Ein Kampf mit den Tränen

Rad-Superstar Erik Zabel verabschiedet sich von den Münchner Sixdays und freut sich auf eine Zeit ohne Fragen zum Doping.
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Auftakt zur allerletzten Runde: Erik Zabel nimmt  Abschied vom Münchner Sechstage-Rennen.
Philippe Ruiz Auftakt zur allerletzten Runde: Erik Zabel nimmt Abschied vom Münchner Sechstage-Rennen.

MÜNCHEN - Rad-Superstar Erik Zabel verabschiedet sich von den Münchner Sixdays und freut sich auf eine Zeit ohne Fragen zum Doping.

Es sind diese kurzen Momente, in denen sich Erik Zabel unbeobachtet glaubt, die sein Gefühlsleben offenbaren. Etwa, wie er aus seiner Kabine im Oval der Olympiahalle durch den Vorhang lugt und zu den Fans hinüberschaut. Oder wie der 38-Jährige den Blick senkt, wenn er bei der Vorstellung des Fahrerfeldes vom Publikum mit „Erik“-Gesängen gefeiert wird.

In diesen Momenten ist Zabel anzusehen, dass er Wehmut spürt und wohl auch Schmerz. Abschiedsschmerz. Heute wird er besonders groß sein. Der Höhepunkt des vorletzten Abends wird Zabels offiziell Verabschiedung sein. Diese Sixdays in München sind seine letzten hier. Zabel beendet seine Karriere. Daher kämpft er nicht nur mit Partner Leif Lampater um den Sieg am Dienstag, sondern auch ganz allein gegen seine Emotionen, gegen die Tränen.

Zuletzt, beim Sechstagerennen in Dortmund, hat er diesen Kampf schon mal verloren. Als er dort mit Lampater den Gesamtsieg eingefahren hatte, flossen Zabel die Tränen übers Gesicht. „Das ging mir sehr ans Herz“, sagte Zabel. München ist für Zabel nicht minder emotional. Er sagt: „Da München das sportlich stärkste Feld aufbietet, haben mir die Niederlagen hier immer besonders weh getan. Und die Siege haben mich besonders gefreut.“

Unvergessen ist sein Auftritt mit Sixdays-Legende Bruno Risi 2006. Die Routiniers fuhren die Konkurrenz nieder. „Ein Highlight“, sagt Zabel. Nicht nur für ihn, sondern auch für seinen Ex-Partner. Risi: „Das wird mir unvergesslich bleiben. Ich mag Erik. Wir haben uns vor kurzem in der Schweiz getroffen. Er hat gleich mit meinen Kindern für Fotos posiert.“ Dass Zabel nach seinem Doping-Bekenntnis im Mai 2007 als EPO-Sünder gebrandmarkt ist, mag Risi nicht zulassen: „Lasst den Erik in Ruhe!“

Auch Rennleiter Sigi Renz sagt: „Erik hat es nicht verdient, dass man sich an ihn als Doper erinnert. Er hat mal was probiert. Das haben viele. Wie viele Musiker haben sich denn mal Koks in die Nase gezogen?“ Ein eigenwilliger Vergleich. Renz: „Erik hat unter Tränen gestanden, das reicht.“ Für Zabel selbst steht – bei aller Gefühlsduselei um seinen Abschied – bereits fest: „Einer Sache werde ich sicher keine Tränen nachweinen: Den Fragen nach Doping.“ Ob er weinen wird, wenn er in der Olympiahalle letztmals vom Rad steigt? „Ich weiß nicht, wie ich reagiere“, sagt Zabel. Was er fühlt, behält er lieber für sich. Meistens jedenfalls.

Matthias Kerber, JoschaThieringer

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