Wolf: "Es ist eine komische Situation"

Sechs Mal in Folge hat der EHC Red Bull München an einem Freitag verloren. In der AZ spricht Michael Wolf über die „verheerende Bilanz“, Wutreden und das Duell gegen Ex-Klub Iserlohn.
| Matthias Kerber
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Michael Wolf, der Kapitän des EHC Red Bull München.
Rauchensteiner/Augenklick Michael Wolf, der Kapitän des EHC Red Bull München.

AZ: Herr Wolf, es steht wieder der schwarze Freitag an. Der Tag, an dem der EHC Red Bull München einfach nicht gewinnen kann.

MICHAEL WOLF: (lacht) Ist es wieder soweit? Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, wie da unsere Bilanz im Detail aussieht, ich weiß nur, dass sie nicht gerade gut ist.

Die letzten sechs Freitagsspiele der Red Bulls wurden ausnahmslos verloren.

Okay. Wenn man das so als nackte Zahl hört, ist das schon eine eher verheerende Bilanz. Und man muss zugeben, dass wir seit gefühlten Ewigkeiten immer ein Spiel gewinnen und dann wieder eins verlieren. Es gelingt uns im Moment nicht, eine kleine Serie in Gang zu setzen. Aber es liegt nicht daran, dass wir es nicht versuchen würden.

Also keine Freitags-Arbeitsverweigerung. . .

(lacht) Nein, ganz sicher nicht. An der Einstellung liegt es sicher nicht. Wir wissen, worum es geht, jeder weiß, was wir uns vorgenommen haben. Wir wollen in dieser Saison auf jeden Fall länger dabei sein als in der vergangenen Spielzeit, als wir in der ersten Playoff-Runde gescheitert sind.

Haben Sie so etwas schon mal in Ihrer illustren Karriere erlebt?

Ganz ehrlich: nein. Es ist eine komische Situation und fühlt sich komisch, fast bizarr an. Aber ich habe im Eishockey genug erlebt, um zu wissen, dass auch das wieder vorbeigeht. Lieber früher als später.

Woran liegt es, dass der EHC keinerlei Konstanz findet?

Das Problem ist mir bewusst – und natürlich nicht nur mir. Wenn ich wüsste, wie wir das abstellen, dann wäre ich Trainer. Aber Spaß beiseite, wir trainieren gut, wir sind alle heiß, das wird schon. Aber wir müssen jetzt mal eine kleine Serie starten. Das wäre gut für das Selbstvertrauen, das würde Leichtigkeit ins Spiel bringen, dann geht alles viel leichter von der Hand.

Bisher hat es der EHC in dieser Saison nur selten geschafft, über 60 Minuten konstant gutes Eishockey zu zeigen.

Das ist richtig, aber man kann es auch positiv sehen. Wir sind des Öfteren schlecht ins Spiel gekommen, haben aber immer wieder Wege zurück ins Spiel gefunden und so manche Partie noch gedreht. Ja, die Konstanz fehlt noch, aber wir haben eben auch viele neue Spieler, von denen einige noch nie in Europa gespielt haben. Die müssen sich erst auf die größere Eisfläche einstellen, das etwas andere Spiel. Aber ich finde, dass wir auf einem guten Weg sind. Und wenn wir als Team unser bestes Eishockey zeigen, dann ist mir auch nicht bange. Das Potenzial, das Können, der Wille – all das ist da.

Ein weiteres Problem ist, dass die Red Bulls viel zu viele Strafzeiten kassieren.

Ja. Und darüber haben wir auch schon intern gesprochen. Wir kassieren zu viele Strafen im Vergleich dazu, wie viele wir herausarbeiten. Beides muss besser werden. Wir müssen vorne noch härter arbeiten, damit der Gegner uns eben manchmal nur mit unlauteren Mitteln stoppen kann und die Schiedsrichter pfeifen müssen. Gleichzeitig müssen wir selber auch noch disziplinierter agieren. Auch da muss man sagen: Wir haben eben einige Spieler, die direkt aus Nordamerika rübergekommen sind, die eine andere Härte gewohnt waren und sich jetzt dem Standard hier anpassen. Sie werden immer besser und das wird auch den Strafen gegen uns zu Gute kommen.

