Giftgipfel geht nicht in die siebte Runde: EHC nutzt ersten Matchpuck gegen Ingolstadt

Der EHC Red Bull München nutzt seinen ersten Matchpuck und zieht gegen Ingolstadt ins Playoff-Halbfinale ein. "Es wird mindestens genauso schwer wie diese Serie, wahrscheinlich noch schwerer", warnt Coach Oliver David.
von  Matthias Kerber
Der EHC steht nach dem 7:3-Sieg in Ingolstadt im Halbfinale der DEL-Playoffs.
Der EHC steht nach dem 7:3-Sieg in Ingolstadt im Halbfinale der DEL-Playoffs. © IMAGO/Fotostand

Es ist vollbracht, der Giftgipfel zwischen dem EHC Red Bull München und den Panthern aus Ingolstadt geht nicht in die siebte Runde. Die Roten Bullen verwandelten gleich seinen ersten Matchpuck in dieser Viertelfinal-Serie, siegten in fremden Gefilden mit 7:3 und schickten damit die Ingolstädter in den ungewollten frühzeitigen Sommerurlaub. Im Halbfinale geht es für die Münchner gegen den Ex-Champion Adler Mannheim, der sich seinerseits gegen die Fishtown Pinguins Bremerhaven durchsetzte.

"Es war ein Spiel der Fehler. Wir haben aber sicher nicht den Fehler gemacht, nicht zu kämpfen, aber am Ende haben sie uns bestraft. München ist eben einfach ein gutes Team", sagte Ingolstadt-Coach Mark French: "Ich bin aber einfach stolz auf meine Jungs."

Und EHC-Trainer Oliver David meinte: "Wir haben uns an unseren Spielplan gehalten. Und noch besondere Momente gehabt, wie etwa das wunderbare Tor von Tobias Rieder. Jetzt geht es ins Halbfinale. Es wird mindestens genauso schwer wie diese Serie, wahrscheinlich noch schwerer."

Gute und schlechte Nachrichten für den EHC Red Bull München, die mit der 3:2-Führung in Spiel sechs der Viertelfinal-Serie gingen, offenbarten sich bereits bei der Aufstellung. Starverteidiger Ryan Murphy, das Morgan-Ellis-Opfer aus Spiel zwei, war nach seiner Gehirnerschütterung erstmals wieder mit von der Partie, dafür musste Ellis-Opfer Nummer 2, EHC-Kapitän Hager aus Spiel fünf, passen. "Patrick ist schwer zu ersetzen, er ist unser emotionaler Leader", sagte Münchens Playoff-Topscorer Tobias Rieder über Hager, der kurz vor Schluss von Ellis satt gecheckt worden war. Zur Überraschung vieler setzte es für den Ingolstädter Kapitän aber keine Strafe.

Hirose nutzt Brochu-Fehler eiskalt aus

"Es war ein Open Ice-Hit. Dass Ellis ohne Strafe davonkam, hat mich überrascht. Hager ist Dreh- und Angelpunkt im Münchner Spiel", sagte Ex-DEL-Goalie Patrick Ehelechner, der jetzt als Experte beim übertragenden Sender MagentaSport agiert.

Spiel sechs also wieder in Ingolstadt, dem Ort, an dem es am Dienstag zu diesem Skandalspiel gekommen war. München hatte sich dort 125 (!) Strafminuten eingefangen und gleich drei Akteure durch Spieldauerstrafen verloren. Trauriger Höhepunkt des Skandalspiels: Fabio Wagner, der frühere Ingolstädter Kapitän, beförderte mit seinem Brutalo-Check Edwin Tropmann ins Krankenhaus. Für diese Aktion bekam Wagner von der Liga eine Sperre von mindestens 14 Spielen aufgebrummt, die bis zu 17 Partien anwachsen könnte. Wagners Sperre beinhaltet, dass er in den diesjährigen Playoffs unter keinen Umständen wieder aufs Eis darf.

