Interview nach Eishockes-Silber: Yannic Seidenberg: So macht man Party mit Lindsey Vonn

Münchens Silber-Held Yannic Seidenberg im AZ-Interview: Hier spricht er über den Eishockey-Triumph und die Party mit Lindsey Vonn.
| Simon Stuhlfelner
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Silber-Held und Familienmensch: Seidenberg am Flughafen mit seinen Kindern.
Rauchensteiner/Augenklick Silber-Held und Familienmensch: Seidenberg am Flughafen mit seinen Kindern.

Münchens Silber-Held Yannic Seidenberg im AZ-Interview: Hier spricht er über den Eishockey-Triumph und die Party mit Vonn.

München - Yannic Seidenberg - der 34-Jährige spielt seit 2013 für den EHC Red Bull München. Mit der deutschen Nationalmannschaft gewann er Olympia-Silber in Pyeongchang.

AZ: Herr Seidenberg, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Olympia-Silber! Haben Sie schon begriffen, welcher historische Erfolg Ihnen da in Pyeongchang gelungen ist?
YANNIC SEIDENBERG: Das wird einem von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde mehr bewusst. Direkt nach dem Gewinn war das alles ein bisschen viel, das musste man erst einmal verarbeiten. Jetzt, wo ich wieder zu Hause bin, wird mir erst richtig bewusst, wie ganz Deutschland hinter uns gestanden ist und uns unterstützt hat. Es macht mich stolz, dass ich ein Teil dieser Mannschaft bei Olympia gewesen bin.

Wie fühlt es sich nach zwei Tagen zu Hause an? Trägt einen die Euphorie noch oder stellt sich Müdigkeit ein?
Ich muss sagen, dass ich schon sehr übermüdet bin und den Jetlag noch in den Knochen habe. In der Früh, wenn ich versuche auszuschlafen, rennen die Kinder schon durchs Haus, mit denen ich die Zeit ja auch genießen will. Aber die Freude ist so groß, dass das alles kein Problem ist.

Wachen Sie morgens auf und es fühlt sich alles an wie im Traum?
Es fühlt sich schon wie ein Film, wie ein Traum an, was die letzten zehn Tage abgelaufen ist. Es war unglaublich, wie wir die Welle geritten haben, wir waren in einem richtigen Flow, haben vom ersten Tag an an uns geglaubt. Wir hatten von Tag eins an einen Riesenspaß in der Truppe. Das war eine Zeit, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde.

Im Finale gegen Russland standen Sie ja sogar ganz kurz vor Gold – dann der späte K.o. in der Verlängerung.
Das Gegentor in der Verlängerung war wie ein Stich ins Herz, als ob die Welt zusammengebrochen wäre. Kurz nach dem Spiel waren wir extrem enttäuscht. Als es dann zur Medaillenzeremonie ging, habe ich mir gedacht: Wenn ich später mal die Fotos anschaue, will ich nicht mit einem traurigen Gesicht auf den Bildern zu sehen sein. Die Party in der Kabine war aber trotzdem gedämpft.

Dafür war die Feier im Deutschen Haus umso ausufernder. Und Sie sollen eins der größten Party-Tiere gewesen sein.
Ich habe mich nicht wirklich zurückgehalten, sagen wir so. Ich hatte jede Menge Spaß mit den Bobfahrern, diesen Maschinen, die ja Gold gewonnen hatten. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass ich es übertrieben habe. (lacht)

Auf der Party war auch Skistar Lindsey Vonn zu Gast, die Sie eingeladen haben. Sie haben sie ja schon auf dem Hinflug kennengelernt, als Sie zufällig neben ihr saßen.
Am Anfang wusste ich nicht wirklich, wie ich ein Gespräch mit ihr anfangen sollte. Aber nachdem ihr der Felix Neureuther schon geschrieben hatte, dass ich ein Freund von ihm bin, hatten wir schon ein paar Themen. Bei der Abschlussfeier habe ich sie dann wieder gesehen und sie ins Deutsche Haus eingeladen.

Und sie hat mitgefeiert.
Nicht ganz so wild wie wir (lacht). So rumgesprungen wie wir ist sie nicht.

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Kommen wir nochmal zu den Erfolgsfaktoren fürs deutsche Team. Es hieß immer, der Teamgeist wäre überragend gewesen.
Auf jeden Fall. Der ist aber nicht erst die letzten zwei Wochen gewachsen, sondern schon in den vergangenen Jahren.

Welchen Anteil am Erfolg hatte Bundestrainer Marco Sturm?
Einen sehr großen natürlich. Er kam damals bei seinem Amtsantritt in die Kabine und hat gemeint, es kann ja wohl nicht sein, dass wir jedes Mal zufrieden sind, wenn wir das Viertelfinale bei einem Turnier erreichen, sondern dass es Zeit ist, den nächsten Schritt zu machen. Er bereitet uns sehr gut vor und hat es geschafft, mit uns ein System zu spielen, das es auch den großen Nationen schwer macht, uns zu schlagen.

Was bedeutet dieser Erfolg fürs deutsche Eishockey?
Klar hofft man jetzt, dass viele Kinder gesehen haben, wie toll dieser Sport ist. Andererseits dürfen wir im deutschen Eishockey nicht alles zu schön reden. Wir haben immer noch sehr viele ausländische Spieler in der DEL – und junge deutsche Talente bekommen nicht ausreichend Eiszeit. Zu sagen, dass wir in Deutschland alles richtig machen, wäre falsch. Da darf man sich von der Silbermedaille nicht blenden lassen.

Und wie geht es bei Ihnen persönlich weiter?
So lange ich mich körperlich gut fühle, spiele ich in der Nationalmannschaft weiter. Und ich möchte eh spielen, bis ich 40 bin. Also erlebe ich vielleicht sogar noch einmal Olympia (lacht).

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