Erich Kühnhackl: "München kann eine Dynastie erschaffen"

Der EHC ist nach dem zweiten Titelgewinn in Serie das Maß aller Dinge. In der AZ spricht Eishockey-Ikone Erich Kühnhackl über diese Erfolge und vieles mehr.
| Matthias Kerber
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Tom Kühnhackl ist Deutschlands Eishockeyspieler des 20. Jahrhunderts.
dpa Tom Kühnhackl ist Deutschlands Eishockeyspieler des 20. Jahrhunderts.

Der EHC ist nach dem zweiten Titelgewinn in Serie das Maß aller Dinge. In der AZ spricht Eishockey-Ikone Erich Kühnhackl über diese Erfolge, den Trainer Don Jackson, Michael Wolf und eine neue Halle.

München - Erich Kühnhackl ist Deutschlands Eishockeyspieler des 20. Jahrhunderts. Der 66-Jährige war Star der legendären Mannschaft, die bei Olympia 1976 in Innsbruck Bronze für Deutschland holte.

AZ: Herr Kühnhackl, was sagt Deutschlands Eishockeyspieler des 20. Jahrhunderts zum erneuten Titelgewinn des EHC Red Bull München, der sich im DEL-Finale gegen die Grizzlys Wolfsburg durchgesetzt hat?
ERICH KÜHNACKL:
Man kann da nur voller Anerkennung gratulieren. München ist ein sehr, sehr würdiger Meister. Die Art, wie sie in den Endspielen aufgetreten sind, nötigt einem den allergrößten Respekt ab. Und wenn man sich die gesamte Saison ansieht, mit welcher Konstanz und Dominanz der EHC aufgetreten ist, dann muss man sagen: Eigentlich durfte es nur diesen Meister geben. Was München da spielerisch, taktisch, technisch bietet, das ist wirklich Eishockey auf höchstem Niveau und das auch noch bei einem Wahnsinns-Tempo. Ich war ja in dieser Saison des Öfteren im Stadion, habe mir das live angesehen. Mir gefällt das Spiel der Münchner wirklich sehr, sehr gut.

München hat jetzt zum zweiten Mal hintereinander den Eishockey-Thron bestiegen – wer soll den EHC überhaupt schlagen? Können die Münchner eine Dynastie schaffen, wie es zuletzt den Eisbären Berlin gelungen ist?
Das ist in der heutigen Zeit sehr, sehr schwierig. Und die anderen Teams werden natürlich alles tun, um München genau von diesem Thron zu stoßen. Aber in München herrscht diese spezielle Mentalität, dass man nur mit dem Besten zufrieden ist, dass man nie stillsteht und auf seine Erfolge blickt, sondern gleich nach dem nächsten Titel schaut. Ich bin mir sicher, dass Trainer Don Jackson sein Team genau nach dieser Mentalität zusammenstellt: Nur wer diese Einstellung in sich trägt, ist für mich interessant. Und dieses Denken, das haben nicht nur der Trainer und die Spieler, sondern alle im Verein und alle auch in der Red-Bull-Organisation. Daher sage ich: Wenn es überhaupt einem Team gelingt, eine Eishockey-Dynastie zu erschaffen, dann dem EHC. Es wir schwer, aber ich traue es ihnen zu.

Tom Kühnhackl ist Deutschlands Eishockeyspieler des 20. Jahrhunderts.
Tom Kühnhackl ist Deutschlands Eishockeyspieler des 20. Jahrhunderts. © dpa

Sie sprachen Jackson an, wie wichtig ist dieser Trainer für den Münchner Erfolg?
Sehr wichtig. Ich kenne ihn ja persönlich sehr gut. Er ist sehr ruhig, sehr besonnen und ausgeglichen. Und so geht er mit seiner Mannschaft um. Er lebt diesen Teamgeist vor, dass nichts und niemand über der Mannschaft steht und alles dem Erfolg des Teams untergeordnet werden muss. Wenn man das vorlebt, dann folgen einem die Spieler auch bedingungslos. Man sieht ja auch, dass sich die Spieler auf dem Eis für Jackson zerreißen. Das kommt daher, dass jeder einzelne weiß, dass der Trainer das Gleiche auch für sie machen würde. So etwas schweißt zusammen. Das ist der Kern, aus dem dieser große Erfolg erwächst.

Wer hat Sie im Münchner Team besonders beeindruckt?
Mei, wenn man sich den Kader anschaut – von den Torhütern über die Verteidiger bis zu den Stürmern –, dann ist da einfach eine enorme Klasse vorhanden. Ein Michael Wolf, ein Konrad Abeltshauser, ein Dominik Kahun. Mit jedem, den man erwähnt, tut man einem anderen Unrecht, der genau so gut ist.

Herausragend ist aber trotzdem Kapitän Wolf, oder?
Definitiv! Er ist einer der besten Spieler, den Deutschland in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Er wird auf jeden Fall in die Ruhmeshalle des Eishockeys aufgenommen, da führt kein Weg dran vorbei. Er überzeugt als Spieler, als Kapitän, als Führungsperson, als Mensch. Er nimmt nie Auszeiten auf dem Eis, nimmt jeden Zweikampf an. Ich bin mir sicher, dass Jackson eigentlich nie einen Moment hat, in dem er etwas an Wolf auszusetzen hat. Man kann es eigentlich nur genießen, ihm zuzuschauen.

Weniger schön ist die Halle in München, die immerhin schon 1967 gebaut wurde. Wie wichtig wäre eine neue Multifunktions-Arena?
Sie ist schlicht dringend nötig. Wenn man 100 Leute zu dem Thema befragt, würden wahrscheinlich 100 sagen, her mit einer neuen Arena. So schön die Zeit, die Erlebnisse im Olympia-Eisstadion waren, sie ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Und ich bin mir vollkommen sicher, dass Eishockey in München noch einmal einen großen Popularitätssprung machen würde, wenn es diese neue Halle geben würde.

Lesen Sie hier: EHC nach Titelgewinn: Was für Feierbiester!

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