Ausgelaugter EHC freut sich über Olympia-Pause: "Kommt zur richtigen Zeit"

So manch einer wird kräftig durchschnaufen beim EHC Red Bull München. Puh, endlich Pause. Das findet Trainer Oliver David, das sieht auch Stürmer Tobias Rieder so, nachdem die Mannschaft in der Nacht zu Mittwoch mit einem 1:3 bei den Schwenninger Wild Wings zurück nach Hause kam. "Wir haben uns in der Vergangenheit schon schwergetan in Schwenningen, die Pause kommt auf jeden Fall zur richtigen Zeit", sagte der Landshuter zur AZ und geht davon aus, dass die Ligaunterbrechung für die Olympischen Spiele für frische Energie sorgen wird. Jedenfalls bei dem Teil des Teams, der anders als er, Mathias Niederberger und Fabio Wagner nicht nach Mailand reist.
Über Wochen hatte der viermalige DEL-Meister die Ausfälle von Schlüsselspielern gut aufgefangen und den positiven Trend aufrechterhalten. In den letzten Partien vor der Pause schienen sich die Batterien aber merklich zu leeren, was zu Konzentrationsschwächen und vermeidbaren Fehlern führte. In Schwenningen musste der EHC erneut vier Stürmer ersetzen, die allesamt in Überzahl und Unterzahl wichtige Rollen einnehmen: Gabriel Fontaine, Adam Brooks, Chris DeSousa und Veit Oswald.
EHC kämpft nach der Olympia-Pause um das Viertelfinal-Heimrecht
Obwohl drei der vergangenen vier Partien danebengingen, steht der Eishockeyclub als Vierter in der Tabellen-Spitzengruppe und hat mit 84 Punkten nach 44 Spielen die Möglichkeit, sich in eine bessere Ausgangsposition für die Playoffs zu bringen. "Wir sind trotzdem gut dabei, es ist alles eng", schätzte Rieder ein. In den verbleibenden acht Hauptrundenspielen ab 25. Februar ist Rang zwei erreichbar, das Heimreicht für das Viertelfinale sollte das Mindestziel sein. Welche Faktoren für und welche gegen den EHC sprechen, fasst die AZ in der vorolympischen Bilanz zusammen.
Heimspiele: Der Januar war kein Glanzstück für den EHC, gemessen an den äußerst überzeugenden Monaten November und Dezember. Wenn für die Münchner der Hauptrundenendspurt beginnt, stehen aber beginnend mit dem oberbayerischen Derby gegen den ERC Ingolstadt fünf Spiele im SAP Garden drei Duellen auf fremdem Eis gegenüber. Davids Team hat den drittbesten Punkteschnitt der Liga pro Heimspiel, nur Tabellenführer Köln und der -dritte Ingolstadt sind einen Tick besser, haben aber eines bzw. zwei Heimspiele mehr absolviert. Angesichts der aktuellen Auswärtsdelle könnte dies im Kampf um die Plätze zum Vorteil werden.
In der EHC-Offensive steckt noch einiges an Potenzial
Offensive: An der Spitze der Torjägerliste sucht man vergeblich nach EHC-Spielern. Die Münchner haben nicht den einen alles überstrahlenden Scharfschützen, wie Berlins Liam Kirk (30 Treffer) oder Ingolstadts Riley Barber (27). Auf Rang 28 taucht Jeremy McKenna mit 14 Toren – darunter das einzige in Schwenningen am Dienstag – auf. Die Stärke zieht der EHC aus der Breite, acht Spieler haben bereits zehn und mehr Treffer erzielt, darunter die vier Profis, die am Neckarursprung ausfielen. Das zeigt, welches Potenzial schlummert, sollten die Roten Bullen ab dem Wiederbeginn personell nahezu vollständig sein.
Die EHC-Defensive zeigte sich zuletzt anfälliger
Defensive: Nur die Adler Mannheim (104) haben weniger Gegentreffer erhalten als der EHC (111). Das liegt einerseits am überragenden Goalie Antoine Bibeau, andererseits am zumeist guten Defensivverhalten. Hier aber haben die vergangenen vier Partien die Statistik negativ beeinflusst, was ein Alarmzeichen für Coach David sein sollte. 15 Mal schlug der Puck im Tor der Münchner ein, zuvor waren drei oder mehr Gegentreffer eine Seltenheit. Dass in diesem Bereich die Stabilität zurückkehrt, wird nicht nur für die Playoff-Ausgangslage entscheidend sein. Ein von Olympia beschwingter Niederberger könnte zudem das Torhütergespann zur Trumpfkarte formen. David lobte dessen Leistung am Dienstag.
Special Teams: Sowohl in Überzahl wie in Unterzahl hatte der EHC schon gute Phasen in dieser Saison, im Schnitt jedoch können Patrick Hager und Co. ihr Niveau dort noch steigern. Das Powerplay ist ligaweit das fünftbeste (22,9 Prozent), das Penalty Killing rangiert an achter Stelle (78,46). Beide Werte bedürfen einer Verbesserung, wenn die Münchner ihren Anspruch mit Taten unterlegen wollen: ein Titelanwärter zu sein.