David Meckler: Der Mann für die dreckigen Tore

Der Star des EHC Red Bull München erzielt gegen die Eisbären Berlin einen Hattrick. Hier erzählt er über seine Liebe zu Don Jackson und warum er Deutschland so mag.
| Matthias Kerber
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David Meckler, Stürmer des EHC Red Bull München.
GEPA pictures/ho David Meckler, Stürmer des EHC Red Bull München.

AZ: Herr Meckler, Gratulation – ein Hattrick wie er Ihnen beim 6:3 gegen Berlin gelungen ist– ist auch für einen Torjäger sicher etwas Besonderes.

DAVID MECKLER: Absolut, ich kann leider nicht behaupten, dass das Alltag für mich wäre, das sind dann schon Tage, die man nicht so schnell vergisst. Aber man kann sich definitiv an das Gefühl gewöhnen.

Dabei flogen in der Olympia-Eishalle aber keine Hüte als Ehrerweisung aufs Eis, wie es in Nordamerika nach Hattricks üblich ist.

Ja, da war ich ein bisschen enttäuscht, zumindest eine Kappe hätte ruhig fliegen können (lacht). Aber der Brauch scheint sich hier nicht so durchgesetzt zu haben. Vielleicht, weil hier noch nicht so viele Hattricks waren. Vielleicht muss man die Fans erst dran gewöhnen, die Jungs und ich werden zumindest alles dafür tun, dass sie sich dran gewöhnen. Also ich habe mir vorgenommen, den Fans noch mindestens eine Chance zu geben. (lacht)

Was haben die Teamkollegen gesagt: Haben die Tormaschine Meckler gehuldigt?

Die? Ha! Sie versuchen mir gerade zu erzählen, dass es hier Tradition sei, dass der, der einen Hattrick macht, ein Kabinenfest schmeißen muss. Aber ich werde da erst recherchieren, ich bin mir nicht so sicher, dass ich den Jungs trauen kann, wenn es darum geht, irgendwie ein Freibier zu bekommen. Ich frage auf jeden Fall erst noch ein paar andere Spieler!

Hätten Sie gedacht, dass es bei Ihnen in München derart gut laufen würde, nachdem Sie zu Saisonbeginn in Salzburg von Coach Dan Ratushny aussortiert wurden?

Als sich die Möglichkeit bot, wieder unter Trainer Don Jackson zu spielen, unter dem ich in Salzburg in der vergangenen Spielzeit sehr viel Erfolg hatte, musste ich nicht zwei mal nachdenken. Ich habe eine lange Hockey-Karriere hinter mir. Es gibt Coaches, die ich mag, andere, die ich nicht mag - aber ich liebe Don. Er ist für mich selber extrem wichtig. Ich lerne jeden Tag von ihm. Er ist ein toller Coach, aber bei allem bisher Erreichten, München hat noch gar nicht gesehen, zu was dieser Mann alles fähig ist.

Nämlich?

Wartet ab! Jetzt kommen die Playoffs. Wir werden einen ganz anderen EHC sehen, das verspreche ich. Wir waren schon sehr gut, als wir alle Spieler an Bord hatten, jetzt kommen die vielen Verletzten zurück. Wenn unser Arsenal aufgeladen ist, wird der EHC noch ganz andere Möglichkeiten haben.

Wie würden Sie den Spieler Dave Meckler beschreiben?

Ich liebe es hart zu kämpfen, hart zu spielen. Ich schieße aus allen Lebenslagen. Meine Tore sind vielleicht nicht die schönsten. Aber da ich Eishockeyspieler bin und nicht bei einem Schönheits-Wettbewerb teilnehme, ist mir das egal. Ein schöneres Tor zählt nicht doppelt. Wenn es dreckige Tore sind, kein Problem. Ich nehme die alle mit, sammle sie ein. Wenn ein Müllmann gefragt ist, der solche Treffer erzielt, ich habe mache das gerne.

Was hat Sie denn an den Deutschen, an den Münchner am meisten überrascht?

Das Leben hier ist eine vollkommen andere Erfahrung. Ich stamme aus Chicago, daher genieße ich es, wieder in einer großen Stadt zu leben. Was mich überrascht hat, ist die Freundlichkeit, die Offenheit der Menschen hier, gepaart mit dem Umstand, wie unglaublich lebendig dieser Stadt ist. In Chicago ist immer alles schnell-schnell, schnell. Man rennt zur Arbeit, wieder nach Hause und vergisst dabei das Leben. Ich mag die Offenheit, wie modern das Leben hier ist, dazu dieser Sinn für Geschichte, für Tradition, für Werte. Wobei ich mich schon darauf freue, die Stadt man bei Sonne zu sehen, als ich hierherkam, war es schon Schmuddelwetter, ich habe München wettermäßig nur von der kalten Seite kennengelernt. Und etwas anderes gefällt mir noch.

Was?

Ich habe einen Hund. In Amerika darf ich den nirgendwohin mitnehmen. Hier herrscht gegenüber Tieren eine wunderbare Lockerheit, da schaut auch keiner böse, wenn man einen Hund in ein Restaurant mitnimmt. In Amerika denken viele Leute, in Deutschland würden überall „Verboten“-Schilder stehen, aber es ist hier ganz anders. Hier herrscht ein sehr tolerantes, verständnisvolles Miteinander. Ich finde es toll in München. Salzburg war auch schön, aber eben klein.

Bleiben Sie halt – Ihr Vertrag läuft nach der Saison aus. . .

Ich habe sicher keine Einwände, schlagen Sie es ruhig vor!

 

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