EHC-Neuzugang MacWilliam im AZ-Interview: "Kämpfe sind im Eishockey eine sterbende Kunst"

Der EHC München verpflichtet den Verteidiger Andrew MacWilliam. Exklusiv in der AZ spricht der Kanadier über seine aggressive Spielweise - und wer ihn mit den Red Bulls verkuppelt hat-
| Matthias Kerber
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"Der Sport wird nie seine physische Seite verlieren - und diese Seite gehört sicher zu meinem Stärken", sagt Andrew MacWilliam (l.).
imago images / Icon SMI 2 "Der Sport wird nie seine physische Seite verlieren - und diese Seite gehört sicher zu meinem Stärken", sagt Andrew MacWilliam (l.).
Zwölf Einsätze in der NHL für die Toronto Maple Leafs: Andrew MacWilliam (l.).
imago/ZUMA Press 2 Zwölf Einsätze in der NHL für die Toronto Maple Leafs: Andrew MacWilliam (l.).

AZ-Interview mit Andrew MacWilliam: Der 30-jährige Verteidiger spielte in der vergangenen Saison für die Rochester Americans, jetzt unterschrieb er einen Vertrag für den Magenta-Cup beim EHC Red Bull München. In der NHL brachte er es auf zwölf Einsätze für Toronto.

AZ: Mister MacWilliam, willkommen in München, Sie haben für die Dauer des Magenta-Cups beim EHC Red Bull München unterschrieben. Es soll aber sicher nicht nur ein Kurzaufenthalt werden, oder?
ANDREW MACWILLIAM: Mein Plan ist es, so zu spielen, so aufzutreten, dass alle Seiten der Meinung sind, dass es das Beste ist, wenn ich die gesamte kommende Saison bei den Red Bulls spiele (lacht). Aber Spaß beiseite, ich habe schon länger damit geliebäugelt, dass ich nach Europa komme und ein paar Jahre hier spiele. Weihnachten vergangenen Jahres habe ich dann einfach gemerkt, dass ich wirklich bereit bin, dieses Abenteuer, diesen Schritt in meinem Leben anzugehen. Mein alter Teamkollege und gute Freund Zach Redmond und ich haben dann Anfang diesen Jahres darüber Witze gemacht, wie cool es wäre, wenn wir gemeinsam in Deutschland spielen würden, da stand ja fest, dass er nach München wechselt. Und jetzt ist es genau so gekommen.

Wie viel Kontakt hatten Sie denn zu Redmond in den letzten Tagen und Wochen?
Viel, wir haben uns eigentlich täglich ausgetauscht. Es war auch so, dass er mich gefragt hat, ob er meinen Namen ins Spiel bringen sollte, da er wusste, dass der Verein noch einen Verteidiger sucht. Ich meinte nur: "Na klar!" Zach hat uns also irgendwo verkuppelt. (lacht)

Wie war die Anreise für Sie in diesen Zeiten, die ja vollkommen von der Corona-Pandemie geprägt sind.
Es war schon irgendwie komisch. Am Flughafen in Calgary war es der einzige internationale Flug, der an dem Tag rausging, es waren so wenige Menschen am Terminal, man hat sich fast verloren gefühlt, und auch im Flieger selbst waren nur wenige Passagiere. Ich habe die ganze Zeit die Maske getragen, es sind verrückte Zeiten. Aber ich sehe gerne das Positive: Dadurch, dass so wenige Leute im Flieger waren, hatte ich viel Platz. Gerade bei langen Flügen ist es für Menschen meiner Größe ja sonst oft eher eine Qual.

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Sie sind knapp 1,90 Meter groß, wiegen gute 100 Kilo - dementsprechend spielen Sie auch. Wenn man sich Ihre Highlight-Videos anschaut, sind nicht gerade wenige Faustkämpfe dabei. . .
Nun, wenn man so spielt, wie ich es eben tue, wenn man eine gewisse Aggressivität in seinem Spiel hat, ist es fast unvermeidlich, dass es auch zu Auseinandersetzungen kommt. Ich habe keine Angst davor ein, Statement zu setzen, mich schützend vor meine Teamkameraden zu stellen. Ich suche die Kämpfe nicht, aber ich habe auch keine Angst davor.

