"Ein Sommer in Italien": WM-Triumph von 1990 kommt in die Kinos – Star-Auflauf bei Premiere in München
Michael Beisenherz, von allen "Micky" gerufen, ist im Juni 1977 geboren. Im Sommer 1990, dem ersten Sommer nach der Wende, zugleich dem letzten vor der Wiedervereinigung, war der kleine Micky, geboren in Recklinghausen, 13 Jahre alt. Und so merkte man dem Moderator, Autor und Podcaster am Montagnachmittag eine gewisse Nervosität vor diesem Termin an, die er auch zugab: "Für mich ist es so, als würde ich live in das Poster meines Jugendzimmers hineintreten", sagte Beisenherz und freute sich sichtlich, als er meinte: "Endlich darf ich meine Helden duzen."
Seine Helden, sie waren die Helden der gesamtdeutschen Nation: Die Fußball-Weltmeister von 1990. Zwölf der 22 Profis waren zur Pressekonferenz im Hotel "Vier Jahreszeiten Kempinski" gekommen, dazu der damalige Co-Trainer Holger Osieck. Im Anschluss, als sich auch Olaf Thon, damals im offensiven Mittelfeld zu Hause, noch dazugesellt hatte, ging es gemeinsam mit Familien und Freunden in den "Mathäser Filmpalast", um sich die Premiere von "Ein Sommer in Italien - WM 1990" anzuschauen.
"Aus 22 Spielern wurden Freunde"
Der Film über den Weg der Mannschaft zum Titel, unter Anleitung des damaligen Cheftrainers Franz Beckenbauer (†78), ist ein zeitgeschichtliches Dokument. "Aus 22 Spielern wurden Freunde", sagte Mittelfeldspieler Guido Buchwald und auch Rudi Völler, dereinst Mittelstürmer, betont heute noch: "Ich bin mit meinen Freunden Weltmeister geworden."

Pierre Littbarski, von allen nur "Litti" gerufen, kam 1960 in West-Berlin zur Welt. Als es nach Italien zur WM 1990 ging, stand der Spieler des 1. FC Köln in der Blüte seiner Karriere. Auf und neben dem Platz. Er war einer der Entertainer und DJ der Mannschaft. Gemeinsam mit Mittelstürmer Jürgen Klinsmann legte er - ganz ohne Spotify, Youtube oder Beatbox - in der Kabine oder im Bus auf. Ganz hoch im Kurs damals der Song "So You Win Again" von der britischen Soul- und Funkband "Hot Chocolate".

Auch den gemeinsam mit Schlager-Legende Udo Jürgens aufgenommenen WM-Song, so was gibt’s ja heutzutage nicht mehr, spielte man gerne ab. "Wir sind schon auf dem Brenner", hieß das gute Stück. "Unser Holger konnte den ganzen Text auswendig, hat die ganze Schallplatte rauf- und runtergesungen", verriet Littbarski unter dem lauten Gelächter seiner Mitspieler. Aber auch Lothar Matthäus, damals bereits bei Inter Mailand in der italienischen Serie A unter Vertrag, hatte seinen 1990-Lieblingssong – von Marianne Rosenberg – "Er gehört zu mir". In die launige – Verzeihung – Altherrenrunde auf dem Podium rief Matthäus dann hinein: "Ich habe damit den WM-Pokal gemeint."
Littbarski kommt mit Final-Trikot zur Premiere
Es ging aber auch um die Optik an diesem Tag voller Erinnerungen und Sentimentalitäten. Als der damalige Ersatztorhüter und spätere Torwarttrainer der Nationalelf Thomas Häßler, von allen "Icke" gerufen, im Hotelfoyer sah, raunte er ihm zu: "Na, bist du gewachsen?" Antwort Icke, neben Litti der Spaßvogel der Truppe: "Ja, in den Boden." Und Littbarski, der sein im Finale von Rom gegen Argentinien (1:0) getragenes Original-Trikot trug, raunte Köpke bei der Begrüßung zu: "Na, du schöner Mann!" Das Shirt, das Litti trug, habe er laut eigener Aussage "nie gewaschen". Ein Schatz.

Wie der frühere Dribbelkönig, der allen Mitspielern einen coolen, weißen Hoodie mit dem Filmlogo vorne drauf und allen Namen der Profis hinten drauf, schenkte und bewegt sprach: "36 Jahre ist es her. Man weiß ja nie, wie lange man sich noch hat." Den anderen Gästen rief er zu: "Wenn ihr den Film seht, werdet ihr in eure Kindheit versetzt. Holt die Taschentücher raus!"
Häßler verriet, dass sein Kumpel selbst geweint hatte, als er den Film zum ersten Mal sah. "Und der Köppie, der tut immer so hart – der weint auch als einer der ersten", ergänzte Littbarski. Das muss man auch als Zuschauer, wenn Matthäus, der damalige Kapitän und Anführer, im Film über seinen engen Freund, den viel zu früh verstorbenen Andy Brehme (†63), der wie auch Frank Mill (†67) nicht mehr unter uns ist, sagt: "Ich vermisse Andy, er war wie ein Bruder für mich." Und natürlich sind alle Helden von damals immer in Gedanken bei ihrem "Chef" wie sie ihn weiter ehrfurchtsvoll nennen. Bei Franz Beckenbauer, dem Architekten des Triumphes, dem Kaiser von Rom.
