"Endlich Brotzeit machen"

Ex-Biathlonstar Madgalena Neuner hat sich mit ihrem neuen Leben bestens arrangiert. Hier erzählt die Wallgauerin, wie sie sich fit hält, wo sie gerne wandert – und wieviel Paar Ski sie noch hat.
| Cornelia Bruckner
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Ex-Biathlonstar Madgalena Neuner hat sich mit ihrem neuen Leben bestens arrangiert. Hier erzählt die Wallgauerin, wie sie sich fit hält, wo sie gerne wandert – und wieviel Paar Ski sie noch hat

AZ: Frau Neuner, wie fühlt man sich als „Rentnerin”?


MAGDALENA NEUNER: Von Rente kann keine Rede sein, ich habe einen neuen Job, eine neue Herausforderung. Ich bin viel unterwegs für einige Firmen, für die ich als Testimonial auftrete. Ich engagiere mich für die Björn-Schulz-Stiftung und habe eine Fitness-DVD produziert. Gemeinsam mit Felix Neureuther arbeite ich gerade an einer zweiten DVD mit Skigymnastik, die Anfang November erscheint. Das ist ein neues Berufsleben, allerdings eine 180-Grad-Wendung vom Leistungssport.


Viele Sportler werden TV-Experten nach ihrer aktiven Zeit. Ist das was für Sie?


Nein, für mich ist das nichts. Ich will aus dem Sport raus, nach den langen Jahren als Aktive. Ich hatte elf Trainingseinheiten pro Woche, dazu noch Physiotherapie und Mentaltraining. Ständig war man in der Vorbereitung auf den nächsten Wettkampf, auf die nächste Saison. Man hatte nie Feierabend. Als TV-Expertin bin ich wieder mitten im Sportgeschehen drin. Ich möchte gerne etwas mit Kindern machen, ich habe einen Trainerschein.


Diesen Winter sind die Olympischen Winterspiele in Sotchi. Was erwarten Sie von diesen Spielen?


Ich werde als Zuschauerin nach Sotschi reisen und bin schon sehr gespannt, wie es von der anderen Seite aus ist. Landschaftlich soll Sotschi sehr schön sein. Olympische Spiele sind etwas Besonderes, es ist wie eine große Familie und im gemeinsamen Essenszelt lernt man viele andere Sportler kennen. Das ist so ganz anders als eine Weltmeisterschaft. Es werden bestimmt super Spiele mit einer tollen Eröffnungsfeier. Russland gibt sich viel Mühe und hat bei den Weltcups in Sibirien immer Eröffnungsfeiern vom Feinsten gemacht. Aber ich habe auch ein mulmiges Gefühl, Russland ist so ganz anders als Deutschland. Bei den Weltmeisterschaften in Sibiriens Biathlonzentrum Khanty-Mansiysk wohnt man im Hotel und nebenan leben bei minus 40 Grad Leute in Wellblechhüten. Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist sehr groß. Das beschäftigt einen auch als Sportler, denn es fließt ja viel Geld im Sport. Und dann schauen Leute zu, die kein Geld haben.


Wie viele Paar Langlaufski haben Sie heute noch?


Aktuell stehen acht Paar im Keller, in meiner aktiven Zeit waren es bis zu 35 Paar.


Wie wichtig ist Sport heute noch für Sie?


Sport ist nach wie vor wichtig für mich, ich gehe joggen und fahre gerne Mountainbike. Doch nun kann ich endlich auf dem Berg einkehren und Brotzeit machen. Doch wenn ich zu lange keinen Sport mache, schmerzen meine Beine, ich fühle mich verspannt und mir fehlt der Sauerstoffkick.


Warum Joggen?


Ich jogge dreimal die Woche, circa 30 bis 45 Minuten und laufe dabei sechs bis sieben Kilometer. Beim Joggen bin ich schnell ausgepowert, da reicht mir schon eine Stunde Zeit. Beim Mountainbiken bin ich oft drei Stunden unterwegs.


Wie motivieren Sie sich zum Joggen?


Ich denke daran, wie gut ich mich nach dem Joggen fühle. Es sind ja auch nur fünf kritische Minuten, bis ich die Turnschuhe anhabe.


Im Mai wurde in Wallgau der „Magdalena Neuner Wanderweg” eingeweiht. Sieht man Sie auf diesem Weg?


Ja, ich bin erst gestern dort gewandert. Da ist natürlich ein Riesen-Hallo, wenn ich die Leute grüße und die Leute fragen: Sind Sie die von den Schildern? Dann folgt immer ein ungläubiges Stauen. Die Leute können es gar nicht glauben, dass ich es persönlich bin.


Wie entspannen Sie?


Ich handarbeite sehr gerne. Ich stricke im Moment vor allem Babysachen, weil im Freundeskreis viel Nachwuchs angesagt ist. Zwei Dirndl habe ich auch genäht. Ich finde es schön, nach dem Sport etwas Kreatives zu machen. Und ich spiele Harfe. Das konnte ich während meiner aktiven Zeit nicht, eine Harfe ist schwierig bei den Reisen.


Was werden Sie in fünf Jahren machen?


Vielleicht meine Kinder im Kinderwagen durch die Gegend fahren. Ich hoffe, meine Werbepartner und die Familie kombinieren zu können. Ich hatte bisher ja keine Zeit, eine Familie zu gründen. Es kann aber auch sein, dass ich mit 35 oder 45 noch etwas ganz Neues machen will. Es wird immer Möglichkeiten geben. Ich habe Vertrauen in mein Leben. 

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