"Karten werden neu gemischt": Playoff-Derby für EHC nach Rekord-Sieg und Watschn

Der Münchner Plan für den Berliner Sonntag stand klar und deutlich aufgeschrieben im Hausaufgabenheft: Sprung auf Rang zwei und Qualifikation für die Champions Hockey League (CHL). Ein Sieg musste her, um den Teil der Voraussetzung zu erfüllen, den der EHC Red Bull selbst in der Hand hatte.
Doch daran scheiterte der viermalige DEL-Meister. Nach der 10:1-Gala gegen Straubing am Freitag leistete sich der EHC bei den Eisbären Berlin zu viele folgenschwere Fehler und kassierte eine schmerzhafte, wenn auch etwas zu hohe 1:5-Schlappe an der Spree.
EHC jetzt im Playoff-Derby gegen Ingolstadt
Damit wird der Eishockeyclub von Platz vier in die Playoffs um den DEL-Titel starten, was ein Aufeinandertreffen mit dem ERC Ingolstadt (5.) bedeutet. Angesichts der überzeugenden Saisonbilanz in bayerischen Derbys und des Heimvorteils als besser platziertes Team gehen die Münchner leicht favorisiert in dieses Viertelfinale im Modus "best-of-seven". Das erste von maximal sieben Spielen wird am 24. März im SAP Garden steigen.
Zuvor stehen sich in den Pre-Playoffs Bremerhaven (7.) und Nürnberg (10.) sowie Wolfsburg (8.) und Schwenningen (9.) gegenüber. Sie suchen Gegner für Köln und Mannheim. Der Titelverteidiger aus Berlin (6.) trifft auf Straubing (3.).

Für die Königsklasse muss jetzt der Titel her
Am 52. und letzten Hauptrundenspieltag in der DEL waren alle Zutaten in der Spannungsküche aufbereitet worden, um dem EHC ein aufregendes Menü zu servieren. Die Mannschaft von Trainer Oliver David reiste als Vierter in die Hauptstadt, aber eben mit der Aussicht, sich noch zu verbessern. Nur mussten dafür auch die Adler Mannheim gegen Schwenningen und die am Freitag fein säuberlich filetierten Straubinger gegen Tabellenführer Kölner Haie mitspielen.
Mannheim siegte 4:2 und ist Zweiter, die Tigers verloren 3:6, sodass der EHC maximal auf Rang drei hätte kommen können. Für die Champions-League-Teilnahme muss nun aber der Meisterpokal her.
DEL-Rekordsieg folgt Watschn an der Spree
Der herbe Dämpfer durch die Eisbären sollte Davids Team eine Warnung sein, dass zwischen einem Rekordspiel wie gegen die Niederbayern, dem höchsten Sieg seit DEL-Zugehörigkeit der Münchner, und einer Ernüchterung oft nur ein paar entscheidenden Szenen liegen können.
Gegen Straubing gelang Chris DeSousa und Yasin Ehliz jeweils ein Hattrick, dazu trafen Tobias Rieder und Jeremy McKenna jeweils doppelt, die Chancenauswertung war fast perfekt. "Ab und zu spielt man sich in so einen Rausch, wo dann auch alles funktioniert", sagte Verteidiger Konrad Abeltshauser.

In Berlin jedoch fehlte dann die Effizienz, nur DeSousa (21.) netzte nach dem 0:1 von Manuel Wiederer (10.) ein zum zwischenzeitlichen 1:1. Und in der Defensive waren es zwei dicke Böcke, die den Berlinern zwei Durchbrüche zum 2:1 und 4:1 gestatteten. Erst hielt DeSousa in Überzahl den Puck nicht im Angriffsdrittel, die Positionierung der Mitspieler stimmte auch nicht, was dazu führte, dass Frederik Tiffels (25.) in Eisbären-Unterzahl traf. Statt im Powerplay in Führung zu gehen, gab der EHC den Vorteil leichtfertig weg.
"Das war der Moment, wo du das Spiel auf deine Seite ziehen kannst", sagte auch EHC-Boss Christian Winkler bei Magentasport.
"Jetzt werden die Karten neu gemischt"
Dann versprang dem jungen Letten Alberts Smits nach einem Yasin-Ehliz-Fehlpass die Scheibe, der EHC war wieder nicht gut sortiert und diesmal schlug Ty Ronning daraus Kapitel (38.). Dazwischen erzielte Andreas Eder (37.) in Berliner Überzahl das 3:1 und kurz vor dem Ende setzte Yannick Veilleux (59.) den Schlusspunkt.
"Wir waren nicht scharf genug. Berlin hat eine Top-Leistung abgerufen und wir nicht", befand Winkler. Verteidiger Fabio Wagner kommentierte: "Wir haben gewusst, dass es anders als am Freitag wird, aber wir haben zu viele Zweikämpfe verloren." Nun blickt der Nationalspieler und frühere Schanzer auf ein Duell mit seinem langjährigen Ex-Klub in der Final-Neuauflage von 2023. "Jetzt", sagte Wagner, "werden die Karten neu gemischt."
Aus Sicht des EHC sollten dann mehr Trümpfe drinstecken als am Sonntag. Offensiv wie defensiv.