Ein letztes Ave Magdalena

Karlheinz Kas, sonst Fußballreporter für den BR, ist die Stimme des Biathlons in Ruhpolding. Hier erzählt der Stadionsprecher, wie er gemeinsam mit DJ Lumpi die Stimmung anheizt
| Thomas Becker
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AZ: Herr Kas, die Biathlon-WM ist eine Woche alt – wie geht’s der Stimme?

KARLHEINZ KAS (Stadionsprecher in der Biathlon Arena): Ich bin angeschlagen hergekommen – wegen Otto Rehhagel, Augsburg gegen Hertha: bissl zu euphorisch gewesen, bissl zu weit aus dem Fenster gelehnt, Zug bekommen. Das hab’ ich am Tag drauf gemerkt. Seitdem: pro Rennen drei Kannen Kamillentee! Meine fünfte Packung Salbei-Bonbons! Sonst übersteh’ ich das nicht. Und: nicht ausgehen! Ich war noch nicht im Nachtleben – das gab’s noch nie. Aber am Wochenende lass’ ich’s krachen. Sonst hab’ ich um die Zeit schon 500 Euro ausgegeben, bis jetzt: null Euro. Die Kasse ist gefüllt.

Was sind die Hot Spots des Ruhpoldinger Nachtlebens?

Im „Champions Park” geht’s los: Gamsblutalm, Sauriaßler, dann rüber zur Strafrunde, und alles endet im Dorf-Stadl. Das ist die Tour.

Wie lang ist so ein Sprecher-Tag? Beim Männer-Rennen gab es zuletzt 139 Starter.

Das Team muss funktionieren. DJ Lumpi muss die richtige Musik auflegen, unten müssen Interviews rangeschleppt werden. Da beneide ich die Kollegen nicht. Die fangen schon drei Stunden vor dem Rennen an, mit drei mobilen Kameras: Spiele, Action, Unterhaltung. Ich starte eine halbe Stunde vor dem Rennen.

Sie sind ja eigentlich Fußballer. Wie kamen Sie zum Biathlon?

Ich mache das hier seit 2006. Früher war die Sprecher-Position nicht professionell besetzt. Alois Reiter, jetzt Streckenchef, hat’s mal gemacht, vor ihm der ehemalige Bürgermeister Andreas Hallweger. Doch dann ging Biathlon sensationell nach oben, und man wollte einen Profi-Sprecher. Wir haben lange verhandelt, im ersten Jahr hab’ ich’s noch umsonst gemacht, man war begeistert. Seitdem hab’ ich hier einen Nebenjob.

Was macht mehr Spaß: Fußball oder Biathlon?

Biathlon ist schöner zu kommentieren. Hier kann ich zwei Stunden reden, im Fußball muss ich nach zwei Minuten zurückgeben. Mir redet keiner rein, ich kann reden, was ich will, grüßen, wen ich will. Wichtig ist, dass ich Stimmung mache und ergänzende Informationen gebe.

Beschreiben Sie doch mal die Stimmung!

Es ist brutal. Ein etwas gesetzteres, aber sehr dankbares Publikum, ganz anders als beim Fußball. Die sind so gut drauf! Du führst von hier oben aus 28000 Menschen – das ist toll. Aber sobald du einen Fehler machst, reiben sie dir den hin. Beim Männer-Rennen hab’ ich aus der Entfernung Michi Greis mit Andi Birnbacher verwechselt – sogar der Landrat Hermann Steinmaßl hat gesagt: „Aber den Andi hast verwechselt mitm Michi.” Du merkst: Die Leute passen auf, was du sagst.

Am Samstag haben Sie ein Problem: Der FC Bayern spielt gegen Hoffenheim, normalerweise wären Sie für den Bayerischen Rundfunk in Fröttmaning. Zeitgleich läuft die Frauen-Staffel.

Da liegt das iPhone nebendran. Ich kommentiere ja für die ARD das Rückspiel der Bayern gegen Basel. Da muss ich wissen, was los ist.

Am Sonntag läuft Magdalena Neuner ihr letztes WM-Rennen. Haben Sie sich einen Abschiedssatz zurecht gelegt?

DJ Lumpi wird „Nur ein Kuss, Magdalena” und „Ave Magdalena” spielen, aber ich habe nichts vorbereitet. Günther Koch, mein großes Vorbild, hat mir mal gesagt: „Mein junger Kollege, du musst immer aus dem Bauch raus machen!” Und da halte ich mich dran.

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