EHC-Granden: "Herzblut? Unerwünscht!"

Was beim EHC Red Bull München mit Manager Christian Winkler passiert, macht alte Weggefährten traurig.  Ehrenpräsident Jürgen Bochanski: "Man muss so manche Kröte schlucken!"
| Matthias Kerber
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EHC-Manager Christian Winkler (l.) mit Trainer Pierre Pagé (r.) und Co-Trainer Helmut de Raaf (2. v.l.) auf der Wiesn.
EHC-Manager Christian Winkler (l.) mit Trainer Pierre Pagé (r.) und Co-Trainer Helmut de Raaf (2. v.l.) auf der Wiesn.

Was bei Red Bull mit Manager Winkler passiert, macht alte Weggefährten traurig. Ehrenpräsident Jürgen Bochanski: "Man muss so manche Kröte schlucken!"

München - Als Feier geplant, dürfte der Wiesn-Auftritt des EHC Red Bull München nach der Doppel-Heimpleite (1:3 gegen Wolfsburg, 3:4 gegen Ingolstadt) der Millionentruppe des EHC Red Bull München eher der Frustbewältigung gedient haben. Oder dem Teambuilding durch Bierkonsum, schließlich hatte Trainer Pierre Pagé bei seiner Mannschaft „fehlende Chemie” bemängelt. Vielleicht entsteht die ja durch Reinheitsgebot gebrautes Bier.

Der viel größere Aufreger als die Punkte-Nullnummer am Wochenende war aber, dass Manager Christian Winkler, seit nunmehr zehn Spielzeiten das Gesicht, die Stimme und die Integrationsfigur des EHC ist, sich künftig nicht mehr zu sportlichen Belangen äußern wird. Die alleinige Meinungshoheit obliegt zukünftig Coach Page. Die AZ hat sich bei Weggefährten der alten EHC-Zeit umgehört.

Ehrenpräsident Jürgen Bochanski: „So sehr ich mich freue, dass Red Bull Eishockey in München gerettet hat, so sehr macht mich das nun traurig. Zu meiner Zeit war Winkler das sportliche Sprachrohr des EHC – er hat das kompetent, menschlich und ehrlich gemacht. Der EHC ist immer noch irgendwo mein Kind, aber das Kind ist durch den Einstieg von Red Bull erwachsen geworden. Erwachsenwerden ist nicht immer leicht. Da muss man seinen Weg erst finden. Es ist nicht mehr der alte EHC. Man muss wohl dafür, dass Red Bull Eishockey den EHC am Leben erhalten hat, manch’ Kröte schlucken. Die Kröte ist jetzt aber schon sehr, sehr groß.”

Joey Vollmer, Rekordspieler: „Ich finde das Wahnsinn! Damit geht wieder ein Stück EHC-Geschichte verloren. Winkler war so lange der Mann, der für den EHC stand. Ohne ihn wäre der EHC nicht der EHC. Er war immer zu jedem Trainer bis zum Schluss loyal, er hätte sicher nicht dazwischengefunkt, wie es vielleicht Sammer bei Bayern tut.”

AZ-Meinung: Red Bull stutzt Flügel

Winklers Maulkorb:

Was bleibt noch vom EHC?

 
Mario Jann, Rekordfeldspieler: „Ich bin so sprachlos, wie es Winkler sein soll. Gerade die Kommunikation war doch eine von Winklers großen Stärken. Er hat dem Verein ein sympathisches Gesicht gegeben. Das ist sehr schade. Aber dass ein Konzern wie Red Bull einiges ändern würde, war klar. Die sagen sicher nicht: Macht’s weiter wie eh und je, denn so war es wunderbar.”

Ex-EHC-Coach Pat Cortina, jetziger Bundestrainer: „Man muss akzeptieren, dass der EHC jetzt ein neuer Verein, ein anderer Verein ist.”

Markus Jocher, ehemaliger Publikumsliebling: „Ich bin nicht wirklich überrascht. Wenn ein Milliarden-Konzern einsteigt, dann geht es nicht um Gefühle, nicht um Traditionen, nicht um die Identität des Vereins. Es geht ums Geld! Der Winkler hat aber den EHC im Herzen, der wäre – im übertragenen Sinne – für den EHC gestorben. Dieses Herzblut ist aber wohl nicht mehr erwünscht. Ich hoffe sehr, sie machen nicht die gleichen Fehler wie vor gut zehn Jahren bei den Barons. Denn, wer keine Identität hat, hat auch keine Seele. ”

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