Das erinnert ein bisschen an EHC-Verteidiger Keith Aulie, der sagt, dass Einschüchterung auch zu seinem Spiel dazu gehört, der hier in München auch den Spitznamen Muhammad Aulie hat.
Hat er? Cool. Es gibt schlechtere Spitznamen (lacht). Ich kenne Keith. Ich denke, er und ich sind da Brüder im Geiste. Unsere Teamkameraden gehen uns über alles. Es muss allen klar sein, wer sich mit einem unserer Spieler anlegt, der legt sich auch mit uns an. Ich denke, dass das Kämpfen im Eishockey ein bisschen eine aussterbende Kunst ist. In der AHL, in der ich zuletzt gespielt habe, gab es vergangene Saison viel weniger Faustkämpfe. Der Sport ändert sich, aber ich denke, er wird nie seine physische Seite verlieren - und diese Seite gehört sicher zu meinem Stärken. Das weiß der Verein.

Wie kamen Sie selber zum Eishockey. In Kanada spielt gefühlt jedes Kind Eishockey, sobald es laufen kann.
Das ist ein Klischee. Aber eines, das stimmt (lacht). Ich war knapp vier, als ich mit Eishockey angefangen habe, mit fünf war ich dann im Verein. Ich liebe diesen Sport und diesen Beruf. Es ist so ein Privileg, dass ich das, was ich liebe zu meinem Beruf machen durfte? Wir sind doch alle irgendwo wie Kinder, die ihren Traum leben dürfen und sich weigern, erwachsen zu werden. Wer hat den schon einen Beruf, der es ihm ermöglicht, mit 30 Jahren immer noch wie ein Kind sein zu dürfen. Ich lebe meinen Traum. Ich genieße es jede Minute, dass ich Eishockey spielen kann. Daher war es auch so hart, dass Corona diese Welt ins Chaos gestürzt hat, ich hatte in meinem Leben noch nie so eine lange Zeit ohne wettkampfmäßiges Eishockey.

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Sie sprachen davon, dass Sie ihren Traum leben - das Highlight war sicher, dass Sie es in die NHL geschafft haben.
Absolut. Der Anruf, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich mein Debüt für die Toronto Maple Leafs geben würde, war der schönste Anruf, den ich in meinem Leben erhalten habe. Es war nicht unbedingt vorgezeichnet, dass ich es in die NHL schaffen würde. Ich bin in einer der hinteren Runde gedraftet worden, es ist nicht so, dass ich aus einer Hockeyfamilie stamme. Mein Vater hat nicht groß gespielt, mein großer Bruder ist zwar sehr sportlich, aber er war mehr ein Skate- und Snowboarder, meine Mutter hat zwar einen Sportlerhintergrund, aber nicht im Eishockey. Ich denke, es war vor allem mein Wille, mein Ehrgeiz, der dazu geführt hat, dass ich es in die NHL geschafft habe. Und ich bin so froh, dass meine Eltern im Stadion live dabei waren, als ich mein erstes Spiel in der NHL bestritten habe. Es war für sie das Größte, dass sie das miterleben konnten. Und es war auch mein Geschenk an sie, dass all die Opfer, die sie als Eltern gebracht haben, damit ich meinen Traum leben kann, nicht umsonst waren. Es war ein spezieller Tag für uns alle.

Welchen Sporthintergrund hat denn Ihre Mutter?
Sie ist ja Australierin und war eine Netball-Spielerin. Das ist eine Sportart, die es in Deutschland kaum gibt, aber im britisch-geprägten Raum sehr populär ist.

Eine australische Mutter und ein Name, der auf europäische Wurzeln schließen lässt.
Richtig, meine Familie hat schottische Wurzeln. Ja, ich habe einiges mitgekriegt, bin sozusagen ein bisschen ein Weltbürger.

Der jetzt in Deutschland spielt.
Hoffentlich längere Zeit, ja.

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