Nach Pleite gegen Favoriten poltert FC-Bayern-Star Jokubaitis erstmals: "Das war kein Basketball"

Nach der deutlichen 76:100-Pleite bei Fenerbahce Istanbul spart Bayerns Aufbauspieler Rokas Jokubaitis nicht mit Kritik. Der Litauer moniert fehlenden Kampf, zu großen Respekt und mangelnde Vorbereitung – und fordert vor dem Heimspiel gegen Partizan Belgrad eine klare Reaktion.
von  Ruben Stark
Bayern-Star Rokas Jokubaitis (l.) zieht an Fenerbahce-Profi Braxton Key vorbei. Am Ende siegt aber der Top-Favorit vom Bosporus klar und deutlich.
Bayern-Star Rokas Jokubaitis (l.) zieht an Fenerbahce-Profi Braxton Key vorbei. Am Ende siegt aber der Top-Favorit vom Bosporus klar und deutlich. © IMAGO/Seskimphoto

Rokas Jokubaitis macht Fortschritte. Das ist an sich eine willkommene Erkenntnis nach den ersten Pflichtspielen des FC Bayern Basketball in der neuen Saison. Der Weg zum Denker und Lenker der Mannschaft von Trainer Anton Gavel wird für den ein Jahr verletzten Litauer sichtbar und vorstellbar.

Und zudem: Jokubaitis beginnt, seinen Anspruch auch verbal zu unterlegen, er legt den Finger in die Fehler-Wunde, so wie es Führungsspieler von Zeit zu Zeit zu tun pflegen.

Ein herber Dämpfer in Istanbul

Nach der dienstäglichen 76:100-Euroleagueklatsche bei Fenerbahce Istanbul, dem ersten herben Dämpfer für die Münchner, sah der 25-Jährige offenkundig die Notwendigkeit dafür. Das Spiel war quasi schon im ersten Viertel (15:31) verlorengegangen, weil sich das Top-Team vom Bosporus früh abgesetzt hatte und Gavels Schützlinge diese Hypothek nicht wieder loswurden.

"Es war das zweite Spiel und jeder Gegner in der Euroleague muss sehr ernstgenommen werden", setzte Jokubaitis an und kritisierte: "Du musst kämpfen, doch was wir in der ersten Halbzeit gesehen haben von uns, das war kein Basketball. Sie konnten alles mit uns anstellen." Nun ist völlig ausgeschlossen, dass die Bayern eine der besten Mannschaften der Königklasse unterschätzten, aber sie fanden eben keinen Zugang zu dieser bisher härtesten Prüfung, seit Trainer Gavel das Team anleitet. "Wir waren nicht in der Lage, sie zu stoppen, wir konnten nie unseren Rhythmus finden", urteilte der Coach.

Sahnetag für Fenerbahce, Selbstkritik bei Bayern

Mildernde Umstände ließen sich damit begründen, dass das Ensemble von Star-Trainer Sarunas Jasikevicius, Jokubaitis‘ Landsmann, einen Sahnetag erwischte. Herausragende 50 Prozent betrug die Trefferquote des Euroleague-Champions von 2025 von der Dreierlinie, dazu beherrschte Istanbul die Rebound-Duelle und agierte mit fünf Punktesammlern im zweistelligen Bereich sehr variabel. Und doch war Jokubaitis sauer: "Die Vorbereitung auf jeden einzelnen Spieler des Gegners war nicht da, wir haben das nicht als große Herausforderung angenommen. Wir haben ihnen von Anfang an zu viel gegeben, wir hatten zu viel Respekt."

Ob die bayerische Horrorbilanz gegen Fener von nun vier zu sechzehn Siegen die Knie schlottern oder der schlechte Start ins Spiel zu tiefe Spuren hinterließ? Allenfalls gab es im letzten Viertel ein Aufflackern, als die Münchner vor allem dank Top-Scorer Duane Washington jr. (20 Punkte) einmal kurz bis auf 15 Zähler herankamen. "Wir haben ein solides letztes Viertel gespielt, aber das Spiel war längst entschieden", stellte auch Gavel fest, gleichzeitig nutzte der gebürtige Slowake diesen Lichtblick als Ansporn für das erste Euroleague-Heimspiel am Freitag gegen Partizan Belgrad (20 Uhr/Magentasport): "Wir sollten etwas aus den letzten zehn Minuten ziehen und damit reingehen ins nächste Spiel."

Jokubaitis als Hoffnungsträger vor dem Partizan-Spiel

Jokubaitis schätzte es ähnlich ein, sah "eine bessere zweite Halbzeit" – und auch mit seinem eigenen Auftritt hätte er zufrieden sein können. Wie schon beim Sieg bei Hapoel Tel Aviv (86:84) erhielt der Point Guard knapp 20 Minuten Einsatzzeit, statt sechs Punkten häufte er diesmal zwölf an, sein PIR, ein Mittelwert für die Leistung in den verschiedenen Basketball-Kategorien, war hinter Washington der zweitbeste beim FCBB. 100 Punkte zu bekommen, sei eine schlechte Leistung, sagte Jokubaitis noch, dann blickte er aber kämpferisch voraus: "Nun haben wir am Freitag Partizan zu Hause – wir müssen es vor unseren Fans besser machen."

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