Interview

Ex-Profi Tommy Haas über Zverevs Triumph: "Besser geht's nicht"

Tommy Haas erklärt in der AZ, was Alexander Zverev gerade so stark macht, wie es um das deutsche Davis-Cup-Team und um Kohlschreiber bestellt ist- und was ihn selbst immer noch auf den Platz zieht.
| Thomas Becker
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"Er hat die derzeit beste beidhändige Rückhand", sagt Tommy Haas über den ATP-Weltmeister Alexander Zverev.
"Er hat die derzeit beste beidhändige Rückhand", sagt Tommy Haas über den ATP-Weltmeister Alexander Zverev. © dpa/AP

Der 43-jährige Tommy Haas war vor knapp 20 Jahren die Nummer zwei der Welt und ist seit fünf Jahren Turnierdirektor von Indian Wells.

AZ: Herr Haas, mit einem glatten Zwei-Satz-Sieg gegen Daniil Medwedew hat Alexander Zverev zum zweiten Mal das ATP-Finale gewonnen. Das hätte man in dieser Eindeutigkeit nicht erwartet, oder?
TOMMY HAAS: Ich bin jetzt aber auch nicht überrascht. Er spielt seit sechs Monaten unfassbar gutes Tennis, mit das konstanteste von allen Spielern. Seit er Olympia-Gold gewonnen hat, hat er unglaublich viel Selbstvertrauen. Er ist ja schon seit Jahren ein top-etablierter Spieler, aber ich habe das Gefühl, dass es außer Djokovic und Medwedew nicht viele gibt, die ihn besiegen können - und das hat er jetzt selbst begriffen.

Wobei sich Medwedew zuletzt schon zu einem Angstgegner entwickelt hatte. Die letzten fünf Spiele vor dem Finale hatte der Russe gewonnen. . .
Wenn man so oft gegeneinander spielt, weiß man auch: Wenn ich das ein oder andere ein bisschen besser mache, habe ich schon eine Chance. Dann hatte Sascha diesen Sieg über Djokovic in einem sehr starken Match: Das gab noch mal Extra-Selbstvertrauen. Das hat man im Finale gesehen.

Haas über Zverev: "Man kann da als Gegner nicht viel machen"

Was macht ihn so stark?
Man kann da als Gegner nicht viel machen gegen so ein grandioses Tennis. Wenn seine Aufschlagquote hoch ist und die Bälle mit 220 oder sogar 230 km/h angeflogen kommen, wird es für jeden schwierig. Auch an der Grundlinie bewegt er sich gut, zeigt fast keine Schwächen, macht kaum Fehler. Wahrscheinlich hat er gerade die beste beidhändige Rückhand. Man sieht das im Fernsehen nicht so gut, aber die ist so was von knallhart, flach, lang und druckvoll - das alles macht es unfassbar schwer, gegen ihn anzukommen.

Er steht auch näher an der Grundlinie, bestimmt somit die Ballwechsel, korrekt?
Er ist aggressiver, macht mittlerweile auch mit der Vorhand mehr, öffnet den Platz. Da könnte er sogar noch ein bisschen besser werden. Er rückt mehr ans Netz nach, hat ja eine gute Reichweite, bewegt sich gut - da passt einfach sehr viel. Viel besser geht's nicht. Das ist schon Weltklasse, was er leistet. Daher diese Ergebnisse. Er steht ja nicht umsonst da oben. Sicher auch bei den Grand Slams in den nächsten Jahren. Und er ist trotzdem erst 24.

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Davis-Cup-Team ohne Zverev: Spaß in der Truppe kann "Berge versetzen"

Nach dem letzten großen Turnier des Jahres steht nun noch der Davis Cup an - ohne Zverev. Was ist vom deutschen Team mit Jan-Lennard Struff, Dominik Koepfer und Peter Gojowczyk zu erwarten?
In den letzten Jahren habe ich den Davis Cup nicht mehr so verfolgt. Ich verstehe viele Spieler, die zwar gern für ihr Land spielen wollen, denen das am Ende des Jahres aber zu viel ist. Ich glaube aber, dass sich die Deutschen gut verstehen, und das ist ja mit das Wichtigste: Dass man Spaß hat in der Truppe! Das kann Berge versetzen. Struff ist eh immer unberechenbar, Gojowczyk genauso. Wenn der wenig Fehler macht, ist der auch verdammt gefährlich. Da fehlt es so ein bisschen an der Konstanz und an dem Glauben an sich selbst. Unser Doppel ist auch stark, und generell ist bei so einem Team-Event immer alles möglich.

Ein Spieler mit zig Davis-Cup-Einsätzen ist Philipp Kohlschreiber. Der ist mittlerweile 38, die Nummer 114 der Welt und hat in diesem Jahr nur 16 Matches auf der Tour bestritten. Wie lange sehen wir den noch auf dem Platz?
Schwer zu sagen. Sobald man im Ranking ein bisschen abfällt, wird es verdammt schwer, gerade wenn man auf die 40 zugeht. Dann noch mal Challenger zu spielen, um das Ranking wieder nach vorne zu bringen und in die großen Turniere reinzukommen: Das ist hart. Noch mal voll Gas geben oder doch lieber mehr Zeit mit der Familie verbringen? Das muss er selber beantworten, ob ihm das noch Spaß macht. Aber gerade auf Sand kann er immer noch große Spieler ärgern - oder besiegen.

Das gilt auch für den mittlerweile 43-jährigen Tommy Haas. Im vergangenen Sommer haben Sie für den TC Großhesselohe in der Herren-30-Bundesliga aufgeschlagen. Sehen wir Sie da wieder im kommenden Sommer?
Fix ist noch nichts, aber mir hat das jedenfalls richtig viel Spaß gemacht. Ich mag die Jungs sehr gerne, habe mit dem Klub auch eine Geschichte, weil ich da früher mal Bundesliga gespielt habe, 1993 oder 1994, das ist schon ein bisschen her. Wenn ich im Sommer eh hier und fit genug bin, um Matches zu spielen, hätte ich tierisch viel Lust darauf!

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