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Die bewegende Familiengeschichte von EHC-Star Kevin Reich

Bewegende Familiengeschichte: Kevin Reich, Goalie des EHC Red Bull München, spricht exklusiv in der AZ über seinen Bruder Robin, der an Mikrozephalie leidet - und die Erfolge der Delfin-Therapie.
| Matthias Kerber
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Kevin Reich
Kevin Reich © EHC Red Bull München / City-Press GmbH

Es war sein Herzenswunsch, der zum Ritual wurde. Klein-Kevin schrieb auf seinen Wunschzettel zu Weihnachten nur eins: "Ich wünsche mir, dass Robin einen Satz mit mir spricht."

Doch Robin sprach nicht. Er konnte nicht sprechen. Robin ist von Geburt an gehandicapt. Er ist geistig, geh- und körperbehindert. Und so schrieb sein großer Bruder Kevin im folgenden Jahr wieder seinen Satz auf den Wunschzettel: "Ich wünsche mir, dass Robin einen Satz mit mir spricht." Und im Jahr danach erneut - und ein Jahr später abermals.

Robin kommunizierte mit Lauten, mit Zeichensprache, aber nie mit Worten, mit Sätzen. Bis er 13 war. Dann bekam er einen Computer mit Sprachmodul.

So ging Kevins Herzenswunsch in Erfüllung.

EHC-Goalie Kevin Reich mit seinem kleinen Bruder Robin.
EHC-Goalie Kevin Reich mit seinem kleinen Bruder Robin. © privat

"Ich werde diesen Moment nie vergessen"

Robin sprach nicht nur einen Satz mit ihm, sondern viele Sätze. Ja, es war nur eine Computerstimme, aber es waren Robins Gedanken, seine Gefühle, sein Wesen, das da sprach.

Freude. Tränen. Freudentränen. "Ich werde diesen Moment nie vergessen. Ich war sprachlos, fassungslos - so glücklich", sagt Kevin der AZ, "ich hörte Robin zum ersten Mal. Ich brauchte an dem Computer eine halbe Stunde, um ein paar Worte hervorzubringen, denn die Handhabung ist nicht so leicht, aber Robin ließ in Nullkommanichts Sätze ab. Er ist extrem schlau. Er stellt sich nur manchmal etwas dumm, weil er a bisserl faul ist."

Kevin, das ist Kevin Reich, der 25-jährige Goalie des EHC Red Bull München, für den er 2013 und wieder seit 2017 spielt. Robin (21) ist sein Bruder, der mit Mikrozephalie zur Welt kam. Eine Fehlbildung, bei der Kopf und Gehirn im Vergleich zum Normalzustand zu klein sind. "Wir gehen davon aus, dass es sich um einen Impfschaden handelt. Meine Mama wurde in der Schwangerschaft geimpft", sagt Kevin Reich, "wir haben geklagt, bis Robin 18 war, aber es dann gelassen, die Kosten waren hoch - und es ändert für Robin nichts mehr."

Die Tragödie, die Familientragödie, hat die Reichs aber noch enger zusammengeschweißt. "Natürlich war es immer schwer und eine Herausforderung, gerade für meine Mutter ist es ein 24-Stunden-Job. An so etwas kann man als Familie nur zerbrechen - oder wachsen."

Mama Reich mit den Söhnen Kevin, Dustin und Robin.
Mama Reich mit den Söhnen Kevin, Dustin und Robin. © privat

"Wir sind als Familie so unglaublich stark geworden"

Sie sind gewachsen, zusammengewachsen. "Aber es war kein leichter Weg. Gerade als Kind, wenn man die Blicke der anderen Menschen merkt und spürt, hat man zu kämpfen", sagt Kevin, "aber Robin kann gut damit umgehen. Wer bin ich, dass ich damit Probleme haben dürfte? Robin macht einem vieles so leicht, weil er so ein wunderbarer Mensch ist. Wir sind als Familie so unglaublich stark geworden."

Stärke, die aus Zusammenhalt, aus Kampfeswillen und -mut, aus Loyalität und Liebe erwächst. Denn Robins Leben ist ein täglicher Kampf. "Er ist leider in letzter Zeit immer wieder gestürzt und weil er nicht die Reaktionsfähigkeiten hat, wie andere Menschen, kann er sich nicht mit den Händen abfangen. Wenn er nach vorne fällt, knallt er direkt aufs Gesicht", sagt Kevin, "er hat sich leider dabei schon einige Knochen im Gesicht gebrochen."

Um Robins Koordination zu verbessern, hat die Familie Reich viel ausprobiert. Therapien mit Pferden, doch der Erfolg war überschaubar. Dann hörten sie davon, dass die Therapie mit Delfinen sehr gute Resultate erzielt. "Wir haben es ausprobiert und Robin bekam das Grinsen gar nicht mehr aus seinem Gesicht. Er liebt es, er liebt die Delfine", sagt Kevin, "es hat ihn so angestrengt, dass er danach vier Stunden am Strand schlafen musste. Aber dann wollte er wieder rein. Die Tiere sind unglaublich. Sie spüren, dass Robin anders ist, da kommt gleich der Beschützerinstinkt durch. Bei mir reagieren sie anders als bei ihm."

Robin Reich, der an Mikrozephalie leidet, bei der Delfin-Therapie.
Robin Reich, der an Mikrozephalie leidet, bei der Delfin-Therapie. © privat

"Ohne die Delfine wäre das nicht aufgefallen"

Es herrschte sofort eine besondere Verbindung zwischen Robin und den Delfinen. "Sie schwammen immer auf sein rechtes Bein zu", sagt Kevin, "der Trainer sagte, mit dem Bein kann etwas nicht stimmen, sonst würden sie nicht so agieren. Daraufhin wurde Robin daheim von den Ärzten nochmal untersucht und es wurde festgestellt, dass sein rechtes Bein drei Zentimeter kürzer ist. Ohne die Delfine wäre das nicht aufgefallen."

Zwei Mal waren die Reichs mit Robin auf Delfin-Therapie in Florida, drei Mal auf Curaçao. "Wir können uns das nur alle paar Jahre leisten, allein die zweiwöchige Therapie kostet 10.000 Euro, da sind Flüge, Unterkunft, Verpflegung nicht enthalten", sagt Kevin, "aber er ist jedes Mal, euphorisch, wenn er zu den Delfinen kann. Wenn er mitkriegt, dass meine Mutter das wieder plant, packt er gleich die Koffer und wartet, bis es soweit ist." Hoffentlich bald wieder. . .


Wer helfen will, die Reichs haben den Verein "Robins Starting Six e.V. for special needs" gegründet, der die Belange der Menschen mit besonderen Bedürfnissen in allen Bereichen unterstützen will. Die Kontonummer lautet:
DE33670900000095916007

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