100 Sekunden der Schande! Skandal-Check überschattet Playoff-Kracher des EHC – Tropmann schwer verletzt

Der Puck lag auf dem Mittelpunkt. Nur unweit des Tatorts. Die Uhr tickte runter. Eine Minute und 40 Sekunden lang. 100 Sekunden der Schande. Die Schiedsrichter Christopher Schadewald und Marian Rohatsch hatten zuvor die Trainer des EHC Red Bull München, David Oliver, und vom ERC Ingolstadt, Mark French, zu sich gerufen und ihnen erklärt, dass sie die Teams nicht mehr zurück aufs Eis lassen würden, um das vierte Playoff-Spiel dieser Viertelfinal-Serie zu Ende zu spielen.
Ein Quasi-Spielabbruch.
Der folgenschwere Check von Wagner gegen Tropmann
Es bestand Eskalationsgefahr dunkelrot. Denn auf Münchner Seite waren zuvor beim Stande von 2:7 in der Saturn Arena in Ingolstadt alle Sicherungen durchgebrannt. Denn traurigen, unwürdigen und zutiefst unsportlichen Höhepunkt hatte Minuten Fabio Wagner (30) gesetzt.
Er, der schon als Bua Fan der Panther aus Ingolstadt war, der von 2014 bis 2025 dort gespielt hatte und sogar fünf Jahre Kapitän war, ehe er zu dieser Saison nach München gewechselt war, hatte ERC-Verteidiger Edwin Tropmann mit voller Wucht, mit voller Geschwindigkeit über den Haufen gefahren.
Der 20-Jährige verlor bei der Rambo-Aktion seinen Helm, knallte ungeschützt aufs Eis. Tropmann war sofort bewusstlos, nur die Beine zuckten noch unkontrolliert. "Ärzte aufs Eis", rief der entsetzte Stadionsprecher. Ingolstadts Teamarzt Stephan Ehlers zeigte umgehend an, dass Tropmann schwer verletzt war, Sanitäter eilten aufs Eis, kümmerten sich um die Notversorgung. Erst nach mehreren Minuten wurde Tropmann auf einer Trage aus der Arena gebracht. "So etwas wollen wir nicht sehen. Die Gedanken sind jetzt bei dem Burschen", sagte Münchens Manager Christian Winkler: "Fabio ist keiner, der für so etwas steht. Aber da sind bei ihm die Emotionen wohl durchgegangen. Absicht unterstelle ich ihm aber sicher nicht."
Tropmann kam erst im Krankenwagen wieder zu Bewusstsein. Panther-Sportdirektor Tim Regan prangerte die Münchner an: "Die Trainer müssen die Mannschaft im Griff haben, vor allem bei dem Spielstand war das eine völlig unnötige Aktion. So etwas darf nicht passieren. Das schadet unserem Produkt und der Gesundheit unserer Spieler."
Empörung in Ingolstadt und Kritik an München
Wahre Worte. Wie sehr das Produkt gelitten hatte, zeigte sich auch nach der Schlusssirene. Die Ingolstädter Fanseele kochte verständlicherweise über. Der Münchner Mannschaftsbus konnte das Gelände nur unter Geleitschutz einer Hundertschaft Polizisten verlassen. Zuvor hatte EHC-Coach David noch auf dem Eis beim übertragenden Sender MagentaSport ein Interview gegeben. Sichtlich mitgenommen, sichtlich überfordert meinte er, "dass er so ein Spiel noch nie gesehen" hätte, sprach von "einem Unfall". Es sei "Teil des Spiels, einen Weg zu ins Spiel zurückzufinden. Und sei es für das nächste Spiel". Nicht gerade die Worte, die in dieser Situation angemessen erschienen.
Tags darauf meldete sich Wagner auf Instagram zu Wort. Er, der bei seinem Wechsel nach München erklärt hatte, das er "den ERC Ingolstadt immer in seinem Herzen tragen" würden meinte: "Lieber Edwin, was gestern auf dem Eis passiert ist, tut mir aufrichtig leid. Es war ein Fehler von mir und ich trage die volle Verantwortung für mein Handeln. Das Wichtigste ist, dass du schnell wieder fit wirst, es dir bald besser geht und dass du schnell wieder auf dem Eis stehen kannst. Gute Besserung."
Immerhin gab es leichte Entwarnung von Tropmann, der eine Kopf- und Nackenverletzung erlitten hatte. "Danke an alle für die vielen lieben Genesungswünsche. Hat mich echt gefreut und motiviert! Ich geb mein Bestes, schnell wieder fit zu werden", erklärte er aus dem Krankenhaus.
Entschuldigung des Täters und erste Entwarnung
Leider war Wagner nicht der einzige EHC-Spieler, der komplett ohne Emotionskontrolle agierte. Jeremy McKenna hatte zuvor bereits Daniel Schmölz mit einem Ellenbogen-Check niedergestreckt, bekam dafür fünf Minuten plus Spieldauer. Dillon Heatherington interpretierte den Slogan "Red Bull verleiht Flügel" in "Red Bull verteilt Prügel" um, schlug wild auf Morgan Ellis, der in Spiel zwei der Serie EHC-Verteidiger Ryan Murphy in die Bande gecheckt hatte, ein.

Auch er bekam fünf Minuten aufgebrummt und wurde vorzeitig zum Duschen geschickt. 125 Strafminuten standen am Ende auf Münchner Seite zu Buche (Ingolstadt 50), darunter fünf Mal fünf Minuten (Taro Hirose, Yasin Ehliz, Wagner, Heatherington, McKenna), zweimal zehn (Ehliz, Heatherington) und dreimal 20 Minuten (Wagner, McKenna, Heatherington).
Dass der schlechteste Platz im Stadion immer das Sünderbankler ist, müssen sie beim EHC wohl erst lernen. Zum Vergleich: In der gesamten Hauptrunde (52 Spiele) hatte der EHC zuvor 518 Strafminuten kassiert. Darunter acht Fünf-Minuter, zwei Zehner und drei Zwanziger. Die Entscheidung des Disziplinarausschusses unter dem Vorsitzenden Alexander Barta – früherer EHC-, aber auch Ingolstadt-Spieler, über etwaige Sperren für die Münchner Spieler stand am Mittwochnachmittag noch aus.
Am Donnerstag (19.30 Uhr, MagentaSport), kommt es jetzt in der Serie (Stand 2:2) zu Spiel fünf im SAP Garden. Hoffentlich dann mit coolen Köpfen und Herzen. "Ich denke, beide Seite hoffen, dass dies wieder ein normales Eishockeyspiel wird", sagte Manager Winkler: "So normal wie es sein kann."