Barta: "Wir sind eine Wundertüte"

Alex Barta, Topscorer des EHC Red Bull München, spricht Klartext: über die bisher frustrierende Saison, Pfiffe der Fans, Enttäuschungen – und Trainer Pierre Pagé.
| Matthias Kerber
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Nationalstürmer Alexander Barta, der Topscorer des EHC Red Bull München.
sampics/Augenklick Nationalstürmer Alexander Barta, der Topscorer des EHC Red Bull München.

AZ: Ihr Trainer Pierre Pagé meinte nach der 0:2-Pleite gegen Straubing, dass der EHC es immer wieder voll in die Fresse braucht. Stimmt das, Herr Barta, sind Sie beim EHC so masochistisch veranlagt?

ALEX BARTA: (lacht) Nee, ich kann nicht behaupten, dass mir das Spaß machen würde, wenn wir richtig abstinken. Aber ich muss dem Trainer trotzdem irgendwo recht geben, als Team scheinen wir immer wieder einen Dämpfer zu brauchen. Warum auch immer. Wir sind irgendwo eine Wundertüte. Das wissen wir auch selber. Wenn es nicht so läuft, kriegt das auch jeder bei uns mit und irgendwie versucht jeder dann etwas Besonderes. Wenn das aber alle tun, kommt dabei natürlich Chaos raus. Das hatten wir zuletzt abgestellt, gegen Straubing war es wieder da. Leider.

Der EHC, den Pagé vor der Saison ja als Titelfavoriten ausgerufen hat, hat es nicht unter die Top-Six geschafft, muss jetzt in die Preplayoffs. Ziemlich frustrierend, oder?

Zufrieden ist damit keiner hier. Man muss aber ehrlich sein: Wer es in 51 Spielen nicht schafft, unter die Top-Sechs zu kommen, hat es auch einfach nicht verdient. Mir war vor der Saison schon relativ klar, dass wir nicht unter den besten Drei landen, aber dass wir es nicht unter die ersten Sechs geschafft haben, ist enttäuschend. Wir haben es nun in der Hand, die Saison noch zu retten, sie zu etwas Denkwürdigem zu machen.

Sie waren nach der Pleite gegen Straubing verärgert – auch über die Pfiffe der Fans.

Die Fans haben jedes Recht, ihren Unmut zu äußern. Ich fand nur den Zeitpunkt unglücklich. Wir haben in dieser Saison schon viel schlechtere Spiele abgeliefert, und zuletzt hatten wir fünf Heimsiege, da fand ich es schade, dass es schon nach dem zweiten Drittel Pfiffe gab. Gerade im Hinblick auf die Playoffs müssen wir zusammenhalten. Wir brauchen die Unterstützung der Fans. Falls wir früh scheitern sollten, gibt’s genug Chancen, uns auszupfeifen. Da pfeife ich sogar vielleicht selber mit. Aber jetzt sollten wir eine Einheit sein.

Ab welcher Platzierung wäre denn diese Saison für Sie keine Enttäuschung mehr?

Klar ist, ich will den Titel, aber den wollen neun andere Teams auch. Wir sind jetzt in den Preplayoffs. Vergangene Saison ist Wolfsburg von dort aus bis ins Halbfinale gekommen, das wäre für uns auch was. Ein Aus in den Preplayoffs wäre sehr enttäuschend, ein Scheitern im Viertelfinale, naja, danach kann man für eine ganz neue Truppe sicher zufrieden sein.

Sie sind einer der Leader, einer der wenigen, der die gesamte Saison Leistung gebracht hat, wie sehr ergreifen Sie in der Kabine das Wort?

Nun, wir haben in Andy Wozniewski unseren Kapitän, er sagt auch sehr viel zu den Spielern. Ich bin einer, der nicht so viel sagt, ich versuche auf dem Eis ein Vorbild zu sein. Reden kann jeder, aber jede Tat ist für mich mehr wert als die schönsten Worte.

Pagé ließ das Team die Saison extrem hart trainieren, so hart, dass er selber zugab, dass die Spieler „teilweise tot waren“. All das dafür, um jetzt in den Playoffs die fitteste Mannschaft von allen zu sein. Sind Sie das jetzt?

Fit sind wir ohne Frage, aber es ist ja nicht so, dass die anderen Teams nicht trainiert hätten. Ich weiß auch nicht, wie sehr man Fitness messen kann. Es gibt Spieler, die zeigen die ganze Saison nichts und knipsen zu den Playoffs alle Lichter an – ist das Fitness? Für mich ist Fitness zum großen Teil Kopfsache. Wenn meine Beine schwer sind, hat das viel mit dem Selbstvertrauen zu tun. Wenn mein Kopf stark ist, spüre ich die Müdigkeit der Beine nicht.

Falls Sie früh mit dem EHC scheitern, können Sie sich bei den vielen Stunden, die Sie auf dem Ergorad in der Saison saßen, immerhin für die Tour de France melden.

(lacht) Wir würden die Tour sicher nicht gewinnen, aber durchkommen würden wir bei der Übung, die wir haben, wahrscheinlich alle. Aber Spaß beiseite, wir werden alles dafür tun, dass wir in unserer Erstkarriere als Eishockeyspieler Erfolg haben, nicht in einer Zweitkarriere.

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