Fremdes Eis? Kein Problem! Darum fühlt sich der EHC auswärts derzeit so wohl
Ein Packerl Karten, das iPad und ein Schlafkissen her! Der EHC Red Bull München geht auf Auswärtstour, mal im Zug, mal im Bus, mal per Flieger. Am Freitag (19.30 Uhr) steht das Spitzenspiel am Berliner Ostbahnhof an. Die Eisbären sind Titelverteidiger und auch Tabellenführer. Am Sonntag (19 Uhr, alle Spiele live bei Magentasport) geht's für den viertplatzierten EHC zum aktuellen Tabellendritten Nürnberg Ice Tigers.
Und das restliche Monatsprogramm: Heimspiel gegen die Iserlohn Roosters, ehe es zum Aufsteiger Krefeld Pinguine und zu den Straubing Tigers geht. Für vier der fünf Spiele geht der EHC also auf Reisen. Der Oktober wird zum Hocktober.
Auswärtsreisen sind mythenumweht. Speziell in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mit ihren weiten Auswärtsfahrten tut sich Absonderliches, ähnlich einem Wechsel von Aggregatszuständen in der Chemie. Aus Langeweile auf dem stundenlangen Weg in die Arbeit wachsen am Kartentisch oder bei Aussprachen ganze Mannschaften zusammen. Doch werden aus Teamkameraden, die als Freunde in den Bus stiegen, manchmal plötzlich auch Feinde, wenn es um Schlafgewohnheiten oder den Sitzplatz geht ... Alles schon vorgekommen.
Die langen Reisen gehen den Spielern auf die Knochen
Und dann ist da auch noch die Sache mit den "Busbeinen" und "Zugbeinen" – auch hier der Aggregatzustandswechsel. Die Spieler steigen mit gut trainierten Beinen, mit vor Kraft strotzenden Wadln in der Heimatstadt ein. Irgendwo unterwegs in den Weiten der Republik verhärten sich die Prachthaxn aber und verwandeln sich in steife Klumpen. Unbrauchbar fürs Profieishockey. Schnell zweimal überlaufen werden und schon ist die Partie entschieden, ehe die Wadl der Gäste wieder locker sind. Hunderte Kilometer vergebens angereist.
Der EHC hat die Sache mit den Auswärtsreisen in dieser Saison aber sehr gut drauf. Und das trotz der Lage ganz im Süden der Republik – was per se einige lange Reisen bedeutet! In Bremerhaven (weiter geht’s nicht), Köln und Schwenningen punktete Oliver Davids Mannschaft jeweils dreifach. Nur aus Wolfsburg fuhr sie lediglich mit einem Punkt im Gepäck nach Hause. Das ergibt summa summarum einen Punkteschnitt von 2,5 – er ist doppelt so hoch wie bisher der im eigenen Stadion. Woran liegt’s?

Darum ist der EHC auswärts derzeit so stark
Das Top-Gespann liefert: In der Regel wird von Teams erwartet, dass sie vor den eigenen Fans aktiver mitspielen als dass sie das auswärts tun würden. Das kann sich rächen, wenn der Gast Taro Hirose und Tobias Rieder in seinen Reihen hat. Das Münchner Top-Sturmduo ist mit seiner hohen Geschwindigkeit wie gemacht für Auswärtsspiele. Dadurch ist das Spiel flotter, der Gegner kann weniger häufig die Schussbahnen blocken. Wenn Hirose und Rieder dann auch noch (wie in Schwenningen) Dominik Kahun als Center haben, klingelt es gleich mehrfach.
Die Kaltschnäuzigkeit saß mit im Bus: Daheim will der Puck oft nicht ins Tor. Nicht mal jeder 15. Schuss sitzt – auswärts ist es mehr als jeder Zehnte. Auch in Überzahl könnte der EHC vor heimischen Fans an der Effektivität schrauben. Der EHC schlägt auswärts mehr als doppelt so häufig Kapital. Klingt nach einem mentalen Thema: das Spiel vereinfachen, die Konzentration nicht nur als Gast (und manchmal Außenseiter) hochhalten, zusammenhalten.
Die Stille der Fans der Heimmannschaft nach einem Gegentor – der beste Applaus. Das wird in Berlin schwer genug. Die Eisbären sind das beste Heimteam der Liga und haben in Jonas Neffin einen heißen Goalie (ein Gegentor in fünf Spielen). Das Powerplay wird also noch bedeutender. Die Regel der bisherigen Saison: Trifft der EHC zumindest einmal in Überzahl und schießt vier Tore, gewinnt er auswärts.
