EHC-Star Matsumoto: Die Wurzel der Kiefer

Für den kanadischen Neuzugang des EHC geht es am Sonntag gegen seinen Ex-Klub Augsburg. Exklusiv in der AZ spricht er über seine japanischen Wurzeln und seine große Leidenschaft: Manchester United.  
| Matthias Kerber
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EHC-Neuzugang Jon Matsumoto.
GEPA pictures/ho EHC-Neuzugang Jon Matsumoto.

Für den kanadischen Neuzugang des EHC geht es am Sonntag gegen seinen Ex-Klub Augsburg. Exklusiv in der AZ spricht er über seine japanischen Wurzeln und seine große Leidenschaft: Manchester United.

AZ: Herr Matsumoto, jetzt sind Sie nicht nur Münchner, sondern auch Ehren-Bayer. Sie wurden kürzlich mit dem EHC Red Bull München in Wiesn-Tracht eingekleidet.

JON MATSUMOTO: (lacht) Danke, ja, meine Familiengeschichte ist international, jetzt also München. Ich finde es sehr witzig, dass ich nun auch eine Lederhosn habe. Ich habe in den letzten Tagen all die Leute in Tracht rumlaufen sehen, jetzt gehöre ich dazu, bin kein Aussätziger mehr (lacht). Aber ich muss zugeben, sie ist noch ein bisschen eng. Alle erzählen mir, dass die sich weiten – und ich hoffe, dass man mir da keinen Bären aufgebunden hat, denn noch spannt sie etwas.

Sie sprachen Ihre Familiengeschichte an: Sie haben japanische Vorfahren.

Das stimmt. Mein Vater ist zwar in Kanada geboren, aber seine beiden Elternteile sind Japaner. Wenn man also die Abstammung betrachtet und nicht den Geburtsort, ist er ein hundertprozentiger Japaner. Aber ich habe auch deutsche Wurzeln. Die Familie meiner Mutter hat deutsche Vorfahren, die aus Hamburg stammen. Wir haben ein bisschen Ahnenforschung betrieben, weil wir feststellen wollten, ob ich berechtigt wäre, einen deutschen Pass zu kriegen, aber meine deutsche Wurzeln sind zu alt, zu weit weg. (lacht)

Haben Sie sich je mit Ihrem japanischen Erbe groß auseinandergesetzt?

Ein bisschen, man will ja wissen, woher man kommt. Mein Name ist einer der am häufig vorkommendsten in Japan, fast wie Müller in Deutschland. Aber ich weiß, was er bedeutet: Matsumoto heißt so viel wie Wurzel des Kieferbaums.

Klingt fast poetisch.

Ja, ich mag den Namen.

Sie gelten als Schweiger. Als Sie sich mit einem Wort selbst beschreiben sollten, wählten Sie „langweilig“.

(lacht) Tja, was soll ich lügen und mich interessanter machen, als ich bin? Ich bin schlicht langweilig. Mein Leben besteht aus meiner Familie und meiner Arbeit, das sind die Säulen, die Stützen meines Lebens. Ich mache nicht viel anderes. Entweder ich spiele Hockey oder trainiere oder ich bin eben mit meiner Familie zusammen. Viel anderes mache ich nicht. Das ist nicht unbedingt der Stoff, aus dem Romane entstehen.

Dabei haben Sie zumindest eine große Leidenschaft!

Stimmt! Fußball und vor allem Manchester United. Ich habe auch keine Ahnung, wo diese Passion herkommt. Ich bin in Kanada aufgewachsen, da spielt Fußball im Alltagsleben keine große Rolle und ich habe mich auch immer für American Football und Baseball interessiert, aber irgendwie bin ich beim Fernsehen immer bei Fußball hängengeblieben. Samstagfrüh, da habe ich Fußball geschaut und da in Kanada eigentlich nur die englische Premier League zu sehen ist, bin ich ein Fan der Liga geworden – und eben insbesondere von Manchester United.

Dann werden Sie Freudentänze aufgeführt haben, als Zlatan Ibrahimovic bei ManUnited unterschrieben hat.

Klar! Das ist ein fantastischer Spieler. Und dann kam auch noch Pogba! Das ist eine richtig starke Truppe. Aber mein Lieblingsspieler war schon immer Wayne Rooney. Auch wenn er auf dem absteigenden Ast ist, ich liebe seine Leidenschaft. Mit ihm ist nicht gut Kirschen essen. Es gibt über ihn und all seine roten Karten, die er je bekommen hat, ein Video. Das ist extrem witzig, er hat Leidenschaft. Er liebt den physischen Kontakt, ich bin sicher, er wäre ein sehr guter Eishockeyspieler geworden.

Dafür sitzt Bastian Schweinsteiger auf der Bank. Wenn überhaupt.

Ich weiß, er ist Weltmeister, eine deutsche Legende, aber der Trainer entscheidet, wen er auf dem Platz sehen will. Das ist im Eishockey nicht anders. Daher sage ich: Lasst Mourinho in Ruhe. Er macht das, wovon er glaubt, dass es am besten fürs Team ist. Und es gab ja auch einen Grund, warum Bayern ihn ziehen ließ.

Wenn Bayern also gegen Manchester United spielen sollte...

... werde ich alles tun, um Karten zu bekommen, und dann Manchester anfeuern. Sorry, Bayern!

Am Sonntag geht es für Sie mit dem EHC gegen Ihren Ex-Klub Augsburg.

Das wird sicher ein besonderes Spiel für mich, man will gegen seinen alten Verein immer gut aussehen. Wobei es mir im vergangenen Jahr noch wichtiger war, gegen Schwenningen zu zeigen, was ich drauf habe. Ich hatte dort kein gutes Jahr, die Spiele gegen sie waren meine kleine Rache. Aber für uns beim EHC wird jedes Spiel sehr intensiv. Wir sind der Meister, der Gejagte. Jeder will uns schlagen. Für die anderen Vereine sind diese Partien gegen den Meister die Highlights der Saison. Vergangene Saison gegen den damaligen Meister Adler Mannheim haben wir uns in Augsburg beide Beine ausgerissen. Das war sehr intensiv. Das waren aber nur vier Spiele. Hier in München werden alle 52 Spiele der regulären Saison von dieser Intensität sein. Denn die anderen wollen uns unbedingt schlagen und wir wollen sie unbedingt daran hindern.
 

 

 

 

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