EHC: Wolf, der Milch-Champion

 Im AZ-Interview spricht Michael Wolf, der Kapitän des EHC Red Bull München, über die Pleite in Straubing und den Eishockey-Standort München.  
| Matthias Kerber
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Ein Muichkandl als Belohnung: Co-Trainer Matt McIlvane, Uli Maurer, Michael Wolf, Daniel Sparre und Mads Christensen (v.l.) feiern den Sieg bei der Freiluft-Gaudi am Tegernsee.
Foto: gepa pictures/ho Ein Muichkandl als Belohnung: Co-Trainer Matt McIlvane, Uli Maurer, Michael Wolf, Daniel Sparre und Mads Christensen (v.l.) feiern den Sieg bei der Freiluft-Gaudi am Tegernsee.

 Im AZ-Interview spricht Michael Wolf, der Kapitän des EHC Red Bull München, über die Pleite in Straubing und den Eishockey-Standort München.

AZ: Herr Wolf, wir gratulieren voller Bewunderung zu Ihrem ersten Titel mit dem EHC Red Bull München. . .

MICHAEL WOLF: (lacht) Vielen Dank! Es hat echt Spaß gemacht, beim Muichkandl-Cup am Tegernsee teilzunehmen. Das war wie eine Zeitreise zu den Anfängen des Eishockeys, meinen eigenen Anfängen, als man bei Wind und Wetter auf zugefrorenen Seen gespielt hat. Ich hatte zwar in Füssen, wo ich aufgewachsen bin, das Glück, dass es viele Hallen gibt, aber ich kenne das schon noch gut mit den Seen. Ich hoffe, das Event wird wiederholt. Und ich hoffe, dass es nicht der einzige Titel bleibt, den ich hier je gewinnen werde.

Und wer hat die Trophäe mit nach Hause genommen?

Das war schon ich, die steht jetzt bei mir daheim rum.

Wie viel Milch trinken Sie denn so?

Puh, nicht so viel. Ich denke, das Muichkandl würde meinen Jahresvorrat leicht abdecken.

Wie waren denn die ersten Schlittschuhschritte des Michael Wolf überhaupt?

Als ich so fünf war, wurde ich in die Eishalle mitgenommen. Einer, der nicht Schlittschuhlaufen kann, den gibt es in Füssen nicht. Meine Eltern waren wahrscheinlich einfach froh, dass ich von der Straße weg war und haben mich spielen lassen. Die haben das aber nie forciert. Das hat sich bei mir dann so weiterentwickelt.

Dabei hätten Sie sich fast für einen anderen Sport entschieden als Eishockey.

Das stimmt. Ich habe leidenschaftlich Billard und Snooker gespielt. Auch heute noch bin ich ein leidlich guter Hobbyspieler. Ich habe am Tag als Jugendlicher – viele Stunden Eishockey gespielt und viele Stunden Billard. Irgendwann musste ich mich entscheiden, weil beides einfach nicht mehr neben der Schule ging.

Sie hatten jetzt zehn Tage Pause. Davor ging der EHC aber beim Tabellenvorletzten Straubing mit 0:4 unter. Ist es schwer, mit so einer Klatsche in die Pause zu gehen?

Es gibt keinen guten Moment für eine derartige Niederlage. Die ist superärgerlich vor einer Pause, nach einer Pause, in einer Pause, an jedem Tag im Jahr.

Don Jackson war sehr ungehalten, warf der Mannschaft vor, dass sie den Sieg nicht wirklich wollte, nicht bereit war, dafür alles zu geben.

Genau so schaut es aus und ich kann versichern, Don war nicht der Einzige, der richtig sauer war. So kann man nicht auftreten. Aber vielleicht war das sogar gut für uns, es war so eine Art Warnsignal, ein Weckruf an alle. Jeder Einzelne muss jetzt verstanden haben, dass wir, wenn wir nicht alle alles geben, verlieren werden. Wir wollen eine Spitzenmannschaft sein, dann müssen wir auch so auftreten. Vielleicht werden wir Straubing am Ende für diese Lektion noch dankbar sein. Das kam zu einem sehr guten Zeitpunkt. Jeder hatte jetzt viel Zeit, darüber nachzudenken. Und wir wollen die Lektion lernen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Das werden wir tun.

Jetzt geht es am Freitag für Sie gegen Ihren Ex-Verein Iserlohn, den Sie zu dieser Saison verlassen haben. Kribbelt’s noch besonders? Die Roosters haben dem EHC in dieser Saison das Leben schwer gemacht.

Das wird für mich sicher nie ein ganz normales Spiel sein, neun Jahre bei einem Verein sind eine lange Zeit. Ich freue mich drauf, habe noch viele Freunde da. Dass der Wechsel nicht jedem gefallen hat, dass die Reaktionen auch bei den Fans gemischt waren, ist halt so. Damit muss ich leben, damit kann ich leben.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Eishockeys in München? Gerade aus anderen Regionen wird ja immer wieder behauptet, dass München keine Eishockeystadt sei. Wie sind Ihre Erfahrungen nach fast einer Saison hier?

Die Stimmung im Stadion ist toll, reißt mit. Wir haben super Fans. Die Entwicklung ist sehr gut, aber man muss sich natürlich nichts vormachen, dass in der Welt des Sports in München alles im Schatten des allmächtigen Fußballs, des allmächtigen FC Bayern steht. Wir können uns da auch gar nicht aus dem Schatten rausspielen, denn der ist so groß, der reicht ja bis in die ganze Welt (lacht). Aber wird sind dabei, uns zu behaupten, je mehr Erfolg wir haben, umso mehr wird man uns wahrnehmen als eigenständige Attraktion. Wir sind nicht der FC Bayern, aber wir sind schon wer in München.

Sie selber sind ja gar kein großer Fußball-Fan.

Nie gewesen. Das ist gar nicht das Meine. Ich bin wahrscheinlich der einzige Junge in ganz Deutschland, der mit Fußball nie etwas anfangen konnte. Ich war auch nie im Fußballverein. Da bin ich fast ein Aussätziger hier, aber meine Welt ist das Eishockey, nicht Fußball.

 

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