EHC-Juwel Justin Schütz: Wunder geschehen - immer wieder

EHC-Jungstar Schütz spielt bei der U20-WM. In der AZ spricht er über das Turnier, seinen Traum von der NHL – und einen großen Streich. Der 19-Jährige spielt seit dieser Saison fest beim EHC Red Bull München, 2018 wurde er von den Florida Panthers in die NHL gedraftet. Er spielt jetzt bei der U20-WM für Deutschland.
| Interview: Matthias Kerber
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25 DEL-Spiele für den EHC, fünf Tore, fünf Vorlagen: Justin Schütz, der 19-jährige Stürmer des EHC Red Bull München.
GEPA pictures/ho 25 DEL-Spiele für den EHC, fünf Tore, fünf Vorlagen: Justin Schütz, der 19-jährige Stürmer des EHC Red Bull München.

AZ: Herr Schütz, was überwiegt bei Ihnen im Moment: Die Freude darüber, für Deutschland bei der U20-WM spielen zu dürfen – oder die Trauer darüber, dass Sie gerade jetzt Ihre Teamkollegen vom EHC Red Bull München für einige Wochen nicht unterstützen können?
JUSTIN SCHÜTZ: Da schlagen wirklich zwei Herzen in meiner Brust. Zum einen ist es natürlich ein Traum und eine Ehre, für Deutschland bei dieser so unglaublich stark besetzten WM antreten zu dürfen. Andererseits tut es schon sehr weh, dass man das eigene Team – ich will nicht sagen im Stich lässt –, aber man ihm eben nicht helfen kann. Gerade in der jetzigen Situation, in der wir unglaublich viele Verletzte haben, trifft es die Red Bulls schon schwer, dass John Jason Peterka, Dennis Lobach und ich nicht zur Verfügung stehen.

Beim Aus in der Champions League gegen Djurgarden Stockholm hat man schon gesehen, wie sehr die Verletztenmisere dem EHC zusetzt.
Wir haben nicht schlecht gespielt, aber das wichtige erste Tor nicht gemacht. Stockholm war eiskalt und hat seine Chancen genutzt, wir haben alles gegeben, sind aber am Ende wohl schon verdient ausgeschieden. Aber die Verletzten dienen bei uns nicht als Ausrede. Die, die da sind, geben alles – und jeder hat dann seine Chance.

Sie haben Ihre Chance zu Saisonbeginn genutzt und sich fix in die Mannschaft gespielt.
Ich hätte es mir vor der Saison selber nicht zu träumen gewagt, dass es gleich so gut läuft, dass ich gleich ein Tor mache. Das gibt einem natürlich auch sofort Selbstbewusstsein.

Und jetzt dann die U20-WM. In der Vorrunde geht es gleich gegen Kanada, die USA, Russland und Tschechien!
Das sind Hammergegner – es sind wirklich die besten Spieler der Welt in dieser Altersgruppe vertreten. So eine Klasse hat man selten bei einem Turnier gesehen. Wir sind sicher nicht Favorit. Aber: Wunder geschehen – immer wieder. Vielleicht schaffen wir ja das Wunder, das uns fast keiner zutraut. Man weiß ja jetzt, dass auch Deutschland Eishockey-Wunder produzieren kann.

Letzter Beweistermin dafür waren die Olympischen Spiele 2018 als die DEB-Truppe in Pyeongchang sensationell Silber geholt hat und sogar nur Sekunden gefehlt haben, um der russischen Mannschaft Gold wegzuschnappen.
Ich bin dafür extra aufgestanden, habe so dermaßen mitgefiebert und das Team angefeuert. Es war einfach nur grandios, mitanzusehen, zu was eine deutsche Mannschaft, zu was deutsche Spieler fähig sind. Und das hat auch die ganze Welt gesehen. Und man sieht ja auch an Leon Draisaitl, an Dominik Kahun, an Philipp Grubauer und anderen, dass deutsche Spieler sich in der NHL durchsetzen können.

Sie wurden ja 2018 von den Florida Panthers in die NHL gedraftet – wie wir gehört haben, gibt es da eine sehr nette Geschichte...
(lacht) Stimmt.

Dann mal raus damit.
Naja, der Draft fand ausgerechnet so statt, dass ich in meinem 18. Geburtstag reingefeiert habe. Natürlich hat man mit einem Auge a bisserl geschaut, wie der Draft vor sich geht. Plötzlich klingelt mein Telefon, im Display eine kanadische Nummer. Ich habe schnell den Raum verlassen und dann hat mir einer mit kanadischem Slang gesagt, dass mich die Florida Panthers in der sechsten Runde gedraftet haben. Ich war total weg, habe aber gemerkt, dass ich im Hintergrund immer so ein Lachen höre und eine komische Stimmung herrscht. Da war mir dann klar, dass die mich verarscht haben. Am Telefon war Sebastian Streu, der damals in Kanada gespielt hat und jetzt bei den Eisbären Berlin ist. Meine Freunde hatten sich mit ihm zusammen getan, um mir den Streich zu spielen.

Es gibt aber noch eine Pointe.
Stimmt auch. Ich war eigentlich erst ein wenig sauer, aber dann klingelte wieder das Telefon. Wieder eine amerikanische Stimme. Erst dachte ich, zwei Mal der gleiche Scherz ist nur halb so witzig. Aber dieses Mal war der Anruf echt – und das Highlight: Es waren wirklich die Florida Panthers und es war wirklich die sechste Runde. Am Ende haben wir also alle lachen und feiern können.

Wo sieht sich Justin Schütz in fünf Jahren?
Natürlich ist es mein großer Traum, in der NHL zu spielen. Ich hoffe auch sehr, dass Kahun im nächsten Sommer wieder in München trainiert, dass ich ihn über die NHL ausfragen kann und wie es ist, bei den Pittsburgh Penguins mit meinem großen Idol Sidney Crosby zusammen zu spielen. Auf jeden Fall will ich lange in München bleiben. Hier passt für mich alles – in jeder Beziehung.

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