Interview

Steve Pinizzotto im AZ-Interview: "Mein Körper bringt mich um"

Drei Titel gewann Steve Pinizzotto mit dem EHC. Die Liga, sagt das Raubein, hatte Angst vor seinem Team. Im Interview mit der AZ erzählt der Kult-Spieler, warum ihm nun Geben seliger denn Nehmen ist.
| Martin Wimösterer
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Steve Pinizzotto spielte bis 2018 für den EHC Red Bull München.
Steve Pinizzotto spielte bis 2018 für den EHC Red Bull München. © imago/foto2press

AZ: Hallo, Herr Pinnizzotto. welche Weihnachtsbräuche gibt es im Hause des einst härtesten und gefürchtesten Spielers der DEL?
STEVE PINIZZOTTO: Wir erfinden gerade neue. Für 15, 20 Jahre war echtes Weihnachten für uns nicht möglich - jetzt feiern wir als Familie endlich zusammen. Meine beiden Brüder haben auch mit Eishockey ihr Geld verdient. Ich freue mich auf das Essen, die schöne Zeit, die Weihnachtsleckereien.

Sie sind also für die schönen Dinge empfänglich? Ihre früheren Gegner auf dem Eis hätten Sie eher als Grinch, also eine Person auf dem Kriegsfuß mit Weihnachten, vermutet.
(lacht) Ja, wahrscheinlich. Aber abseits des Eises bin ich ganz anders. Aber ja, ich habe hart gespielt. Das war ein Element unseres Spiels und hat uns in München erfolgreich gemacht. Wir waren ein starkes Team. Hey, ich erinnere mich gerade: Ich war vor meiner Zeit in München auf einer Hochzeit eines alten Kumpels, als mein Handy sich meldete. Winkler (Christian Winkler, Sportchef des EHC; d. Red.) schrieb, ob ich einen guten Spieler im Freundeskreis hätte, den ich empfehlen könnte. Auf dem Platz neben mir saß damals, wir hatten schon ein paar Gläser getrunken, ein gewisser Keith Aucoin. (lacht)

"Am Ende des Lieds habe ich aber seine Kloake gereinigt"

Die Hochzeit hat also echte Weichen für den EHC gestellt.
Oh ja, Mann. Das Timing war verrückt und Timing ist alles. Eine Woche später hat Keith unterzeichnet. Was für ein wahnsinniger Spieler er war! Und hey, ich muss es wissen: Wir haben insgesamt fünf Titel zusammengewonnen. Wir waren ein super Gespann.

War Ihr Blick aufs Eishockey Blut, Schweiß und Tränen?
Ich habe für zwei Jahre in der Universitätsliga gespielt und danach in ECHL und AHL. Da kämpfst du einfach um deinen Job in der bestmöglichen Liga. Damit das klappte, habe ich ein weiteres Element hinzugefügt.

Sie lernten das Kämpfen, wie Sie dann auch gleich nach Ihrer Ankunft in der DEL zeigten.
Es war zu Saisonbeginn, wir spielten gegen Mannheim. Ich fuhr an der Bande entlang, als ich wie vom Dampfhammer durchgeschüttelt wurde. Dennis Reul ist ein Berg von Kerl. Der wollte es dem neuen Typen in der Liga gleich zeigen. Am Ende des Lieds habe ich aber seine Kloake gereinigt (lacht).

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Es wurde blutig. Das war eine der beiden Szenen, mit der die bis heute andauernde große Rivalität zwischen dem EHC und den Adler begann. Über die andere redete die Liga auch in dieser Saison noch mal: Ihr Check gegen Matthias Plachta.
Ja, es hat arg ausgeschaut. So schlimm war der Hit meiner Meinung nach aber auch nicht. Der Junge hat den sterbenden Schwan gespielt. Ich wurde für fünf Spiele gesperrt und Plachta spielte fast sofort wieder. Winkler war nicht so glücklich.

"Die anderen Teams hatten Angst, gegen uns zu spielen"

Der Check war quasi das Ende Ihrer Karriere beim EHC.
Ja. Und der Hit führte auch dazu, dass der Bürgermeister von Ingolstadt ein Stadionverbot gegen mich erlassen wollte.

Es war ein Stadtrat.
Was auch immer. Er ist ein Trottel, schreiben Sie das! Ich spielte hart und erhielt mehrmals Strafen, aber bitte: Es war Eishockey, da gehören Checks dazu. Die Fans liebten den Scheiß, sie liebten mich. Warum machen die Leute also sowas wie dieser Stadtrat? Weil sie nicht gewannen - wir aber. Die anderen Teams hatten Angst, gegen uns zu spielen.

Sie konnten ja tatsächlich auch Eishockey spielen.
Ja, und das findet man schwer: Einen, der fighten kann und auch punktet. Ich habe Kämpfe durch meine Spielweise angezogen, oft gingen wir mit einer Überzahl raus. Unser Powerplay war ein Torgarant, eine Waffe! Das spukte durch die Köpfe der Gegner.

Sie haben Ihre Karriere verletzungsbedingt beenden müssen. Wie geht es Ihnen heute?
Mein Körper bringt mich um. Ich hatte eine schmerzvolle Woche. Jetzt bezahle ich den Preis für meinen Spielstil.

"Ich musste nach der Spielerkarriere noch mal auf die Schule gehen"

Was machen Sie beruflich?
Ich arbeite im Anstellungswesen, für Hausrenovierungen und Hausbau. Ich musste nach der Spielerkarriere noch mal auf die Schule gehen. Wir wohnen in Oakville, im Januar ziehen wir in ein neues Haus.

Viel los also in der staden Zeit. Was wünschen Sie sich zu Weihnachten?
Ich stehe auf Elektronik-Kram, wie iPads oder Virtual-Reality-Brillen. Für mich ist das Geschenkekriegen aber in den Hintergrund gerückt. Ich habe zwei Kinder: eine Tochter mit dreieinhalb und mein Söhnchen, das vor einem halben Jahr auf die Welt kam. Für mich bedeutet Weihnachten nun, dass die Kleinen eine gute Zeit haben. Für mich ist Geben seliger denn Nehmen geworden.

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