Das Gesetz der Serie bisher: Wer den ersten Treffer erzielt, gewinnt das Spiel. Dementsprechend wollten beide Teams natürlich den Torreigen eröffnen. Diese Ehre fiel Münchens Taro Hirose in der 4. Minute zu. Tobias Rieder schickte ihn auf die Reise, Ingolstadt-Keeper Brett Brochu, der erstmals seit Spiel zwei wieder im Kasten stand, wollte klären. Der Wille war da, das Können nicht. Hirose angelte sich die Scheibe und bedankte sich für den Fehler mit der 1:0-Führung. "Das Tor ging auf Brochu. Den Start hatte sich Ingolstadt natürlich ganz anders vorgestellt. Das ging komplett in die Hose", analysierte Ehelechner.

Doppelpacker Krauß kontert EHC-Führung

"Das war sehr ärgerlich. Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir so viel schlechter als München waren. Wir müssen jetzt weiter Druck machen", sagte Ingolstadts Peter Spornberger.

Das machten sie – und sie machten das Tor. In der 13. Minute stand Philipp Krauß perfekt und staubte ab. Das 1:1. Doch damit nicht genug. Nur vier Minuten später schnürte Krauß gleich noch den Doppelpack. Die EHC-Verteidigung im Tiefschlaf, Krauß plötzlich ganz allein vor EHC-Goalie Antoine Bibeau mit der Panther-Führung – 2:1. Damit ging es in die erste Drittelpause. "Wir sind gut gestartet, aber dann machten wir zu viele Fehler. Wir müssen weniger Fehler begehen", sagte EHC-Stürmer Hirose.

Fehler? Tore. Gleich nach dem Wechsel schlugen die Münchner zurück. Maximilian Daubner, der erst in Spiel fünf nach langer Verletzungspause sein Comeback gegeben hatte, netzte nach 43 Sekunden zum 2:2 ein. Sein erstes Tor in diesen Playoffs. Vier Minuten später durften aber wieder die Panther ihr Tor-Gebrüll anstimmen, Ellis zog ab, Bibeau konnte die Scheibe vor lauter Verkehr vor seinem Tor nicht sehen. Das 3:2 für die Gastgeber. Doch auch der Ingolstädter Jubel währte nicht lange, 102 Sekunden nach der Ingolstädter Führung hatte München in Form von Philipp Krening die passende, die richtige Antwort parat, der erneute Ausgleich. "Wir dürfen nicht so viele Fehler machen, müssen hinten gut stehen, vorne kommt es von allein", sagte Krening nach seinem ersten Playoff-Treffer: "Gewinnen wird, wer weniger Fehler machen."

Torjäger Rieder setzt bemerkenswerte Serie fort

Den nächsten Fehler machten die Panther. Alex Breton sprang die Scheibe über den Schläger, München konterte, Chris DeSousa vollendete – das 4:3 (32.). Damit ging es auch in die Pause. "Unsere ersten 20 Minuten waren gut, die zweiten 20 leider nicht", sagte Ingolstadts Ellis: "München ist ein Team, das unsere Fehler leider gleich bestraft."

Der Bestrafer hörte auf den Namen Tobias Rieder. Der frühere NHL-Star tanzte genüsslich durch die Ingolstädter Verteidigung und vollstreckte dann in der 48. Minute perfekt – 5:3. Ein Traumtor. Sein sechster Treffer im sechsten Spiel, in jeder Partie dieses Viertelfinales war der Stürmer bisher erfolgreich.

Ingolstadt setzte alles auf eine Karte, nahm fünfeinhalb Minuten vor Schluss den Torhüter vom Eis. Das Risiko zahlte sich nicht aus, im Gegenteil. Fünf Minuten 19 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit traf EHC-Verteidiger Alberts Smits zum 6:3. DeSousa legte drei Minuten vor Schluss noch einen Emptynetter drauf – 7:3. Der Schlusspunkt unter diese so turbulente, so emotionale Serie, diesen oberbayerischen Giftgipfel.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.