"Wir schaffen das": EHC braucht jetzt Playoff-Wunder, das noch nie gelang
In leichter Abwandlung des legendären Spruchs von Fußball-Weltmeister Andreas Brehme († 2024) kann man die drei ersten Spiele des EHC Red Bull München im Halbfinale (Best of seven) gegen die Adler Mannheim mit den Worten umschreiben: "Hast du Sch***e an der Kufe, hast du Sch***e an der Kufe."
In den Partien eins und zwei war der EHC jeweils die spielbestimmende Mannschaft, führte auch, verlor aber beide Male in der Verlängerung mit 2:3. Und auch in Partie drei dieser Serie blieb den Münchnern, die wieder das Spiel diktierten, das Pech hold. Die Red Bulls als Pech-Bullen – und manchmal auch als Chancenwucher-Bullen.
EHC gleicht Adler-Führung aus – Schütz wird erneut zum Schreckgespenst
Nach einer Nullnummer im ersten Drittel fälschte der Ex-EHCler Justin Schütz, der schon den Siegtreffer in Spiel zwei sehr kurios markiert hatte, 46 Sekunden vor Ende des zweiten Durchgangs unhaltbar für Goalie Antoine Bibeau ab – 1:0. Doch München schlug im dritten Abschnitt nach 80 Sekunden zurück. Yasin Ehliz mit dem Ausgleich. Elf Minuten später war wieder Schütz zur Stelle, das 2:1. Anthony Greco und Tom Kühnhackl (jeweils 59.) machten mit zwei Empty-Net-Goals alles klar – 4:1.
Damit liegen die Red Bulls in der Serie mit 0:3 hinten und müssen Historisches schaffen, um noch ins Finale einzuziehen. Denn: Noch nie in der 31-jährigen DEL-Geschichte ist es einem Team gelungen, nach einem 0:3-Serienrückstand noch weiterzukommen. "Das will ich gar nicht hören", sagte Doppelpacker Schütz, "wenn man über so etwas redet, ist man schnell gejinxt – verhext. Die Münchner wissen ja, dass sie die ersten beiden Spiele vielleicht sogar hätten gewinnen müssen. Wir dürfen die Red Bulls jetzt nicht mehr zurückkommen lassen."

Der EHC steht mit dem breiten Rücken zur Wand. Doch weder die Geschichte noch die Chancenverwertung machen groß Hoffnung, dass die Red Bulls die Adler am Ende doch noch auf die Hörner nehmen. Es heißt jetzt: siegen – viermal – oder fliegen.
"Wir schaffen das, weil wir gut gespielt haben – und viel gelernt haben"
"Wir haben dreimal gut gespielt, aber das nützt nichts, solange wir keinen Weg finden, die Spiele auch zu gewinnen. Vor allem in Überzahl müssen wir einfach besser sein, unsere Chancen auch mal nutzen", sprach Münchens Ex-Mannheimer Markus Eisenschmid die bisher größte Schwäche an – das Powerplay: "Wenn wir es nicht schaffen, die Scheibe auch mal ins Tor zu bringen, können wir nicht gewinnen. Es steht jetzt 0:3 in der Serie, wir haben nun sozusagen viermal Partie sieben – vier Entscheidungsspiele. Wir haben genug gelernt in den letzten drei Partien. Am Dienstag müssen wir zeigen, was wir für Lehren daraus gezogen haben. Aber: Wir schaffen das, weil wir gut gespielt haben – und viel gelernt haben."
Wie gelehrig sie wirklich waren, wird sich am Dienstag (19.30 Uhr, Magentasport) im SAP Garden zeigen – oder auch nicht.