Nach der Pleite in Straubing vor gut zwei Wochen hat Trainer Don Jackson eine harte Ansprache ans Team gerichtet.

Man kann immer verlieren, das gehört zum Sport, aber es kommt auch immer auf die Art der Niederlage an. Gegen Straubing waren wir nicht auf der Höhe. Und natürlich sind das die Momente, in denen dann auch mal Tacheles geredet wird. Das ist notwendig, es geht nicht immer alles harmonisch in einer Kabine zu. Wichtig ist aber, dass man am Ende immer wieder zusammenkommt, dass alle zusammenhalten. Dafür ist es manchmal gut und gesund, wenn auch mal die Fetzen fliegen. Dann werden eben Dinge angesprochen, dann wird der Finger in die Wunde gelegt. Und dann versucht man als Team, es eben besser zu machen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Das sind die Momente, in denen Sie auch als Kapitän gefragt sind.

Definitiv. Ich bin zwar vom Typ nicht der, der die großen Reden schwingt, sondern eher der, der durch Leistung auf dem Eis versucht, die anderen mitzureißen. Aber ich bin auch keiner, der gar nichts sagt. Wenn mir Dinge auffallen, dann spreche ich die auch sehr offen und direkt an. Aber das muss auch nicht immer vor der gesamten Mannschaft sein. Ich bin einer, der sich jemanden auch mal kurz zur Seite nimmt und ihn direkt anspricht, das ist eher meine Art, als bei jedem Spiel groß auf den Putz zu hauen. So etwas muss man sehr dosiert und bedacht einsetzen, denn es kann sich auch sehr schnell abnutzen und dann verpufft das, ohne Wirkung zu entfalten.

Hat der Kapitän denn mit Dominik Kahun gesprochen, der ja nach dem Schwenningen-Spiel deutlich gefordert hat, dass er mit Mads Christensen in einer Reihe spielen will?

Wir haben telefoniert. Und es war keine Kritik am Trainer, es ist alles gut. Wir alle wissen, dass das Team im Vordergrund steht. Das Wichtigste ist, dass die Dinge passieren, die am besten für die Mannschaft sind, die am meisten Erfolg versprechen. Ein Trainer muss experimentieren, um herauszufinden, was das Beste ist. Nur, weil etwas gut ist, heißt es ja nicht, dass etwas anderes nicht noch besser sein kann. Und gerade im Hinblick auf die Playoffs muss man auch mal den Gegner überraschen können. Dominik und Mads sind tolle Spieler, die sehr gut harmonieren. Wichtig ist aber, dass wir möglichst drei, vier schlagkräftige Reihen haben. Zusammen Erfolg haben, das wollen wir alle.

Jetzt geht es gegen Iserlohn, Ihren Ex-Verein, der eine sehr starke Saison spielt.

Absolut. Sie sind auch eines der wenigen Teams der Liga, das recht konstant spielt. Ich muss zugeben, dass nach all den Jahren, die ich da war, mein Herz immer noch ein bisschen an Iserlohn hängt. Ich schaue an jedem Spieltag, wie sie abgeschnitten haben. Ich kenne ja noch viele Spieler, die Verantwortlichen. Und das wird für uns am Freitag nicht leicht. Es ist sehr schwer, dort zu punkten. Es ist ein echtes Eishockeystadion, das die Fans in einen Hexenkessel verwandeln werden. Ich denke, in kaum einem Stadion ist es schwerer zu spielen als dort. Die Stimmung ist heiß, da kann es schon mal sein, dass man Strafen kriegt. Wir müssen schauen, dass wir nicht gleich überrannt werden. Wenn wir da gut gegenhalten, können wir auch dort was reißen. Wie gesagt, mir ist um dieses Team nicht bange.

 

 

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