Champion unter falschem Namen

Konrad Abeltshauser ist der neue EHC-Verteidiger, zuvor war er sechs Jahre in Nordamerika. Selbst auf seinem Meisterring wurde der Name falsch geschrieben.
| Matthias Kerber
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EHC-Verteidiger Konrad Abeltshauser.
GEPA pictures/ho EHC-Verteidiger Konrad Abeltshauser.

München - Sechs Jahre lang hat Konrad Abeltshauser, dieser Urbayer aus Unterbuchen bei Bad Tölz, in der Ferne, in der Fremde sein Glück versucht. Als 17-Jähriger war er nach Nordamerika gegangen, um seinen Traum von der NHL zu verfolgen. Es war eine ganz andere Welt für den Conny.

„Ich bin ja wirklich ein sehr heimatverbundener Kerl“, sagte der neue Verteidiger des EHC Red Bull München vor dem Spiel gegen die Eisbären Berlin, „ich fühle mich überall da wohl, wo man a Lederhosn tragen kann, ohne komisch angeschaut zu werden. Aber die Erfahrung Nordamerika war trotzdem eine ganz tolle für mich. Als Spieler und als Mensch bin ich dort gereift.“

Jetzt ist Abeltshauer zurück im Land der Lederhosn – und fühlt sich „sauwohl“. „Ich stamme aus einer Riesenfamilie, mein Papa hat neun Geschwister, meine Mama zwei. Die haben alle Kinder und deren Kinder wieder Kinder. Und das Beste: Fast alle leben in der Nähe von unserem Bauernhof“, sagt Abeltshauser, dessen Name für die Amerikaner und Kanadier ein unüberwindliches Zungenbrecher-Hindernis war.

„Mei, die haben meinen Namen schon ziemlich verhunzt. Wenn ihn einer halbscharig ausgesprochen hat, habe ich ihn gar nicht mehr verbessert. Wahrscheinlich wäre es beim zweiten Versuch eh nicht besser geworden“, sagt Abeltshauser, „ich habe mir sehr schnell angewöhnt, den Leuten zu sagen, sie sollen mich bei meinem Vornamen anreden.“
Aussprechen ist das eine, ausschreiben das andere. Nicht einmal auf dem Meisterschaftsring, den er mit Allen Americans in der ECHL, der East Coast Hockey League, gewonnen hat, steht der Name falsch. Da wurde Abeltshauser zum Albeltshouser. „Ja, das ist schon witzig, der Name ist falsch eingraviert. Aber selber schuld, wenn man so einen langen Namen hat.“ Abeltshauser, der Champion unter falschem Namen.

Der Eiskoloss, der 102 Kilo bei 1,96 Meter Körpergröße auf die Waage bringt, hat übrigens ein ganz eigenwilliges Hobby. Er strickt gerne. „Ich habe das in der Schule gelernt – und das verlernt man nicht“, sagt der Offensivverteidiger, der trotz seiner Maße kein Freund des sehr physischen Spiels ist. „Als ich dann noch in Halifax, wo ich auch meine jetzige Verlobte kennengelernt habe, war und wir auf eine ganz lange Busreise gingen, habe ich mal das Strickzeug mitgenommen.“

Der strickende Bayer sorgt bei den Teamkollegen für Heiterkeit. „Natürlich setzt man sich der Gefahr aus, dass man Spott abkriegt. Die Jungs haben viel geschaut und noch mehr gelacht. Sprüche gab es auch nicht wenige, aber da kann ich gut mitlachen. Und am Ende hatte ich eine schöne Mütze und die anderen nichts“, sagt Abeltshauser, der noch eine andere große Leidenschaft hat: Fußball. Bei Bad Heilbrunn spielte er lange, aber vor allem ist er passionierter 1860-Fan. „Mei Papa hat mich als Kind schon mitgenommen. A bisserl a Masochist musst da schon sein, aber ich finde, das passt zu uns Bayern. Wir granteln ganz gerne und die Löwen liefern dir dazu immer einen Grund. Ich bin ein echter Fan, nicht nur in den guten Zeiten.“ Abeltshauser – ein Bayer durch und durch. Einer, der einfach ins Lederhosn-Land gehört.   

 

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