"Haben das zu akzeptieren": EHC-Boss Winkler äußert sich zu Brutalo-Check und Sperre
An diesem Abend siegte der Sport – und der EHC. Nach dem Skandalspiel vom Dienstag, bei dem Red Bull München die Partie (2:7), drei Spieler und vor allem die Nerven verlor, setzte sich der viermalige DEL-Meister im SAP Garden mit 6:3 gegen den ERC Ingolstadt durch. Damit sicherte sich das Team um Kapitän Patrick Hager den ersten Matchpuck. Am Samstag (14 Uhr, Magenta-Sport) kann der EHC mit einem Sieg in Ingolstadt den Einzug ins Halbfinale klar machen. Für München trafen Patrick Hager (5. Minute), Yasin Ehliz (17.), Veit Oswald (29.), Tobias Rieder (38.), Alberts Smits (46.), Brady Ferguson (60.). „Das war eine tolle Teamleistung. Klar freue ich mich über mein erstes Tor für München, aber es war eine tolle Teamleistung, fünf andere Spieler von uns haben auch getroffen“, sagte Torschütze Smits.
Die nächste gute Nachricht an diesem: Edwin Tropmann ist auf dem Weg der Besserung, er konnte das Klinikum Ingolstadt nach Aussage von ERC-Sportdirektor Tim Regan "am Nachmittag verlassen". Volle Entwarnung kann er aber noch nicht geben: Der 20-Jährige hat bei dem Brutalo-Check von Münchens Fabio Wagner in Spiel vier der Viertelfinal-Serie zwischen dem EHC Red Bull München und den Panthern aus Ingolstadt ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, die Saison ist für ihn unter allen Umständen bereits beendet. Was die Verletzung für Tropmanns Karriere, der nach dem Check fast 20 Minuten bewusstlos war, bedeutet, steht noch nicht fest. "Es wird viele Nachuntersuchungen geben", sagte Regan.
Entschuldigung unter Profis
Wagner, der am Mittwoch bereits ein Entschuldigungsvideo gepostet hatte, hat auch Tropmann direkt angerufen und sich für sein Foul entschuldigt. "Sie haben darüber gesprochen und das unter zwei Eishockeyspielern geklärt. So, wie es sein soll", sagte Regan bei MagentaSport.
Auch Münchens Manager Christian Winkler kontaktierte Regan sofort. Die beiden führten ein klärendes Gespräch. "Wir haben in erster Linie über Fabio geredet", sagte Regan, der Wagner ja selbst bestens kennt. Wagner spielte elf Jahre für den ERC, war fünf Jahre Kapitän. "Es war ein Gespräch auf Augenhöhe", führte Winkler aus, "wir müssen ja auch Ruhe in die Serie kriegen."
Kritik am Münchner Trainerteam
Dass in Spiel vier, in dem insgesamt 175 Strafminuten verhängt wurden (125 für München), die Emotionen derart überkochten und gleich drei Münchner (Wagner, Jeremy McKenna, Dillon Heatherington) Spieldauerstrafen erhielten, kreidete Regan erneut dem Münchner Trainerteam um Chefcoach Oliver David an: "Wir hatten bei dem klaren Spielstand unsere vierte Reihe auf dem Eis, das ist eigentlich ein Zeichen für den gegnerischen Trainer, dass wir das Ergebnis nicht mehr hochfahren, die Partie entschieden ist. Aber er spielte mit der ersten Reihe weiter. Entweder hat er das Signal nicht kapiert – oder wollte es nicht kapieren. Das Trainerteam hat die hundertprozentige Verantwortung für das Spiel."
Das sah auch die DEL so: Sie belegte den Münchner Coach mit einer Geldstrafe "wegen mangelnden Einwirkens auf die Disziplin seiner Mannschaft".
Appell an mehr Ruhe
Hätte der Coach etwa eine Auszeit nehmen müssen, um seiner Mannschaft den Kopf zu waschen und die Gemüter zu beruhigen? Winkler meinte dazu: "Wir haben intern darüber gesprochen und die richtigen Schlüsse gezogen. Wir müssen alle für mehr Ruhe sorgen. Das fängt bei den Offiziellen an, geht über das Trainerteam bis zu den Spielern. Wir alle, die Fans, wollen am liebsten Eishockey fünf gegen fünf sehen."

Die Ingolstädter hatten sich laut "Donaukurier" sogar überlegt, Strafanzeige gegen Wagner zu stellen. Nachdem sie aber erfahren hatten, dass bei der Staatsanwaltschaft Ingolstadt bereits eine Strafanzeige (wohl von einer Person aus Mannheim) eingegangen war, sahen sie davon ab.
Historisch harte Sperre
Die DEL hatte schon am Mittwoch ihre Gerichtsbarkeit sprechen lassen. Der Disziplinarausschuss verhängte gegen Wagner eine Sperre von mindestens 14 Spielen, die sich auf 17 erhöhen kann, falls der EHC im Viertelfinale, Halbfinale und in der Finalserie jeweils in ein siebtes Spiel müsste. Die DEL urteilte, dass Wagner auf keinen Fall vor dem 8. Mai wieder aufs Eis darf – also erst nach den Endspielen. Den bisherigen "Rekord" hält Martin Reichel (damals Frankfurt Lions), der 2005 zu 15 Spielen Sperre wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Schiedsrichter verurteilt wurde.
"Ich glaube, dass es die richtige Entscheidung war", kommentierte Regan das Urteil. Auch von Winkler kam kein Widerspruch: "Wir haben das zu akzeptieren. Aber das Allerwichtigste ist, dass es Edwin besser geht und er schnell gesund wird."
Signalwirkung für die Zukunft
Doch jetzt muss sich die Liga in Zukunft auch an diesem Urteil messen lassen und gegen gesundheitsgefährdende Aktionen hart durchgreifen. Denn dieses Urteil muss gerecht sein – und nicht nur eine Lex Red Bull.

