wir haben uns in Ruhe zusammengesetzt und haben alles ein wenig Revue passieren lassen. Ich brauche da natürlich noch Zeit, das alles einzuordnen, aber es überwiegt eine große Dankbarkeit und Zufriedenheit, so viele Jahre mit den Jungs verbringen zu dürfen.

Wie es Ihnen ohne die roten und blauen Stangen gehen wird, können Sie jetzt sicher noch nicht abschätzen. Wie wird Ihr künftiges Leben aussehen? Master-Abschlüsse in International Management und Immobilien-Management haben Sie ja schon in der Tasche.
Ich sehe das für mich nun schon als Chance, mich in bestimmten Bereichen persönlich weiterzuentwickeln – in den Bereichen, die mich interessieren.

Die da wären?
Definitiv der Sport. Welche genauen, konkreten Bereiche das sind? Dazu ist es noch zu früh. Ich werde viele Gespräche führen und mir Gedanken machen, wo ich mich sehe. Nach dem Karriere-Ende muss ich diese nächste Frage zuerst mal gut beantworten können.

Angesichts der Ausgangssperre in Österreich, die auch in Ihrem Wohnort Leutasch gilt, ist nun viel Zeit zum Nachdenken.
Das kommt mir ganz gelegen. Schließlich habe ich gerade viele Themen zum Durchdenken.

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