Eishockey-Star Sean O’Connor: "Reden kann jeder..."

„Reden kann jeder .... kämpfen ist schwerer“, sagt Sean O’Connor, der mit Straubing auf seinen Ex-Klub EHC Red Bull trifft. Hier spricht er über Pinizzottos Fight mit Reul, seinen Ruf als Hooligan und seine Angst vor Schlangen.  
| Interview: Matthias Kerber
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Sean O'Connor spielrt seit dieser Saison für die Straubing Tigers.
Harald Schindler Sean O'Connor spielrt seit dieser Saison für die Straubing Tigers.

„Reden kann jeder .... kämpfen ist schwerer“, sagt Sean O’Connor, der mit Straubing auf seinen Ex-Klub EHC Red Bull trifft. Hier spricht er über Pinizzottos Fight mit Reul, seinen Ruf als Hooligan und seine Angst vor Schlangen.

München - Der 33-jährige Stürmer Sean O’Connor spielte in der Saison 2013/14 für den EHC München, seit Sommer steht er bei den Straubing Tigers unter Vertrag. Hier äußert er sich im großen AZ-Interview.

AZ: Herr O’Connor, Sie, der Ex-HCler, empfangen am Freitag mit Ihrem neuen Verein Straubing Tigers den EHC Red Bull München. Und das auch noch als Tabellenführer!

SEAN O’CONNOR: Ja, es ist eine Zeit her, dass ich dieses Gefühl hatte! Ich will nicht sagen, dass es vollkommen überraschend ist, denn wir hatten uns vorgenommen, diese beiden Spiele zu gewinnen. Aber uns ist klar, dass dieser Zustand nicht die ganze Saison dauern wird, deswegen genießen wir ihn jetzt umso mehr. Wir sind ein Team, das hart spielen muss, das alles geben muss. Wir können kein Freizeithockey spielen, wir müssen hart arbeiten, hart spielen, hart kämpfen.

Klingt nach dem perfekten Platz für den Mann, den Sie aufgrund seiner großen Raufboldleidenschaft den Hooligan nennen ...

Absolut. Deswegen haben Sie mich ja auch nach Straubing geholt. Und ich muss sagen, mir gefällt es sehr gut hier. Ich kannte die Stadt nicht. Ich mag diese intime Atmosphäre, diese Gemütlichkeit, diese Sauberkeit. Ich war gerade mit meiner Frau und meiner Tochter im Zoo. Der ist super! Wir hatten so einen Spaß! Meine Tochter liebt die Affen, wahrscheinlich, weil sie so oft sieht, dass ihr Vater sich wie einer benimmt (lacht). Und die Gorillas und Schimpansen haben sich auch noch richtig gestritten, mit allen möglichen Dingen um sich geworfen, meine Tochter war restlos begeistert.

Scheint Ihnen besser zu gefallen als Schlangen.

Oh Gott. Die hatten da ein Schlangenhaus, ich konnte da nicht mal reingehen. Ich habe panische Angst vor Schlangen, allein beim Gedanken stellt es mir die Haare auf. Ich wohne ja im Sommer meist in Arizona, meine Frau stammt daher. Eines Tages kam ich nach Hause und da war eine Schlange in der Garage. Die war noch nicht mal giftig, aber ich hätte schreien können. Ich hätte fast die Feuerwehr gerufen, aber dann dachte ich mir, der Hooligan muss die Feuerwehr rufen? Ich habe dann eine Schaufel und meine Eishockeyschläger geholt und sie rausbefördert. Die Schlange hat sich dann auch noch um den Schläger zu mir hochgewunden, der Horror!

Zurück zum Eishockey, wie sehr freuen Sie sich auf das Duell mit München?

Sehr, aber es sind mit Maurer und Seidenberg nur noch zwei Kerle da, mit denen ich vor drei Jahren gespielt habe. Es ist erstaunlich, wie viele Wechsel es gab, obwohl sie so viele tolle Spieler hatten. Aber auch wenn die Eishockey-Episode für mich nicht besonders gut endete, wir uns trennten, ich liebe die Stadt, die Energie, die sie ausstrahlt. Ich habe erst vor ein paar Tagen meinen Schwiegervater in München vom Flughafen abgeholt und dann waren wir in der Stadt. Ich muss nur da sein, dann muss ich lächeln, die Energie ist einzigartig.

Sie gelten als Tough Guy. Der EHC hat sich mit Steve Pinizzotto einen eigenen harten Hund geholt, der in Spiel zwei gleich Mannheims Denis Reul derart verprügelte, dass der einen doppelten Kieferbruch erlitten hat.

Es war ein harter Fight. Steve ist ein harter Hund, aber ich rede nicht gerne über das Kämpfen. Die erste Regel des Fight Clubs lautet: Man spricht nicht über den Fight Club! Reden kann jeder, kämpfen ist schwerer. Vor allem tut mir Reul leid. Er hat sich jahrelang vor sein Team gestellt, hat sich für sie geopfert, dann solche Prügel einzustecken, das tut weh. Steve ist ein harter Kerl, aber es gibt immer einen, der noch härter ist. Ich habe viele Kämpfe gewonnen, einige verloren. Ich habe einen Kieferbruch erlitten, den Wangenknochen, die Augenhöhle gebrochen bekommen. Ich weiß auch, wie es sich anfühlt, zu verlieren.

Wer gewinnt, wenn O’Connor und Pinizzotto aufeinandertreffen?

Ich hasse diese Frage (lacht). Natürlich glaubt jeder, dass er gewinnen kann. Und ich weiß, wie es ist, wenn ich richtig wütend werde. Aber er ist ein harter Kerl, keine Frage.

Welchen Ihrer Spitznamen mögen Sie am meisten. Hooligan? Ulitmate Warrior?

Es ist witzig, meine Teamkollegen nennen mich immer nur OC. Ich hatte das Wort Hooligan noch nie gehört, bevor ich nach Europa kam. Ich habe es als Kompliment genommen. Und Ultimate Warrior? Er war der Held meiner Jugend, vielleicht nicht der beste Wrestler, aber der coolste. Ich hatte seine T-Shirts, seine Poster an der Wand. Zum Warrior gibt es noch eine nette Episode, meine Mutter wird mich dafür hassen, dass ich sie erzähle.

Dann los!

Ich war etwa sieben oder acht Jahre alt. Und jeden Montag habe ich mich in der Schule krankgemeldet und meine Mutter musste mich abholen. Ich habe das immer so getimet, dass ich um 13 Uhr daheim war, denn um 14 Uhr kam Wrestling im Fernsehen, das konnte ich nicht verpassen.

Der Warrior ist vor einem guten Jahr nicht weit von Ihrem Wohnort in Arizona auf offener Straße an einem Herzinfarkt gestorben. Er wurde nur 54 Jahre alt.

Als ich das im Radio hörte, ich konnte es nicht glauben. Ich kenne die Stelle, wo er starb ganz genau. Das war ein schwerer Schlag für mich. Er war mein Held.

 

 

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